Kein "Newseum" in der Halle 116: Planungen für Gedenkort schreiten voran

Seit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte im Jahr 1998 steht die Halle 116 leer. Vor der Befreiung diente sie als Außenlager des KZ Dachau. In dem Gebäude soll nun ein Erinnerungs- und Lernort entstehen. Foto: Nana Asante

Wie soll in Augsburg künftig der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden? Und wie kann vor allem bei jungen Menschen durch politische Bildung eine Annäherung an extremistische Strömungen verhindert werden? Viele lokale Akteure würden gerne eine gemeinsame Antwort auf diese beiden Fragen sehen, und zwar in der Halle 116. Über die museale Nutzung des ehemaligen KZ-Außenlagers als Erinnerungsort wird schon seit rund zwei Jahrzehnten nachgedacht.

Leere Versprechung

Während die Stadt die Planungen zu einem Erinnerungsort in der Halle 116 seit vergangenem Jahr intensiver vorantreibt, wird aus einem zweiten Projekt wohl nichts: Das von Ministerpräsident Markus Söder 2018 versprochene "Bildungszentrum für Neue Medien und Demokratie" in Augsburg sollte ursprünglich als Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit im Augsburger Glaspalast entstehen. Bei einem Besuch in Augsburg hatte Söder ursprünglich rund 15 Stellen für das Medien- und Nachrichtenmuseum angekündigt.

Doch nach der Ankündigung wurde es recht schnell ruhig um das Projekt "Newseum", der damals angedachte Eröffnungstermin im Oktober 2019 sang- und klanglos verpasst. Allerdings begann man im April 2019 mit einer rund einjährig angelegten Konzeptionsphase, um einen Plan für die Außenstelle zu entwickeln.

Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in der Innenstadt

Währenddessen wurde in Augsburg in den Jahren 2018 und 2019 mehrfach die Idee laut, die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit doch stattdessen in das Konzept für die Halle 116 zu integrieren. Unter anderem forderten das die Augsburger Grünen sowie die Ausschussgemeinschaft aus Freien Wählern, Linken, Ödp und PolitWG. "Die Lokalisierung der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in der Halle 116 würde eine organische Verbindung von Bildungsauftrag und historisch einmaligem Gedenkort darstellen", begründete das etwa die Ausschussgemeinschaft. Auch Harald Munding, Sprecher der VNN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifachisten) Kreisvereinigung Augsburg, wünschte sich eine Aufnahme des Newseums in die Halle 116, denn so könnten historische Erinnerungen mit aktueller Aufklärungsarbeit und Demokratie-Erziehung verknüpft werden.

Im Dezember erklärte das Staatsministerium für Unterricht und Kultus nun auf eine Anfrage der Grünen Landtagsabgeordneten Stephanie Schuhknecht zum aktuellen Stand der Konzeptionsphase, dass man für die Außenstelle zwar auch "die öffentlich diskutierten und bekannten Standorte Glaspalast und Halle 116 geprüft" habe, nach aktuellem Planungsstand aber stattdessen "zeitnah eine Beauftragung der Immobilien Freistaat Bayern mit der Anmietung von entsprechenden Büroräumlichkeiten in der Augsburger Innenstadt" ins Auge fasse.

"Ein reines Wahlkampfversprechen"

Außerdem sind nun nur noch 6,5 Stellen für die Außenstelle geplant. Auf die Frage der Grünen "welche inhaltlichen Aufgaben die Außenstelle über eine reine Büro-Geschäftsstelle hinaus wahrnehmen soll", informierte das Ministerium, dass man "die Projektidee eines ,Newseums' beziehungsweise eines ,Bildungszentrums für Neue Medien und Demokratie'" nicht weiterverfolge. Aufgrund des Rückzugs der Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum und damit der "Sammlung Welke" sei der zentrale Inhalt dieser Ausstellung nicht mehr präsent. Statt einem Museum soll die Außenstelle nun lediglich als "Ideenschmiede" dienen, die neue Ideen zur politischen Bildungsarbeit entwickelt, besonders im Hinblick auf Extremismusprävention online, und diese gegebenenfalls in Augsburg "mit Blick auf ein bayernweites Angebot erprobt".

Diese aktuellen Pläne kritisierten die Augsburger Grünen. Sie fordern weiterhin, die Außenstelle, gemeinsam mit einer neuen "kommunalen Fachstelle für Demokratie und Bildungsarbeit" in der Halle 116 anzusiedeln. "Das Versprechen von Söder, die Landeszentrale so aufzubauen, dass wirklich umfassende politische Bildung zu neuen Medien dort stattfinden kann, war ein reines Wahlkampfversprechen", reagierte Stephanie Schuhknecht auf die Antwort des Ministeriums.

Halle 116 als Erinnerungs- und Lernort

Über den aktuellen Stand der Planungen für die Halle 116 will Kulturreferent Thomas Weitzel am 20. Januar informieren. Laut einem Beschluss des Kulturausschusses vom 21. Mai 2019 will die Stadt die Halle "als Erinnerungs- und Lernort" zur Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit nutzen. Hierfür hat sich eine Arbeitsgruppe aus engagierten Initiativen und Vereinen, Opfergruppenvertretern und Experten gegründet, die ein Mitspracherecht bei der Verwirklichung des Erinnerungsortes besitzen.

Die Verwaltung der Stadt Augsburg beauftragte außerdem den Historiker Reinhold Forster, Forschungen zu den Namen und biographischen Daten der ehemaligen Zwangsarbeiter des KZ-Außenlagers Augsburg-Pfersee anzustellen. Inzwischen habe er umfangreiches Daten- und Aktenmaterial, unter anderem des Archivs der KZ-Gedenkstätte Dachau, ausgewertet, informiert die "Initiative Denkort Halle 116". Einige Ergebnisse seiner Recherche, die wohl auch in die Gestaltung des Gedenkortes miteinfließen werden, wird Forster ebenfalls am 20. Januar, 19 Uhr, im Evangelischen Forum Annahof vorstellen.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

Neueste Kommentare

Wann können wir wieder die Weiche Richtung …
1 Tag 10 Stunden
Osterglocken .....
1 Tag 10 Stunden
Osterglocken .....
1 Tag 11 Stunden
Kirschbaumblüte
5 Tage 15 Stunden
Kirschbaumblüte
1 Woche 16 Stunden


X