Jeder Baum, jede Hecke als ein Strauß von Blumen?

Bericht von Claudia Klemencic, Pressereferentin der Ortsgruppe BUND Naturschutz in Bayern e.V.
 
Jeder Baum, jede Hecke als ein Strauß von Blumen?
 
Beim Offenen Treffen widmet sich die Ortsgruppe BUND Naturschutz in Bayern (BN) den Bäumen und der Stadtnatur als Antwort auf den Klimawandel
 
„Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blumen, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können“, schrieb vor ca. 250 Jahren Johann Wolfgang von Goethe. Dieser Wunsch klingt poetisch und ist uns heute wieder nahegerückt.
Um Bäume und Hecken in der Stadt ging es auch an diesem Donnerstagabend am 27.Februar 2020 im Anna Café. Christine Kamm, die 1. Vorsitzende der Ortsgruppe, sowie Claudia Klemencic und Christa Schalk aus dem Vorstand gehen mit den Gästen der Frage nach „Was können wir für den Erhalt wertvollen Baumbestands in unserer Stadt tun?“
Als konkrete Beispiele nennt Christine Kamm die Reese-Kaserne, eine ehemalige Militärunterkunft im Augsburger Stadtteil Kriegshaber. Wie können hier die alten Bäume erhalten bleiben? Mit den kompetenten Gästen, u.a. vom Arbeitskreis „Urbane Gärten“ (https://www.urbane-gaerten.org/) und von Augsburger Bürgerinitiativen, sowie Mitgliedern des BN, die sich für die Arbeit der Naturschützer interessieren, finden die Veranstalter gemeinsame Strategien für die Zukunft.
 
In der Stadtplanung und bei Baugenehmigungen muss wertvoller Baumbestand geschützt werden
 
Christine Kamm erklärt: „Es bringt nichts, wenn ich angerufen werde, wenn Bäume gefällt werden. Wir müssen von den Absichten, Bäume und Baumstandorte zu beseitigen, im Vorfeld erfahren. Dann könnten rechtzeitig Alternativen gesucht werden. Auch die übernächsten und überübernächsten Nachbarn sollten von Planungen zur Fällung von Großbäumen erfahren, die für das gesamte Stadtquartier von großer Bedeutung sind.“ Als Beispiel nannte sie eine große gesunde Eiche in der Eichenstraße in Haunstetten, die leider dieser Tage mit Genehmigung gefällt wurde.
Weiter sagt sie: „Wir vom BN wollen uns für den Baumschutz und den Schutz von Grün in der Stadt einsetzen und wollen uns frühzeitig um den Schutz der Grünflächen und Parkflächen in unserer Stadt kümmern. So hätte beispielsweise die Grünfläche um die ehemalige Spicherer Schule für den mit Grün unterversorgten Stadtteil frühzeitig planerisch gesichert werden müssen.“
 
Einig sind sich die BN-Aktiven und Tine Klink vom Arbeitskreis „Urbane Gärten“ bei den Erfahrungen und der Kooperation mit der Stadt Augsburg: Im Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen mit Unterer Naturschutzbehörde treffen die Naturschützer auf kooperative Mitarbeiter. Schwierig sind allerdings die Verhandlungen mit dem Tiefbauamt der Stadt Augsburg, das auch einige Grünflächen in der Stadt besitzt. Hier muss die Zusammenarbeit verbessert werden.
 
Die Begrünung der Wohnquartiere in den Städten ist in Zeiten des Klimawandels unverzichtbar geworden. Daher muss sich der rechtliche Rahmen ändern
 
Christine Kamm legt dar: „In den Städten ist der kühlende Effekt von Begrünung, auch von fensterlosen Hauswänden und von Dächern, und der Erhalt von Baumbeständen in Zeiten des Klimawandels unverzichtbar geworden.“ Angesichts der zunehmenden Zahl heißer Sommertage ist es von enormer Bedeutung für die Bewohner*innen, ob die Umgebung ihrer Wohnung gleicht einer Steinwüste oder hier Bäume wachsen und Dächer und Wände begrünt sind.  Sie sagt weiter: „Im Sinne besserer Nachbarschaftsbeteiligung beim Erhalt wichtiger Bäume muss das gesamte Regelwerk, auch die Bayerische Bauordnung, überarbeitet werden. In der Augsburger Baumschutzverordnung sollten auch Pappeln unter Schutz gestellt werden.“
 
„Alte Bebauungspläne überarbeiten!“ fordert der BN
 
Bei dem 2009 in Kraft getretenen Bebauungsplan „Reese-Kaserne“ soll der allergrößte Teil des noch bestehenden alten wertvollen Baumbestands, z.B. die alten Kastanien rund um den ehemaligen Exerzierplatz, nicht erhalten bleiben, sondern einer relativ niedriggeschossigen Bebauung weichen. Christine Kamm sagt: „Wir hoffen auf eine baldige Überarbeitung dieses überholten Bebauungsplans, bevor die Bagger kommen. Ziel sollte sein, einen möglichst hohen Anteil des bisherigen Baumbestands und der bisherigen Strukturen zu erhalten.“ Der Bebauungsplan von 2009 ist in einer Zeit entstanden, in der die Problematik der Klimaveränderung noch nicht im allgemeinen Bewusstsein angekommen ist. Daher fordert der BN und Christine Kamm formuliert es: „Erforderlich ist, dass bei eventuellen Abbruchmaßnahmen sensibel vorgegangen wird und Bäume nicht in ihrer Substanz geschädigt oder zerstört werden.“
 
Das Fazit des Abends
 
Eine erfolgreiche Arbeit der Naturschützer ist angewiesen auf Kooperation mit der Verwaltung und mit den Bürgern und auf frühzeitige Beteiligung in den Planverfahren. Christine Kamm: „Es dürfen und können auch asphaltierte Flächen aufgebrochen werden, um mehr Grün zu schaffen. Wir wollen Bäume und Grünflächen zum Schutz der Menschen in den Städten bewahren, und wo es möglich ist, sie vergrößern.“
Claudia Klemencic meint: „Lasst uns in Anlehnung an Goethes Poesie jeden Baum, jede Hecke als einen Strauß von Blumen sehen, der das Überleben in Städten in Zeiten des Klimawandels erst möglich macht!“
Nächste Veranstaltung der Ortsgruppe zusammen mit der Kreisgruppe des BN: „Klimaschutz und Wald - Wie geht es dem Wald heute und morgen?“ Wie verändert die Erderwärmung unseren Wald und was braucht der Wald, um gegen den Klimawandel wirken zu können? Am 03.03.2020 um 19 Uhr im Augsburg Forum, Ernst-Reuter-Platz 1 mit dem Referenten Thomas Miehler, Bund Deutscher Forstleute.

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