Erinnerungsband für NS-Opfer in Augsburg angebracht - Auf den Spuren der Einsteins in Kriegshaber

von LeserReporter Svenja Fischer aus Augsburg-Stadt
Ida und Isak Einstein (Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Konvolut Steven Anson)

Augsburg – Man unterhält sich, man lacht, es werden Fotos gemacht. Im ersten Augenblick ist kaum auszumachen, dass die ehemaligen Bewohner des Eckhauses in der Ulmerstraße 185 Juden waren und daher zur Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, verschleppt und vergast wurden. Die „ErinnerungsWerkstatt“ Augsburg und das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben haben anlässlich des 100. Geburtstags der Synagoge vier Generationen der Nachfahren von Augsburger Holocaust-Opfern eingeladen. Dabei sollte der jüdischen Mitbürger gedacht werden, die Hitlers Regime zum Opfer gefallen sind. Dazu lässt das Kulturmuseum am Mittwoch und Donnerstag sogenannte Erinnerungsbänder für die Familien Steinfeld, Einstein und Englaender im Stadtteil Kriegshaber anbringen. „Damit wollen wir darauf aufmerksam machen, wo die Menschen gelebt haben, nicht wo sie gestorben sind“, betont die Leiterin des Kulturmuseums Benigna Schönhagen.
Zu Beginn des Nachfahrentreffens der Familie Einstein in der Ulmerstraße 185 wird deren Werdegang vor, während und nach der Herrschaft des Nationalsozialismus lückenlos vorgetragen. Das Ganze findet in einem zwanglosen Rahmen statt: Die Rednerin steht direkt auf dem Fußweg vor dem Wohnhaus, die Nachfahren, Nachbarn und andere Anteilnehmende stehen in einem großen Halbkreis um sie herum.
Die Großfamilie Einstein lebte bis 1942 in dem Eckhaus in der Ulmerstraße, außerdem gehörte ihr eines der renommiertesten Viehhandelsunternehmen in Schwaben. Das Erinnerungsband wurde zu Ehren von Max und Johanna Einstein, Heinrich Einstein, Isak und Ida Einstein und Moriz und Lydia Einstein angebracht.
Gillian Galante, die heute mit ihrer Familie in Kanada lebt, ist eine direkte Nachfahrin und freut sich sehr darüber, den Wohnort ihrer Großeltern kennenzulernen. Genauso fühle sich eine bereits ältere Nachbarin, denn sie und ihre Familie seien „immer in engem Kontakt mit den Einsteins“ gestanden. Anschließend spricht der Sohn von Beate Einstein, die Tochter von Isak und Ida Einstein, die 1939 nach Großbritannien emigrieren konnte, zu den Anwesenden.
Er berichtet nicht nur von der grausamen Judenverfolgung, sondern auch von der menschenunwürdigen Behandlung anderer Minderheiten, wie Cinti und Roma oder Menschen mit Behinderung. Obwohl seine Großeltern, Isak und Ida, 1943 nach Auschwitz deportiert und später auch ermordet wurden, sind die beiden auf dem Grabstein seiner Mutter Beate verzeichnet. „Auf diese Art haben wir ihnen einen Ort geschenkt, an dem man sich an sie erinnern kann“, erzählt er.
Ganz spontan ergreift gegen Schluss noch Gerhard Groll, der Pfarrer von St. Thaddäus in Kriegshaber, das Wort. „Danke, danke, danke. Wir würden uns sehr freuen, Sie alle hier als unsere Nachbarn zu haben. Aber es ist auch sehr schön zu wissen, Nachbarn von überall auf der Welt zu haben“, sagt Groll über das Zusammentreffen der Nachfahren.

Es gibt eine Bildergalerie zum 100-jährigen Bestehen der Synagoge Augsburg.

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