Kradhalle - mit einem zeitnahen Abriss nimmt sich die Stadt unnötig Optionen und Handlungsspielräume

Kradhalle - mit einem zeitnahen Abriss nimmt sich die Stadt unnötig Optionen und Handlungsspielräume

Mit der Kradhalle hätte die Stadt es in der Hand, ihren Bürgern, Vereinen, Verbänden und anderen Aktiven aus Sozialem, Kultur, Bildung, aber auch Akteuren der start-up szene und der innovativen Wirtschaft Raumoptionen zu geben, diesen zumindest für einige Jahre geeignete Interims-Standorte anbieten zu können. In einer Stadt, in der immer zu hören ist, daß man "leider" keine geeigneten Räumlichkeiten hätte für diverse Interessenten und Nutzungswünsche, in der man immer mit dem Mangel an günstigen, zeitnah zu Verfügung stehenden städtischen Gebäuden und Räumen konfrontiert wird, in solch einer Stadt zieht die Regierung es vor, vorhandene eigene (in AGS Hand) und grundsolide Immobilien abzureissen statt, zumindest zeitweise, eine Nutzung zuzulassen. Interessierte Betreiber werden erst gar nicht gesucht, Anfragen und Bewerbungen nicht ermöglicht.

Da, gemäß Aussage des Baureferenten, ein Baubeginn für das in der Reese vorgesehene Neubauquartier "frühestens in fünf Jahren" sein soll, frägt man sich zu Recht, warum die Stadt hier nicht zumindest zeitweise ihren Bürgern, Vereinen, Verbänden oder anderen Gruppen und Akteuren die Möglichkeiten gibt, in den vorhandenen und soliden Gebäuden für einige Jahre deren Bedarf zu decken und ihnen eine einfache und vor allem kostengünstige Interim-Nutzung zu erlauben. Warum bevorzugt die Stadt, maßgeblich der Baureferent und die AGS, hier eine freigeräumte Brache statt Nutzern aktuell bestehende, kommunale Räume zu erhalten und damit Optionen zu geben?

In Zeiten, in denen es absehbar durch Corona noch schwieriger werden wird als bisher, seitens der Stadt Raumangebote zu Verfügung zu stellen, schon zuvor hieß es immer, man habe keine Handlungsoptionen, es fehlen städtische Immobilien um diversen Bedarf in der Stadtgesellschaft zu decken, in diesen Zeiten reißt die Stadtregierung lieber vorhandene Gebäude ab, statt sie zu nutzen bzw. nutzen zu lassen. Hier müsste umgehend ein Umdenken stattfinden, mit den wenigen potentiell verfügbaren Raummöglichkeiten, wie in der Reese, müsste verantwortlicher umgegangen werden als unbedacht abzureißen.

Nicht nur in Krisenzeiten und sich leerender Kassen wäre es angebracht, in vorhandenen Immobilien Bedarf zu decken statt unnötig und zudem nicht im geringsten nachhaltig, Werte und Ressourcen zu zerstören und potentielle Raummöglichkeiten und damit Handlungschancen zunichte zu machen.

Die Kradhalle ist Teil des hufeisenförmigen Bauensembles der Reese-Kaserne in Kriegshaber. Zwei der ursprünglich sechs, nahezu im Original, erhaltenen Gebäude der ehemaligen amerikanischen Kaserne wurden leider bereits abgerissen - die ehemalige "mess hall", also Kantine sowie das frühere amerikanische Kino, später erfolgreich umgenutzt und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt als "Reesetheater". Nun soll auch die Kradhalle, eine Werkstatthalle in der erst Kradräder später auch die amerikanischen Militärfahrzeuge repariert wurden, der Abrisslinie des Baureferenten und der AGS zum Opfer fallen. Fürs gesamte Ensemble fiel die Entscheidung zum Komplettabriss bereits im Mai diesen Jahres im Stadtrat. Eine Entscheidung, die auf Grundlage mehr als fragwürdiger, tendenziöser und einseitiger Informationen des Baureferenten den StadträtenInnen als "alternativlos" präsentiert wurde und damit bewusst verhindert werden sollte, daß der anstehende, teuer bezahlte, Planungswettbewerb die Chance erhält, die ortstypischen, zeitgeschichtlichen Bestandsgebäude in die Überlegungen miteinzubeziehen. Dies ist nicht nur für die Augsburger Stadtgeschichte ein Verlust - 50 Jahre amerikanische Militärpräsenz und deren letzter noch im Kontext vorhandene kleine Kasernenteil verschwinden dadurch für immer aus dem Stadtbild - sondern es ist auch im Sinne einer nachhaltigen Weiternutzung eine nicht nachzuvollziehende Entscheidung. Andere Städte entscheiden sich bewusst, Teile ihrer Geschichte im 20. Jahrhundert und deren bauliche Spuren zu erhalten, sie befürworten eine Weiternutzung, ein damit wirklich nachhaltiger Umgang mit verbauten Ressourcen und Werten, sehen das besondere Potential und Chancen solcher Bestandsbauten und integrieren diese dann höchst erfolgreich in die Neubauquartiere. Warum die Stadt Augsburg hier nicht angemessener mit ihrem - bequemen oder unbequemen - Erbe umgeht, ist unverständlich und zu verurteilen. Wenn der Stadt Ideen bzw. der AGS hier die Kompetenz fehlen, derartige Gebäuden wie Kantine, Reesetheater, Mannschaftsgebäuden und Kradhalle zu sanieren, umzubauen und sinnvoll durch Betreiber nutzen zu lassen - auch günstiger Wohnraum wäre hier leicht zu schaffen wie andernorts immer wieder bewiesen wird -  würde sich der Blick in andere Städte lohnen. Deren Erfahrungen und Kompetenz könnte man sich zueigen machen und damit dann Augsburger Lösungen entwickeln. Aber dazu ist man hierzulande leider nicht gewillt wie man bei mehrheitlichen Befürwortung der Abrisse noch vor Durchführung des Planungswettbewerbes mit Bedauern erkennen musste.

Ob nun Bürgerversammlungen, Kurse, Startup-Firmen, pop up-Geschäfte, Vorträge, Ausstellungen, Kultur, Soziales, Sport oder Bildung - um nur einiges zu nennen - viele wären froh für einige Zeit kostengünstige Räume nutzen zu dürfen. Offene Werkstatt, open lab, repair- cafe, Vierteltreff, Atelier, Museum, Teil eines Bildungscampus, integrative oder inklusive Projekte, city farming, Innovationsräume, aber auch Jugendsport, Senioren, aktiver Bürgerpunkt, kleine Bürgerhalle statt Bürgerhaus (dies wäre in der Kantine eigentlich ideal gewesen fürs Stadtteil Kriegshaber, diese wurde aber lieber abgerissen statt Optionen und Räume zu haben) - dies und vieles mehr wäre denkbar, Nutzer und Ideen gäbe es unzählige wenn man ihnen nur die Chance gäbe.

 

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