Die Unabhängigkeit der Feldhasen

Wenn der Feldhasen-Winzling groß und stark geworden ist, wird er wieder in die Freiheit entlassen

Die Tierärztin rät*

Anfang der Woche wurde im Tierheim ein Feldhasen-Junges zur Aufzucht abgegeben. Das erste von womöglich vielen, die erfahrungsgemäß in dieser Jahreszeit noch folgen könnten. Tierärztin Tonia Olson appelliert daher „an alle Spaziergänger, Naturfreunde, Gassigeher und Sportler, die zurzeit draußen unterwegs sind: Lassen Sie vermeintlich alleingelassene Feldhasenbabys bitte sitzen und fassen Sie diese auch nicht an! Feldhasen brauchen in der Regel keine menschliche Hilfe.“

Die Feldhäsin bringt ihre Jungtiere nicht in Höhlen oder Bauten zur Welt, sondern oberirdisch in sogenannten Sassen. Das sind flache Erdmulden, häufig an Wegrändern oder auf Wiesen, in denen die Jungtiere dann verweilen. Die Mutter verlässt die Sasse schon kurz nach der Geburt der Jungen und kehrt nur zeitweise zurück, bevorzugt in der Dämmerung, um ihre Jungen zu säugen. Die restliche Zeit lebt sie ihr Feldhasenleben, weit weg vom Nachwuchs.

Die Jungtiere sind bestens auf diese Situation vorbereitet: Sie kommen sehend und hörend zur Welt und tragen bereits bei der Geburt ein dichtes Haarkleid, das sie vor Kälte schützt. Ist die Häsin abwesend, verstecken sich die Jungen gut getarnt im näheren Umkreis der Sasse. Wenn die Mutter zurückkehrt, werden die Kleinen gesäugt und anschließend wieder sich selbst überlassen.

So kann bei vorbeikommenden Passanten fälschlicherweise der Eindruck entstehen, die Jungtiere wären hilflos. Das sind sie nicht. Berühren Sie Feldhasenbabys bitte nicht unnötig und lassen Sie die Tiere sitzen. Feldhasen (und auch Wildkaninchen) fallen unter das Jagdrecht, man kann sich also strafbar machen, wenn man sie einfach mitnimmt.

Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, in denen Handlungsbedarf besteht. Zum Beispiel, wenn ein Tier offensichtlich verletzt ist, auf einer stark befahrenen Straße sitzt oder das Muttertier tot neben ihren Jungen liegt. In diesen Fällen rufen Sie bitte den zuständigen Jäger, die nächste Polizeidienststelle oder das Tierheim an, wo man sie gerne berät.

"Das eingangs erwähnte Feldhasen-Junge", merkt Olson noch an, "ist übrigens bei unserer Auszubildenden Teresa Hinojosa untergekommen, die sich liebevoll um das Kleine kümmert. Ein großes Dankeschön für diese anstrengende und zeitaufwändige Aufgabe."

* Tonia Olson ist Ihre Tierärztin im Tierheim Augsburg

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