Stunde der Gartenvögel vom 10. bis 13. Mai 2018 - Der LBV Augsburg bittet um zusätzliche Meldungen von Spatz, Segler und Schwalbe

von LeserReporter Dagmar Blacha aus Augsburg-Stadt
Eine Mehlschwalbe auf der Suche nach Nistmaterial. Diese sympathischen Frühlingsboten gehören mittlerweile zu den vielen Sorgenkindern der Naturschützer und brauchen dringend unsere Unterstützung (Bild: Rosl Rössner/LBV-Bildarchiv).

Vom 10. bis 13. Mai 2018 rufen der Landesbund für Vogelschutz in Bayern gemeinsam mit seinem bundesweiten Partner NABU zum 14. Mal auf, bei der „Stunde der Gartenvögel“ mitzumachen. Diese Aktion gibt Aufschluss über die Entwicklung der heimischen Natur. In diesem Jahr bittet der LBV Augsburg aufgrund der immer prekärer werdenden Situation vieler „Allerweltsvögel“ um zusätzliche Meldungen von Spatzen, Schwalben und anderen gebäudebrütende Arten.
Die „Stunde der Gartenvögel“ liefert seit Jahren wichtige und teils überraschende Erkenntnisse über den Zustand der Natur in Bayern. Kein Wunder: Alljährlich nehmen tausende begeisterter Naturbeobachter daran teil und liefern somit eine Datenfülle, wie sie sonst nur mittels groß angelegter und teurer Studien möglich wäre. Leider geben die Ergebnisse selten Anlass zur Freude, sie bestätigen was bei immer mehr Menschen langsam ins Bewusstsein rückt: Unserer Natur geht es dramatisch schlecht. Die Lage unserer Vögel ist dabei ein entscheidender Zeiger für den Zustand der Natur allgemein – und dieser Zustand wird sich über kurz oder lang auch gravierend auf das Leben der Menschen auswirken. Gründliche Langzeiterhebungen ermöglichen daher gezielte Schutzmaßnahmen oder auch Argumentationshilfen gegenüber politischen Entscheidungsträgern.
Doch Natur bedeutet eben nicht nur traumhafte, unverbrauchte Landschaft – Natur ist auch mitten unter uns, in unseren Dörfern und Städten. Lange Zeit war diese Natur wie selbstverständlich da und es wurde ihr wenig Beachtung geschenkt. Doch nun ist auch sie stark bedroht. Unsere Kinder viele beispielsweise einstige „Allerweltsvögel“ wie Spatz oder Schwalbe wohl nur noch aus alten Kinderliedern oder Geschichten kennenlernen, wenn wir nicht rücksichtsvoller mit ihnen umgehen.
Noch ist es nicht zu spät und jeder kann mithelfen, wenn es um den Erhalt der Artenvielfalt geht. So nimmt sich der LBV Augsburg in diesem Jahr intensiv der so genannten „Gebäudebrüter“ an. Wolfgang Weiner, der Koordinator des Gebäudebrüter-Projekts beim LBV Augsburg, erläutert: „Gebäudebrüter sind Vögel oder Fledermäuse, die seit Jahrhunderten in der Nähe des Menschen leben und ihre Nester an Hauswänden, in Scheunen oder Ställen oder Kirchtürmen errichten. Sie sind Kulturfolger der ersten Stunde, was teils schon in ihren Namen wie Mauersegler, Haussperling, Hausrotschwanz oder Turmfalke zum Ausdruck kommt. Andere sind uns vertraut als Glücksboten und Frühlingsbringer wie Rauch- und Mehlschwalben. Lange Zeit fanden diese Tiere gute Lebensbedingungen selbst in der Großstadt Augsburg vor.“
All den gebäudebrütenden Arten ist gemein, dass ihnen ihre starke Orientierung auf Gebäude zum Verhängnis zu werden droht: Bei Hausmodernisierungen werden Nistplätze ohne Ersatz vernichtet. Im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen werden Gelege oder Bruten zerstört. Kirchturmfenster werden verschlossen. Nicht selten werden Nester als „Schmutzbringer“ und Störfaktoren einfach abgeschlagen, was nicht nur Leben zerstört, sondern auch widerrechtlich ist. Pfützen werden zugeschüttet, Feldwege zubetoniert, was Schwalben die Suche nach Nistmaterial unmöglich macht. Die moderne Landwirtschaft räumt gründlich ab: Wo einstmals genug Sämereien und Getreide für Spatz und Co. übrig blieb, steht heute kein Halm mehr. Pestizideinsatz auf Feldern und sogar im Garten vernichten die letzten Insekten, die insbesondere während der anstrengenden Jungenaufzucht überlebensnotwendig wären. Die meisten der einstmals häufigen gebäudebrütenden Arten befinden sich daher in einem dramatischen Abwärtstrend, was jüngst ihre Aufnahme in die berühmt-berüchtigte Rote Liste belegt.
Um die Artenvielfalt zu erhalten, ist zunächst die Erfassung der Bestände sehr wichtig. Nur über eine gründliche Erhebung erhalten die Naturschützer Hinweise auf das Vorkommen der Tiere und können direkt auf öffentliche und private Bauträger zugehen. Denn fast immer könnten bei einem Neubau oder einer Sanierung Schutzmaßnahmen oder die Schaffung von Nisthilfen einbezogen werden, häufig fehlt es nur an der Sachkenntnis. Wolfgang Weiner vom LBV Augsburg meint dazu: „Artenschutz und Klimaschutz müssen und dürfen kein Widerspruch sein. Wir können mit etwas mehr Rücksicht und Bewusstsein bei allen Baumaßnahmen gleichzeitig Hilfestellung für Spatz, Schwalbe, Segler oder Fledermaus leisten. Wir bitten daher alle Teilnehmer an der Stunde der Gartenvögel, uns ihre Beobachtungen zu Gebäudebrütern gesondert zu melden.“
Der LBV Augsburg bietet dafür die Möglichkeit auf seiner Homepage www.augsburg.lbv.de, wo ein eigener Meldebogen für Gebäudebrüter zur Verfügung steht. Des Weiteren werden aber auch noch Kartierer und ehrenamtliche Helfer für das Projekt gesucht. Wer Interesse an der Teilnahme hat, kann sich an die LBV-Geschäftsstelle Augsburg, dagmar.blacha[at]lbv[dot]de, wenden. Und für alle weiteren am Thema Interessierten gibt es eine Gebäudebrüter-Ausstellung im Botanischen Garten mit Begleitprogramm (18.5.-17.6.18, Infos unter www.augsburg.lbv.de), einen kostenfreien Vortrag zu Gebäudebrütern am 12.6.18 (10-12 h, Seminarraum des Botanischen Garten) sowie für Augsburger Schulen das Angebot zu einer kostenfreien Umweltbildungsaktion mit Nisthilfenbau, Präparaten, Spiel und viel Wissenswertem zu Spatz und Co. (Informationen über dagmar.blacha[at]lbv[dot]de, Tel. 0173-3621145).

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