83 Metallpfähle für die Stadtmauer: Sanierung am Fischertor beginnt im Sommer

35 Meter der Stadtmauer beim Fischertor sollen im Sommer saniert werden. Den Anblick des Bauzauns vor der Stadtmauer müssen die Augsburger wohl trotzdem noch länger ertragen.

Seit Anfang des vergangenen Jahres ist die Stadtmauer hinter dem Fischertor großflächig abgesperrt. Im Sommer sollen nun an einem Teil des sanierungsbedürftigen Baudenkmals die Arbeiten beginnen.

Die Stadtmauerreste zwischen dem Fischertor und der Festungsanlage Lueginsland, gehören zu den markantesten Überbleibseln der Augsburger Stadtbefestigung. Idyllisch liegt das Denkmal heutzutage kaum: Die vielbefahrene Thommstraße verläuft parallel zum historischen Gemäuer. Dennoch wird der Grünstreifen zwischen Straße und Mauer von manchen Augsburgern wie ein kleiner Park genutzt. Vor der historischen Kulisse jagen bei schönem Wetter regelmäßig Hunde über die Rasenfläche. 

Seit vergangenem Jahr haben die Tiere allerdings weniger Platz zum Toben, und Touristen einen eingeschränkten Blick auf die Mauer. Bauzäune halten die Menschen von einem großen Teil der Grünfläche fern, denn die Stadtmauer an dieser Stelle bröckelt nicht nur, sie hat auch statische Probleme. Am Abschnitt direkt hinter dem Fischertor neigt sich die Mauer inzwischen leicht Richtung Straße, erklärt Thomas Streubel vom Hochbauamt. Am anderen Ende der Absperrung ist einer der Mauerpfeiler im vergangenen Winter durch Frost „komplett zerstört“ worden. Er muss gänzlich neu aufgebaut werden. 

Weiteres Kippen der Mauer verhindern

In diesem Jahr soll nun voraussichtlich mit der Sanierung eines ersten Teilabschnitts begonnen werden. Aus Gründen der Statik habe nun vorerst der Bereich, der direkt an das Fischertor anschließt, Priorität, so Streubel. Ursprünglich war die Stadtmauer an dieser Stelle mit einem Wehrgang verbunden, der sie zusätzlich stabilisierte. Gegen 1700 wurde dieser abgetragen. Die freistehende Wand hat nun Probleme mit der Erdlast, die die Mauer langsam Richtung Straße drückt. 
Um ein weiteres Kippen der Stadtmauer zu verhindern, sollen auf 35 Metern nun insgesamt 83 Metallpfähle in die Mauer eingebaut werden. Vertikale Pfähle werden die Mauer nach der Fertigstellung im Boden verankern, waagrechte Pfähle werden sie zusätzlich stabilisieren. Über 80 Bohrungen müssen dazu vorerst in Abständen von einem beziehungsweise 1,5 Metern vorgenommen werden, um dann die Metallpfähle einzusetzen. Die durchbohrten Stellen werden daraufhin wieder vermauert, um das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder herzustellen. Aktuell laufen die Ausschreibungen, voraussichtlich kann im Sommer mit der Sanierung begonnen werden.

Das selbe Sicherungssystem wurde bereits bei der Sanierung des Lueginsland und der Stützmauer am Vorderen Lech genutzt. Am Lueginsland sind alle Arbeiten bereits abgeschlossen, und auch am Vorderen Lech ist die statische Sanierung inzwischen vollendet. Hier stehen nun lediglich noch die restaurativen Arbeiten an, erzählt Streubel.

Eine Million für die Sanierung am Lueginsland

Die Sanierung der Stadtmauer sei eine Herausforderung für die Tragwerksplaner. In diesem konkreten Fall wäre es auch möglich gewesen, zusätzliche Pfeiler auf der der Straße zugewandten Mauerseite zu errichten. „Aber das würde natürlich die Optik deutlich verändern“, erklärt Streubel. Das Ziel sei vorrangig, die Stadtmauer auch so zu erhalten, wie sie momentan aussieht.

Die insgesamt rund vier Kilometer, die von Augsburgs Stadtmauer übrig sind, seien „ein Glücksfall, aber natürlich auch eine finanzielle Herausforderung“. An der Thommstraße liegt mit rund 300 Metern einer der längsten durchgängigen Mauerabschnitte. Für seine Sanierung hat der Augsburger Stadtrat im Haushalt 2019 rund eine Million Euro bereit gestellt. Man erhalte zwar auch Fördergelder aus verschiedenen Töpfen, erklärt Finanzreferentin Eva Weber, doch den Großteil der Kosten trage dennoch der städtische Haushalt. Für den ersten Bauabschnitt überreichte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die sich aus Spenden und Mitteln der Glücks-Spirale von Lotto Bayern finanziert, der Stadt gestern einen Scheck über 50 000 Euro.

Wenn die Sanierung dieses ersten Teilabschnittes abgeschlossen ist, kann wohl auch der entsprechende Teil der Absperrung wieder entfernt werden. Der Bauzaun am Rest der Mauer werde aber voraussichtlich „erstmal so stehenbleiben“, meint Thomas Streubel. Der zerstörte Pfeiler wird irgendwann im Rahmen des allgemeinen Bauunterhalts der Stadtmauer wieder aufgebaut, für den jährlich rund 93 000 Euro zur Verfügung stehen. In diesem Jahr wird es aber voraussichtlich noch nicht soweit sein. Denn die Stadtmauer bröckelt auch an anderen Stellen.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

Neueste Kommentare

Herausgelockte Frühlingsboten ......
3 Stunden 23 Minuten
Krokusse mit Besuch
7 Stunden 23 Minuten
Eichkatzl
7 Stunden 45 Minuten
Eichkatzl
8 Stunden 21 Sekunden
Herausgelockte Frühlingsboten ......
8 Stunden 2 Minuten


X