"Beinahe Handgreiflichkeiten" im Lechbäck-Streit: Gewerkschaft wehrt sich gegen Verdächtigungen von Serafin

Rund 200 Beschäftigte der Gersthofer Backbetriebe und Lechbäck haben vor der Firmenzentrale der Eigentümerin Serafin demonstriert.

200 Beschäftigte der Gersthofer Backbetriebe und Lechbäck haben am Dienstag in München vor der Firmenzentrale der Eigentümerin Serafin für eine angemessene Abfindung für den Verlust ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Das Unternehmen schickte der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zufolge daraufhin einen Teil seiner Belegschaft in der Zentrale nach Hause. Serafin habe Angst vor Handgreiflichkeiten während der Demonstration gehabt. Die protestierenden Mitarbeiter wollen diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und haben sich nun in einem offenen Brief an Serafin gewandt.

„Meine Tür steht immer offen, wenn es Probleme gibt,“ so zitierte die Gewerkschaft in der vergangenen Woche Philipp Haindl. Der Serafin-Chef habe dies beim Kauf der Gersthofer Backbetriebe vor vier Jahren gesagt. Am Dienstag sei jedoch die Eingangstür zugeblieben. „Das Klingeln einer Delegation von Beschäftigten blieb unbeantwortet, erklärte Tim Lubecki. Der Geschäftsführer der NGG ärgerte sich zudem über eine Stellungnahme von Serafin. Das Unternehmen habe berichtet: „Nachdem es in der Vergangenheit bei Aktionen der NGG schon beinahe zu Handgreiflichkeiten gegenüber der Geschäftsleitung der Gersthofer Backbetriebe gekommen ist, mussten wir unsere Kollegen schützen und ihnen die Möglichkeit geben, von zu Hause aus zu arbeiten.“ Daraufhin hätten 108 an der Demonstration beteiligte Beschäftigte der Gersthofer Backbetriebe und Lechbäck noch auf der Rückfahrt nach Gersthofen einen offenen Brief formuliert, ließ Lubecki noch am selben Abend wissen.

Darin heißt es: „Heute waren fast 200 KollegInnen und ihre Familien vor der Firmenzentrale in München. … Wir wissen nicht, wie Sie auf den Gedanken kommen, dass wir jemandem von unseren Kollegen etwas antun würden. Denn die Beschäftigten in der Zentrale sind genauso Serafin-Beschäftigte wie wir. So wie das klingt, sind wir für Sie schon nicht mehr Serafin. Aber wir haben uns handwerklich für Serafin aufgeopfert und jetzt unterstellen Sie uns, dass wir gegen unsere Kollegen und Kolleginnen aggressiv seien. Das ist unerhört!
Wir wollten lediglich, dass Sie in unserer schwierigen Zeit zu uns stehen und vor dem Hauptsitz wollten wir, dass Sie endlich Rede und Antwort stehen, was wir für Serafin sind! Wir sind Serafin und wollen auch so behandelt werden! Wir zeigten heute, dass wir friedlich und verzweifelt sind. Keiner von uns ist aggressiv! Wir fühlen uns nur im Stich gelassen!“

Die Gersthofer Backbetriebe, ebenso wie Lechbäck, sind insolvent. Rund 500 Mitarbeiter verlieren deshalb ihren Arbeitsplatz. Die NGG hatte den Gesellschafter, die Serafin-Unternehmensgruppe, zuletzt kritisiert, weil diese aus Sicht der Gewerkschaft keine ausreichende Abfindung an die Mitarbeiter bezahlen wollen. Serafin hatte den Beschäftigten 1,5 Millionen Euro angeboten. Die Sozialplanverhandlungen wurden indes auf Donnerstag vertagt.
(pm)

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