Wortschätzle 75 - Nachm Augschburger Plärrer-Umzug isch's wenig schwäbisch

Dr Plärrer hat vergangenes Wochenende wieder angefangen und „allbod“, überall, und „ringsumadum“, ringsherum, sieht man nun wieder Menschen, junge und alte, in Tracht rumlaufen – oder in etwas, das so ähnlich aussieht. Aber wenn’s doch „wenigschdens an ner schwäbischa, ner hiesiga“, einer von hier, Tracht orientiert wäre. Nein, auf dem größten schwäbischen Volksfest laufen sie bayerisch „aufbrezeld“, aufgehübscht, rum, und haben etwas an, das irgendwie mit Dirndl und Lederhosen zu tun hat, in so am „bayrischa Häs hald“. Wenn’s Spaß macht und sexy aussieht. . . Zum „Luaga“, Schauen, gibt’s immer was, und wenn’s nur „zom Leschdra isch“, zum Lästern. Alles ist gut – nur Tracht ist es nicht. Der Plärrer ist schon seit Jahren nur mehr ein weiteres bayerisches Volksfest – nimmer des
„greaschde schwäbische Volksfeschd“ – mit dem Schwäbischen hört’s nach dem traditionellen Umzug zur Eröffnung leider auf. Die kulturelle Übernahme ist längst geschehen.
Aufm Plärrer gibt’s auch wieder „Steckerlfisch“, dessen Bezeichnung ja schon seit Jahrzehnten mit der Endung -erl wieder nichts mit dem Schwäbischen zu tun hat. Seit der Toni aufgehört hat, merkt man erst, wie gut sein Fisch war. Aber ich esse meinen eh an der Wertach, da kann ich ihn jedes schöne Wochenende haben, „gmiadlich dohogga“, gemütlich dasitzen, mit einem Bier „drzua“, dazu – und „schmecka duads mr do au, ohne Gedränge ond keifede Leid, dia sich bloß vordrängla wolled“.
„Aber i gang drozdeam gern aufn Plärrer, ond des erschde Feierwerg war widdr guad, mit vil Uiiis ond Ooooos!“

Stefan Gruber

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