Die Krötenwanderung, Versiegelung und Versteinerung von Vorgärten, Gärten und Innenhöfen und Rodung im Landschaftsschutzgebiet Kobelwald

Foto: Nicola Zimmermann

Bericht: Alexandra Istrati und Claudia Klemencic
Fotos: Nicola Zimmermann, Christine Kamm und David Klemencic

Diesen Themen stellte sich die Ortsgruppe Augsburg des BUND Naturschutz in Bayern e.V. beim Offenen Treffen im April 2019
Zur Freude der Veranstalter folgten neue Mitglieder und Umweltschutzinteressierte der Einladung des monatlichen Offenen Treffens der Ortsgruppe BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) am 17. April 2019 ins Anna Café.

Wie steht es um die diesjährige Krötenwanderung? Warum finden Teichbesitzer tote Krötenweibchen in ihren Gewässern?
Nicola Zimmermann, seit vielen Jahren Ehrenamtliche beim BN, berichtete über die diesjährige Amphibienwanderung in Wellenburg: „Dieses Jahr stand der Krötenzaun vom 15. März bis zum 8. April. In dieser Zeit wurden von fast 30 Helfern insgesamt 188 Erdkröten, davon ca. ein Drittel Weibchen, und 2 Bergmolche über die Straße getragen“.
Weiter erfahren die Gäste, dass Erdkröten bis zu 20 Jahre alt werden können. Im Frühjahr beginnt ihre Wanderschaft zu den bis zu fünf Kilometer entfernt liegenden Laichgewässern. Dabei ist jede Straße, die sie überqueren, eine Gefahr. Die Weibchen wandern nicht jedes Jahr, die Männchen schon. Dadurch kann es zu einer Überzahl an Männchen kommen, die sich zur gleichen Zeit auf das Weibchen stürzen und es mit ihrem Gewicht ins Wasser drücken, dabei können einige Weibchen ertrinken. Eine Teilnehmerin berichtet, dass in ihrem Gartenteich dieses Jahr 20 tote Weibchen waren. Nicola Zimmermann rät dazu, im nächsten Jahr in einem Eimer Paare zu sammeln und im anderen die überschüssigen Männchen und diese dann separat in einiger Entfernung auszusetzen.
Derzeit sind die Erdkröten im Bestand stabil, aber andere Amphibien, wie zum Beispiel die Rotbauchunke und die Gelbbauchunke, sind im Bestand gefährdet. Stark gefährdet sind die Geburtshelferkröte, die Wechselkröte, der Laubfrosch, die Knoblauchkröte sowie der Moorfrosch. Das Landesamtes für Umweltschutz hat eine Publikation über die Bestandsüberprüfungen veröffentlicht: www.lfu.bayern.de
Wer im nächsten Jahr beim Krötenretten helfen möchte, kann sich unter der E-Mail Adresse kroeten_augsburg[at]freenet[dot]de melden.

Was können wir gegen die Versiegelung und Versteinerung von Vorgärten, Gärten und Innenhöfen bewirken?
Dazu berichtete Christine Kamm, Vorsitzende des BN: „Mit dem Volksbegehren für die Rettung der Bienen haben wir zwar schon einen großen Schritt gemacht, doch nicht nur die Großbauern und Unternehmen, sondern auch jeder Einzelne kann etwas dafür tun, die Artenvielfalt zu erhalten“. Der traditionelle Hausgarten weicht leider bisweilen Kies- oder Schotterflächen, der ob seiner vermeintlich einfachen und effizienten Handhabung derzeit leider sehr stark beworben wird.
Schotter- und Kiesflächen verringern den Klimaeffekt, da die Erde hier nicht so viel Regen aufnehmen kann, so dass das Wasser schneller abfließt und das Abwassersystem mit den Hauptverursachern Schmutzwasser und versiegelte Flächen damit stärker belastet wird. Hinzu kommt, dass Kiesgärten entgegen der weitläufigen Meinung nicht wirklich pflegeleichter sind, da die Steine mit der Zeit Moos ansetzen, der dann mit Pestiziden behandelt wird.
Akkurat gemähte Rasenflächen oder Steinwüsten bieten keine Nahrung für die Insekten und keine Möglichkeit der Fortpflanzung. Mähroboter bedrohen zudem Igel und andere Wildtiere. „Rasenmähroboter und Pestizide haben also in artenreichen Gärten nichts zu suchen“, überzeugt Christine Kamm. Gut für den Artenschutz sind am Balkon Küchenkräuter und einheimische Arten. In naturnahen Gärten sind ungeordnete Ecken wichtig. Ein kleiner Steinhaufen, eine Lehmpfütze, Sand, oder etwas Totholz hinter Büschen sind wichtige Rückzugsräume für unsere heimischen Insekten. „Idealerweise sollte eine Wiese nur zweimal im Jahr gemäht werden.“, rät Christine Kamm.
In der Geschäftsstelle des BN Augsburg gibt es Flyer mit wertvollen Tipps, auch für noch so kleine Gärten oder Balkone finden sich Möglichkeiten. Die Ortsgruppe plant außerdem im Sommer einen Tag der offenen Tür in Augsburgs Naturgärten.

Rodung im Kobelwald im Landschaftsschutzgebiet
Dieses Thema war ein Anliegen mehrerer Gäste, die um die Fällung von mindestens 28 Bäumen im Neusäßer Ortsteil Westheim fürchten: Damit die Müllabfuhr die neun Häuser am Waldrand anfahren kann, soll die dortige Straße nun asphaltiert und mit einem Wendehammer versehen werden. Dafür sollen mindestens 28 alte Bäume fallen und das Erdreich mit einer bis zu 3m hohen Stützwand gesichert werden. „Sieben von neun Familien haben sich bereit erklärt, die Mülltonnen für die Müllabfuhr vorzubringen, doch leider wird das Vorhaben dennoch weiterhin geplant. Der Wendehammer ist für 3-achsige Fahrzeuge geplant; die neuen Fahrzeuge sind aber alle 4-achsig. Wir befürchten, dass das nur der Anfang ist, damit mehr und mehr Bauland mit der Zeit erarbeitet wird.“, klagt Roger Reiser, einer der Anwohner.
Am 3. Mai 2019 findet hierzu eine Informationsveranstaltung mit Unterschriftensammlung statt: Pfarrsaal St. Nikolaus v. Flüe, Von Ritter-Straße 6, 86356 Westheim.

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