Offenes Treffen der Ortsgruppe Augsburg des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN).

Foto: Katrin Habenicht

Bericht: Christine Kamm
Fotos: Katrin Habenicht

„Früher sind wir Rebhuhn schauen gegangen“,

berichtete ein Besucher des Offenen Treffens der Ortsgruppe Augsburg des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN). Naturschützer und Interessierte tauschten sich am 14 Februar 2019 über das Artensterben und die Perspektiven eines Volksentscheids für Artenvielfalt aus. „Meistens lernen wir beim monatlichen Offenen Treffen Neumitglieder kennen, die Interesse haben, auch an der praktischen Arbeit bei der Biotoppflege oder an Infoständen mitzuwirken. Wir freuen uns über Mitglieder- und Aktiven Zuwachs“, so Augsburgs BN-Ortsgruppen-Vorsitzende Christine Kamm.
Beim letzten Treffen ging es aus aktuellem Anlass um das Rebhuhn, eine Vogelart, die wie andere Feldvögel in den letzten Jahren einen drastischen Rückgang zu verzeichnen haben. Frühere „Allerweltsarten“ wie Kiebitz, Rebhuhn und Feldlerche sind in Agrarlandschaften deutlich seltener anzutreffen als noch vor wenigen Jahren. Auch Goldammer und Grauammer. Schnepfen, Wachteln und Neuntöter sind flächendeckend zu Raritäten geworden oder regional ausgestorben. Die Vögel der Agrarlandschaft sind in Deutschland und Europa besonders bedroht. Zwischen 1990 und 2013 verschwanden in Deutschland 35 Prozent aller Feldlerchen, 80 Prozent aller Kiebitze und 84 Prozent aller Rebhühner, stellte die Bundesregierung 2017 aufgrund einer Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion fest. Der BN Augsburg ging am Beispiel des Rebhuhns den Fragen nach: Wie sieht die Situation in unserer Region aus? Wie kann mithilfe des sehr erfolgreichen Volksbegehrens zum Artenschutz nun eine Trendumkehr bewirkt werden?
Das Umweltbundesamt stellte schon 2014 fest, dass der großflächige Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft zunehmend Vögel auf Feldern gefährde, vor allem Rebhühner und Feldlerchen fänden durch den Chemikalieneinsatz weniger Nahrung, weil mit den Schädlingen auch Futtertiere wie Schmetterlingsraupen und andere Insekten getötet würden. Herbizide beseitigen außerdem Wildkräuter auf den Äckern, von denen die Insekten leben. So wird die Nahrungskette nachhaltig gestört. Leider bleibt der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft seit Jahren auf einem gleichbleibenden hohen Niveau. „Wir brauchen aber mehr Flächen, auf denen nicht gespritzt wird. Öffentliche Grundstücksbesitzer wie die Stadt Augsburg müssen Pachtvergaben vom Verzicht auf Pestizideinsatz abhängig machen“, so Christine Kamm. „Zudem brauchen wir mehr Feldraine, Ackerrandstreifen und mehrjährige Brachflächen“, berichtete Irene Kuhn, die seit vielen Jahren im Vorstand der Ortsgruppe tätig ist. „Das erfolgreiche Projekt des Landschaftspflegeverbands im Süden Augsburgs zeige, dass solche Maßnahmen helfen können und sich eine kleine Rebhuhnpopulation etabliere. Auf solchen Blühstreifen und Brachen finden Feldvögel, Schmetterlinge, und Bienen genügend Nahrung und Lebensraum. Mehr solche Projekte sind sinnvoll, machen aber nur Sinn, wenn diese Strecken nicht häufig von Spaziergängern mit freilaufenden Hunden besucht werden“. „Unsere Allerweltsvogelarten von früher können durch solche Maßnahmen vielleicht überleben“, meinte ein Teilnehmer, „Fester Bestandteil unserer heimatlichen Landschaft werden sie aber so noch nicht. Nötig ist ein flächendeckendes Umsteuern in unserer Landwirtschaftspolitik.“
Das höchst erfolgreiche Volksbegehren in Bayern müsse daher zu einer Änderung der bayerischen Naturschutzgesetze führen, und auch Signal sein für die bundesdeutsche Landwirtschaftspolitik und die Europäische Landwirtschaftspolitik. Landwirte, die naturschonend wirtschaften, müssen besser gefördert werden, die undifferenzierten Flächenprämien müssen durch gezielte Instrumente abgelöst werden, forderten die Teilnehmer des BN-Treffens. In diesem Sinne hoffen sie nicht nur auf einen positiven Volksentscheid, und gute Wahlergebnisse für den Umweltschutz bei der Europawahl.
Denn jeder von uns kann einen Beitrag für mehr Artenvielfalt leisten. Auf Einladung des BN Augsburg berichtet Astrid Hamm am 27. März 2019, 19.00 im Augsburger S-Forum, Stadtbücherei darüber, was Unternehmen wie Privatleute am Balkon, in privaten Gärten, öffentlichen und gewerblichen Grünflächen für mehr Artenvielfalt tun können. Über Ihr Interesse würden wir uns sehr freuen.

Zur Info:
Massive Verluste:
In Deutschland hat der Bestand der Kiebitze zwischen 1990 und 2013 um 80 Prozent abgenommen, die Zahl der Braunkehlchen um 63 Prozent, die der Uferschnepfen um 61 Prozent und die der Feldlerchen um 35 Prozent. Die Zahl der Rebhühner hat zwischen 1990 und 2015 sogar um 84 Prozent abgenommen. Ein Drittel aller Vogelarten zeigt seit Ende der 90er Jahre „signifikante Bestandsabnahmen“. In Europa hat die Zahl der Vögel in 30 Jahren um 420 Millionen abgenommen!

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