Region: Augsburg Stadt

Urteil im Schlager-Streit: Augsburger Tonstudio-Besitzer hat Verträge mit bosnischem Schlagerstar nur erfunden

Das Augsburger Amtsgericht hat einen Tonstudiobesitzer wegen Urkundenfälschung verurteilt. Er hatte mit den Werken einer bekannten bosnischen Sängerin Geld gemacht. Die Frau sah keinen Cent (Symbolbild).

"Denn das ist alles nur geklaut / Das ist alles gar nicht meine / Das ist alles nur geklaut / Doch das weiß ich nur ganz alleine": Das sangen die Prinzen 1993 und landeten damit einen Hit. Als Hit im wörtlichen Sinne, nämlich "Schlag", empfindet es eine bosnische Sängerin, was ihr mit ihren Liedern widerfuhr: Ein Augsburger Tonstudiobetreiber stahl ihr ihre Songs, ist sie überzeugt. Wegen Urkundenfälschung hatte sich der 51-Jährige jetzt vor Gericht zu verantworten.

Er behauptet, er besitze die Rechte an den Schlagern, und legte entsprechende Unterlagen vor.

Doch eine Gutachterin des Landeskriminalamts sagte aus, Unterschriften auf diversen Verträgen seien gefälscht. Deshalb wurde der Mann nun zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt. Das Gericht zieht nun rund 300 Verträge als ungültig ein.

Ein Superstar in Bosnien

Die Sängerin war vor 20, 25 Jahren in ihrer Heimat ein Superstar. Ein Zeuge verglich ihre Popularität mit der einer Helene Fischer hierzulande. Dann wurde es still um sie.

Als ihre Songs aber vor etwa zehn Jahren ein Revival erlebten, hätte sie damit gut verdienen können - wenn, so der Vorwurf, der jetzt verurteilte Augsburger nicht an ihr vorbei abgesahnt hätte. Er wird als Inhaber der Nutzungsrechte ausgewiesen. Nun arbeitet die einstige Berühmtheit als Putzfrau. "Warum tust du mir das an? Du hast meine Lieder gestohlen. Du hast mein Leben zerstört", wandte sie sich am ersten Verhandlungstag weinend an den Tonstudiobetreiber, den sie, so ihre Aussage, gar nicht näher kenne.

Auch der Komponist einiger Songs gab sich empört über das Verhalten des 51-jährigen Studiobesitzers.

Der Komponist war während des Balkankriegs in die Fuggerstadt geflohen, schrieb hier diverse Lieder in seiner Muttersprache, bot sie der Schlagersängerin an und ließ sie von dieser im Studio des Angeklagten aufnehmen. Sein Vater betrieb eine Discothek, in der öfter bosnische Musiker auftraten, auch die Sängerin.

Der Komponist habe, so sagt er, anders als von dem Studiobesitzer auch vor der Gema behauptet, aber nie einen Vertrag mit diesem geschlossen, um ihm die Rechte an den Schlagern abzutreten.

Verteidiger Hermann Kühn plädierte auf Freispruch. Schon lange beschäftigen die angeblich gefälschten Verträge die Gerichte, nicht nur in Augsburg, auch in Berlin.

Rechtsanwalt Kühn sieht noch erheblichen Klärungsbedarf und will deshalb nun gegen das Urteil von Amtsrichterin Melanie Müller in Berufung gehen. (mg)

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X