Mittelalter-Roman aus Augsburg

von LeserReporter Kiara Lameika aus Augsburg-Stadt

Das neue Buch gibt es auch als E-Book

Düstere Lande: Schatten des Zorns entführt die Leserinnen und Leser ins mittelalterliche Augsburg.

 

Der Klappentext:

Augsburg, 1499. Dem jungen Mathes bleibt keine Zeit, die Aufklärung der Augsburger Mordserie zu feiern: Verstümmelte Tierkadaver liegen in den Straßen, die Inquisition verbreitet Angst und Schrecken und Mathes’ alter Feind erscheint in der Stadt: Der Hüne, Handlanger des verurteilten Mörders, sinnt auf Rache. Als Mathes’ Freundin Ennlin von der Bedrohung erfährt, eilt sie ihm zur Hilfe. Bei der gemeinsamen Flucht vor Mathes’ Verfolger und der Suche nach Antworten stoßen die beiden Jugendlichen auf ein Netz aus Erpressungen und gefährlichen Intrigen. Und mit einem Mal ist auch Ennlins Leben bedroht...

 

Daten:

Nach „Das Mahnmal“ der zweite Band der Mittelalterreihe „Düstere Lande“.
Taschenbuch (ISBN 978-3-751-906692)
E-Book (ISBN 978-3-751-991841)

Das Buch gibt es überall, wo es Bücher gibt.

Webseite: www.kiara-lameika.de

 

Der Buchanfang:

Ich zuckte zusammen, als ich gegenüber eine Bewegung wahrnahm.
Eine Gestalt löste sich gleich einem Schatten aus der schmalen Gasse und trat in den Schein des Mondes.
Mir stockte der Atem: Auf der anderen Straßenseite stand der Hüne. Fahles Licht erhellte sein Antlitz; ein Gesicht, das mir wie eingebrannt schien, seit er mich damals umbringen wollte. Die Ereignisse in Biberach lagen bereits Monate zurück: Der tote Spürhund, der Brunnen, mein Überlebenskampf. Im Laufe der Zeit war ich versucht gewesen, die Erinnerungen verblassen zu lassen, hatte gehofft, dass ich dem Hünen nie wieder begegnen würde.
Sein Blick fixierte mich, während er über das Pflaster schlich. Sprungbereit, wie ein riesiges Tier, mit Wildheit und Blutrünstigkeit in seinen Augen, die keinen Zweifel daran zuließen, warum er hergekommen war: Der Hüne wollte Rache. Ich fühlte mich wie gelähmt und starrte ihn an. Ohne es zu bemerken, hatte sich meine Hand um den großen Zahn gelegt, der mir um den Hals hing. Diesen Talisman trug ich seit unserer letzten Begegnung als Trophäe.
Eigentlich hätte ich losrennen müssen, doch ich tat es nicht.
Der riesige Kerl war schon halb über die Straße, als er mit einem Mal stehenblieb.
Eine Hand an meiner Schulter ließ mich herumfahren. Den Schrei, den ich ausstoßen wollte, konnte ich nur mühevoll zurückhalten.
„Was stehst du hier rum, Bursche?“
Erschrocken blickte ich in ein mürrisches, von einem Helm mit Wangenschutz umrahmtes Gesicht.
„Entschuldigung, Herr“, stammelte ich nach Atem ringend, als ob ich zuvor gerannt wäre und warf einen Blick zurück.
Die Straße war leer; der Hüne verschwunden.
Die behandschuhten Hände des Nachtwächters packten mich jäh bei den Schultern. „Schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede, Bengel!“, fuhr der Mann mich an, während er mir eine Laterne vor das Gesicht hielt. „Was treibst du hier zu dieser Stunde? Erkläre dich!“ Seine Hand ergriff mich grob am Hals.
„Entschuldigung, Herr“, war erneut alles, was ich herausbrachte.
„Entschuldigung Herr, Entschuldigung Herr“, äffte er mich nach. „Ist das alles, was du sagen kannst, du Hirschkalb?“
„Nein, Herr.“ Der Schreck, der mich versteinert hatte, ließ nach. „Herr Etzlaub, der Kartograf, ist mein Meister. Er schickte mich eben erst nach Hause.“
„Kenne ich“, gab der Nachtwächter knapp zurück. „Und dein Name?“
„Mathes Pelker, Herr.“
„Ah, du bist das.“ Seine Stimme wurde um einiges ruhiger. „Der Hauptmann hat deine Geschichte erwähnt. Bist ja so etwas wie eine Berühmtheit hier. Gibt’s schon wieder Morde, die du aufklären musst, kleiner Spürhund?“ Sein abfälliger Tonfall war unüberhörbar, doch ich ging nicht darauf ein.
„Nein, Herr. Ich arbeite für Herrn Etzlaub und muss jetzt nach Hause zurück. Leider entließ er mich so spät, als bereits Nachtstunde war.“
„Da war eben noch eine Gestalt auf der Straße, oder?“
„Ja, Herr, ein Mann.“
„Kennst du ihn?“
Ich schüttelte den Kopf. An einen Kameraden gewandt, der mir erst in diesem Moment auffiel, befahl der Nachtwächter: „Sieh nach, ob sich in der Gasse wer versteckt.“
Der Mann lief, die Laterne vor sich herhaltend, über die Straße und spähte in die Dunkelheit.
„Ich glaube, er verfolgt mich“, flüsterte ich vorsichtig.
„Weil du ihn aufs Schafott bringen willst? Ein Mörder, ja?“ Seine Stimme wurde von einem belustigten Unterton begleitet.
„Nein, Herr“, gab ich leise zurück, darauf bedacht, mir nichts anmerken zu lassen. Es hatte keinen Zweck, dem Mann zu erklären, dass sich der Hüne bestimmt wegen meiner Mordaufklärung rächen wollte.
„Schon gut. War nicht so gemeint, Bursche. Aber Schirmig ist schon ein dummes Huhn, wenn ein Junge ihn überbieten konnte. Wie alt bist du eigentlich?“
„Vierzehn, Herr.“
„Hmm. Gerbersohn, richtig?“
Ich nickte und wollte noch etwas hinzufügen, doch der Mann schob mich bereits vor sich her. Der andere Wächter gesellte sich kopfschüttelnd zu uns. „Niemand zu sehen.“

Der Weg zu unserer Gerberei verlief schweigsam.
Verstohlen blickte ich mich immer wieder um, doch der Hüne war nirgends zu entdecken.
Die beiden Nachtwächter waren genau im richtigen Augenblick gekommen, auch wenn sie mich zu Tode erschreckt hatten.

 

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