Gedenken an die Augsburger Bombennacht: "Altstadt war ein Flammenmeer"

von LeserReporter Vanessa Morys aus Augsburg-Stadt
Zerstörte Innenstadt: In der Bombennacht wurde auch das Rathaus und der Perlachturm stark beschädigt. Foto: Archiv Hellriegel

Vor 74 Jahren ereignete sich eine schreckliche Nacht für die Menschen in Augsburg. Am 25. und 26. Februar 1944 wurde Augsburg von verheerenden Luftangriffen der Alliierten schwer getroffen. Mehr als 700 Menschen verloren ihr Leben. Ein großer Teil der Stadt, insbesondere die einst so prächtige Altstadt bis zum Dom, wurde weitgehend zerstört. Das alte Augsburg sollte es so nicht mehr geben.
In diesem Februar 1944 gehörte der Bombenkrieg längst zum perversen Alltag des Kriegs. Die deutsche Luftwaffe hatte unter anderem London, Belfast, Rotterdam, Warschau und Moskau bombardiert, die Alliierten griffen die deutschen Industriezentren und Großstädte an. An diesen beiden Tagen im Februar traf es Augsburg.
Zehn Mosquito-, 123 Halifax- und 460 Lancaster-Maschinen dröhnten am Himmel. Überall in der Stadt schrien die Menschen, heulten die Sirenen. Weil es so kalt war in dieser Nacht, fror das Wasser in den Löscheimern fest, waren Hydranten und Schläuche nutzlos. "Binnen einer haben Stunde fielen 370 Tonnen Sprengbomben und 134 Tonnen Brandbomben auf das Firmenareal und die angrenzenden Wohnviertel", berichtet Bernhard Gotto in seinem Buch "Nationalsozialistische Kommunalpolitik" über die Augsburger Bombennacht. Grund für die Bombardierung waren die Werke der MAN und die Flugzeugwerke Messerschmitt in Haunstetten.
Teile der Innenstadt waren durch Flächenbrände komplett zerstört worden. Das Rathaus wurde schwerbeschädigt, so dass nur noch Ruinenstümpfe dastanden, innen war alles ausgebrannt. "In circa 15 Minuten war die Altstadt ein Flammenmeer", schreibt Gotto. In dieser Nacht fielen mehr als 700 Menschen dem Bombenhagel zum Opfer, viele Bürger wurden verletzt. Bewohner, die obdachlos wurden oder ihr Hab und Gut verloren hatten, mussten zu Zehntausenden aus der zerbombten Stadt fliehen.
Auch die Bilanz der zerstörten Gebäude war niederschmetternd. Das Renaissance-Rathaus, der Neue Bau, das Welser-Haus, die Moritzkirche, das Firmenareal und die angrenzenden Wohnviertel, ehemalige Gebäude der Augsburger Börse, die Maximilianstraße mit ihren Patrizierhäusern, die Fuggerei und unzählige Wohnungen wurden durch den Bombenangriff vernichtet und zerstört - Augsburg sollte nie mehr so aussehen wie vor dieser Bombennacht.
Aber die Bürger bemühten sich, die Schäden wieder zu beheben. Auch wenn der nun leer gebombte Rathausplatz - dort stand zuvor die Börse - nie wieder bebaut wurde, wollten die Augsburger doch ihr Rathaus wieder in alter Pracht herstellen. Als man die Innenausbauarbeiten im Großen und Ganzen abgeschlossen hatte, weihte man das einigermaßen wiederhergestellte Rathaus am 18. April 1962 ein. Viele Jahrzehnte blieb der Goldene Saal nach dem Krieg ein würdeloses Provisorium, statt der prächtigen Kassettendecke wurde eine einfache Holzdecke montiert, die Portale waren schlichte Holztüren, die Wände waren weiß verputzt und auf dem Fußboden hatte man eine Asphaltdecke ausgebreitet. 1980 beschloss der Augsburger Stadtrat das Rathaus zu sanieren sowie den Goldenen Saal und eines der Fürstenzimmer wiederherzustellen. Der Goldene Saal wurde offiziell erst 1996 im originalgetreuen Zustand wieder der Öffentlichkeit übergeben. Die Kosten betrugen etwa 10,3 Millionen Mark. Und noch immer sind nicht alle Fürstenzimmer wiederhergestellt. Das dritte soll bis 2023 zum 450. Geburtstag des Rathaus-Baumeisters Elias Holl fertig sein.
Die Stadt Augsburg gedenkt der Zerstörung am Montag, 26. Februar, um 17 Uhr in einem ökumenischen Gottesdienst in St. Moritz. Im Anschluss, gegen 18 Uhr, findet eine öffentliche Gedenkstunde im Rathaus statt.

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