Krise in der Oberhauser SPD: Christos Kislinger tritt zurück

von LeserReporter Hans Blöchl aus Augsburg-Lechhausen
Hier schien noch alles in Ordnung zwischen Dieter Benkard (links) und Christos Kislinger . Foto Blöchl

Überraschung, Betroffenheit, Enttäuschung – das sind die Reaktionen der Beteiligten in der SPD auf den Rücktritt des Vorsitzenden des Oberhauser Ortsvereins, Christos Kislinger.
Kislinger ist auch Mitglied im Unterbezirksvorstand der SPD und in der ARGE Oberhausen aktiv, gut vernetzt im Stadtteil. Die Funktion im Unterbezirksvorstand will er behalten, in der ARGE plant er Ende März als Stellvertreter der Vorsitzenden Hannelore Köppl zu kandidieren.

Der 28-jährige Familienvater hatte vor zwei Jahren die Funktion von Dieter Benkard übernommen, der seit langen Jahren in der Partei in verschiedenen Funktionen tätig war und ist. Er ist derzeit auch noch Kassier im Ortsverein.

Es schien alles ganz gut organisiert in der SPD – hier der altgediente Stadtrat Dieter Benkard, seit 30 Jahren im Stadtrat und da der junge Christos Kislinger als Nachfolger in der Partei und auch als Kandidat für den Stadtrat vorgesehen. Erst vor kurzem hatte er für die SPD einen gut angenommenen Besuch in der neuen Theaterspielstätte im Gaswerk organisiert, eine Bürgersprechstunde mit Ordnungsreferent Dirk Wurm am Oberhauser Bahnhof fand ebenfalls guten Zuspruch. Umso überraschender kam jetzt die Rücktrittserklärung, die die Partei gut ein Jahr vor der Kommunalwahl 2020 in einige Schwierigkeiten bringt.

Als Begründung für den Schritt führt Kislinger in einem Telefonat ausschließlich persönliche Differenzen mit Dieter Benkard an, ohne diese näher zu erläutern. Er sprach von einer „gestörten Kommunikation“, Auch „ihm tue es leid, aber es ging nicht anders!“

Benkard selbst zeigt sich äußerst betroffen, „darauf war ich überhaupt nicht gefasst!“ Nach seinen Aussagen hatte es vor der Entscheidung auch kein persönliches Gespräch gegeben. Er bedauert auch, dass die Augsburger Parteichefin Ulrike Bahr „keine Zeit für ein Gespräch gefunden hat!“

Ihm ist auch nicht klar „wo die großen unüberbrückbaren Differenzen liegen!“:Er selbst wollte und will nicht mehr für den Stadtrat antreten und sah den jungen Nachwuchspolitiker als seinen Nachfolger.

Ob der Rücktritt mit den bevorstehenden Stadtratswahlen zusammenhängt bleibt ungeklärt. Nach dem angekündigten Rückzug Benkards – der aber auf Bitten der Parteispitze vielleicht auf einem hinteren Platz kandidiert hätte – war der Weg für Kislinger eigentlich frei. „Wir haben ihn auch stark unterstützt!“ zeigt sich Stadtratsfraktionsvorsitzender Florian Freund etwas enttäuscht. Auch er tut sich schwer, den Schritt Kislingers nachzuvollziehen. Er sah in einer gemeinsamen Kandidatur beider für den Stadtrat kein Problem, „weil sie sich in ihren Stärken ergänzen!“ Es ist zu spüren, dass das Unverständnis über den Schritt doch ziemlich groß ist.

Überrascht ist auch die Augsburger SPD-Vorsitzende Ulrike Bahr (MdB): "Mit Überraschung habe ich den Rücktritt von Christos Kieslinger vom Vorsitz des SPD-Ortsvereins Augsburg-Oberhausen zur Kenntnis genommen. In den letzten Jahren hat er sich mit großem Engagement für die Belange der Bürgerinnen und Bürger in Oberhausen eingesetzt. Jetzt geht es darum, zeitnah die Nachfolge für Herrn Kislinger zu regeln, damit die wichtige Arbeit im Stadtteil wieder im regulären Betrieb fortgesetzt werden kann."

Ob Kislinger, obwohl nicht mehr Ortsvereinsvorsitzender, nicht doch für die SPD bei der Stadtratswahl antritt, lässt er offen. „Das haben andere zu entscheiden, nicht ich“, meint er und betont, dass natürlich „die SPD meine Heimat ist und bleibt“. Deswegen will er auch im Unterbezirksvorstand bleiben und dort federführend die kulturpolitischen Vorstellungen der SPD zur Kommunalwahl formulieren. Auch im Ortsverein will er weiter aktiv bleiben.

Kommentar: SPD – Politiker in Oberhausen – ratlos

Vollkommen überraschend ist Christos Kislinger aus der Verantwortung gegangen. Durch seinen Rücktritt bringt er nich nur die SPD sondern auch den Stadtteil selbst in Schwierigkeiten. Mit nur noch einem Stadtrat, dem SPD-Urgestein Dieter Benkard, ist ein großer Stadtteil im Stadtrat unterrepräsentiert. Mit dem Aufbau Kislingers als Nachfolger schien es eine gute Perspektive zu geben. Die ist nun dahin. Dieter Benkard quasi als Schuldigen auszuwählen – das ist etwas billig und nicht schlüssig. Der „Kümmerer“ aus Oberhausen ist sicher nicht gerade der begnadetste Mannschaftsspieler und hat schon einige jüngere Kräfte in der Oberhauser SPD verschlissen. Das war Kislinger aber auch vorher bekannt. In den vergangenen beiden Jahren hatte man aber auch den Eindruck, dass das Zusammenspiel der beiden „Parteifreunde“ funktioniert. Davon ging wohl auch die Augsburger Parteispitze aus, die den jungen Nachwuchsmann massiv unterstützte. Sein Rücktritt ist auch für die Augsburger SPD ein Rückschlag. Die Vorsitzende Ulrike Bahr ist gefordert, für eine rasche und saubere Lösungen zu sorgen. Dazu gehört auch die Klärung, ob Kislinger weiterhin im Unterbezirksvorstand wirken kann, obwohl er sich in Oberhausen der Verantwortung entzogen hat.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 

Neueste Kommentare

Kritik an "heidnischen" Elementen: Wem …
20 Stunden 39 Minuten
Licht+Schatten.
2 Tage 10 Stunden
VERLOSUNG: 3x2 Tickets für Festkonzert im …
5 Tage 11 Stunden
VERLOSUNG: 3x2 Tickets für Festkonzert im …
5 Tage 12 Stunden
Wasserrad
1 Woche 1 Tag


X