Region: Augsburg Stadt

Plünderung während der Augsburger Bomben-Evakuierung zu Weihnachten 2016 wird jetzt vor Gericht verhandelt

von LeserReporter Helene Kuhn
Die Plünderung, die sich während der Bomben-Nacht 2016 ereignete, wird seit Donnerstag vor dem Augsburger Amtsgericht verhandelt

Der 25. Dezember 2016 wird vielen Augsburgern sicher noch gut im Gedächtnis sein. Nicht unbedingt wegen des besinnlichen Weihnachtsfestes, sondern aufgrund der 1,8 Tonnen schweren Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg, die damals eine komplette Evakuierung des Stadtgebietes nach sich zog. In Verbindung mit dem Bombenfund musste sich ein 51-Jähriger vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Er soll die Abwesenheit der anderen Mieter seines Wohnhauses damals genutzt haben, um in deren Wohnungen einzubrechen und Fernseher, Verstärker und weitere Elektrogeräte zu entwenden.
Kurz bevor das Gebiet um den Bombenfundort um 10 Uhr endgültig gesperrt werden sollte, griff eine Polizeistreife den 51-Jährigen in der Sperrzone auf. Den Beamten fiel auf, dass der Angeklagte einen Verstärker in seinem Rucksack transportierte und auf einem Trolli-Wagen einen großen Plasmafernseher mit sich führte.
Er habe angegeben, die Geräte bei einem Elektrohändler verkaufen zu wollen. Da es sich bei dem 25. Dezember um einen Sonntag handelte, sei die Aussage des Mannes unglaubwürdig gewesen und man habe ihn wegen des Verdachts des Diebstahls vorläufig festgenommen, berichtet der als Zeuge anwesende Polizist.
Bei der anschließenden Kontrolle des Wohnhauses stellten er und sein Kollege fest, dass die beiden Wohnungstüren im ersten Stock aufgebrochen waren, erzählt der Beamte. Die Apartments seien eindeutig durchwühlt worden und beide Fernsehgeräte fehlten offensichtlich. Ob die Wohnung des zu diesem Zeitpunkt des Diebstahls verdächtigten Angeklagten durchsucht wurde, kann der Zeuge auf Nachfrage der Richterin nicht sagen, der Fall sei noch am Tatort dem Bundeskriminalamt (BKA) übergeben worden.

Angeklagter weist Einbruchs-Vorwurf von sich

Währenddessen streitet der Angeklagte den Vorwurf des Einbruchs entschieden ab. „Ich habe nicht eingebrochen, das habe ich wirklich nicht gemacht“, beteuert er mehrmals. Den Fernseher, eine Fernbedienung und den Verstärker habe er genommen, das gebe er zu. „Ich wollte Heroin dafür tauschen“, erklärt er, aber in der Wohnung des Geschädigten er sei lediglich gewesen, weil er gehört habe, wie andere Personen dort eingedrungen seien. Er habe quasi nach dem Rechten gesehen und „alles aufgesammelt“, die vermeintlichen anderen Einbrecher, seien zu diesem Zeitpunkt schon wieder weg gewesen.
Aus welcher der beiden Wohnungen er die Geräte damals entwendet hat, weiß er auch nicht mehr genau, nur das er sicher nicht eingebrochen sei: „Ich gebe mein Ehrenwort“. Den Plasmafernseher aus dem zweiten Apartment, kleinere Elektrogeräte, eine Uhr und rund 500 Euro Bargeld will der 51-Jährige ebenfalls nicht genommen haben.
Einer der Geschädigten beharrt zudem darauf, dass sein Fernsehgerät viel zu schwer und sperrig sei, um von einer Person allein getragen zu werden. „Also denken Sie, es hätten mehrere Personen für den Einbruch verantwortlich sein müssen“, hakt die Verteidigung sofort bei dem 47-jährigen Zeugen nach. Das bejaht dieser zögerlich, es seien auch relativ viele Kleinteile gewesen, da hätte der Verantwortliche „ganz schön oft hin und her laufen müssen“. Er gibt zudem an, das er auf Bitte des Vermieters das Schloss der Haustür nach dem Vorfall ausgetauscht habe, da dieses ebenfalls gewaltsam geöffnet worden war. Auch an dieser Stelle springt der Verteidiger ein, sein Mandant hätte diese Tür kaum aufbrechen müssen, als Anwohner besäße er schließlich einen Schlüssel.

Verhandlung wird auf kommende Woche vertagt

Nachdem alle Zeugen gehört sind, vertagt das Gericht die Verhandlung auf kommenden Mittwoch. Dann werden die verantwortlichen Mitarbeiter des BKA geladen. Geklärt werden soll, welche entwendeten Gegenstände letztendlich in der Wohnung des Angeklagten gefunden wurden. Ob die Angelegenheit für den Angeklagten damit entschärft werden kann, ist noch offen.

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