Bewegende Begegnungen beim Neujahrsempfang Helferkreis Christkönig

von LeserReporter Angelika Lonnemann aus Augsburg-Stadt

Der Helferkreis Christkönig aus der Hammerschmiede hatte zum Neujahrsempfang eingeladen. Die Gruppe der Helfer wollte mit den Flüchtlingen und den einheimischen Gästen feiern, dass die meisten der Betreuten inzwischen einen Platz in der Augsburger Stadtgesellschaft gefunden hätten, so die Sprecherin des Kreises, Isabella Geier, in ihrer Begrüßung. „Heute arbeiten die meisten von denen, die 2015 gekommen sind. Sie backen nachts für uns Brot, reinigen unsere Straßen, bauen unsere Computer zusammen, gehen zur Schule oder auf die Uni“. Außerdem solle der Neujahrsempfang zeigen, welche kulinarischen und kulturellen Schätze die neuen Mitbürger mitgebracht hätten. Insgesamt folgten rund 150 Gäste der Einladung. Wenige Tage später erhielt Isabella Geier, Lehrerin an der Freien Waldorfschule, die Verdienstmedaille "Für Augsburg" als Anerkennung für ihr Engagement für Flüchtlinge.
Den Anfang beim Neujahrsempfang machte eine Gruppe von trommelnden jungen Männern aus dem Senegal, deren Sprecher macht eine Ausbildung zum Altenpfleger. Farhad Sidiqi, der in Afghanistan ein berühmter Sänger gewesen war, sang und spielte am Klavier und füllte den Saal mit einer großartigen Stimme ohne Mikrofon. Er hatte seine deutsche Frau und sein Kind mitgebracht. Inzwischen kann er auch in Deutschland wieder von seiner Musik leben, genauso wie er es in Kabul getan hatte.
Zwischen seinen Darbietungen berichtete er, dass seine Flucht vor den Taliban, die es besonders auf Künstler abgesehen hatten, eine Lebensphase war, die er nie vergessen werde. Sie führte ihn durch viele Länder, schließlich landete er in Deutschland, wo auch Zeit des Asylverfahrens und die lange Unsicherheit ihn schwer belastet hatten.
Said aus Algerien nahm die Zuhörer mit seiner Laute mit auf die Reise durch den Maghreb. Überall spielt man die Laute ein bisschen anders. Der routiniert musizierende Ingenieur hatte im Publikum rasch weitere Talente ausgemacht, die er in einer improvisierten Jamsession zur Geltung brachte. So begleitete er den jungen Baha, einen Syrer aus dem Publikum mit einer unglaublichen Stimme. Die anwesenden Syrer hielt es nicht mehr auf ihren Plätzen, sie klatschten und tanzten, aber auch alle anderen waren verzaubert. Baha macht eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, in Syrien war er Sportlehrer. Ein Höhepunkt war der Derwish-Tanz von Fadi Samiz aus Damaskus, wo er Tänzer am Theater war. Als die Musik erklang und Fadi mit seinem weißen Gewand auf die Bühne schritt und sich anmutig zu drehen begann, wurde es ganz still im Saal. Auch Augsburg wurde musikalisch würdig vertreten: durch ein Cello-Quartett von der Waldorfschule.
Gabriele Jung war begeistert: „Dieses Zusammentreffen heute hat mich bewegt und berührt!“ Sheik von der Trommelgruppe meinte: „Vielen Dank, dass Sie uns eingeladen haben. Es hat uns sehr gefreut mitzumachen und auch die anderen zu erleben!“ Auch Michaela Bauch hat es „sehr viel Freude bereitet, den verschiedenen Klängen zu lauschen. Die Stimmung war herzlich und offen.“ Johanna Nägele fragte Anas aus Syrien nach dem Rezept der Eierkuchen mit Kartoffelfüllung, die er mit seinem Freund Hamid zusammen zubereitet hatte. „Die waren total lecker!“

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