Zehn Jahre Austausch der Kulturen - deutsch-marokkanisches Projekt an der Waldorfschule

von LeserReporter Angelika Lonnemann aus Augsburg-Stadt

Vor zehn Jahren gab es die erste Begegnung zwischen der Freien Waldorfschule Augsburg und dem Lycée Al Farabi in Had Kourt in Marokko. Seitdem haben sich die Schulen abgewechselt, sich mit einer Gruppe von Schülern gegenseitig zu besuchen. Vor kurzem kehrten 16 Schüler der Klassen neun bis elf aus Marokko zurück. Das von der Augsburger Lehrerin Isabella Geier initiierte Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Augsburger Zukunftspreis. Das Besondere an dieser Schulpartnerschaft ist, dass bei den Begegnungen immer auch gemeinsam gearbeitet wird. Natürlich wird auch zusammen gelernt, gegessen und gefeiert. Diesmal verbrachte die Gruppe zunächst zwei Tage in der alten Stadt Fès, wo man die weltberühmte Medina, die historische Innenstadt, besuchte und über den Souk schlendert. „Einmal haben wir uns in der längsten Fussgängerzone der Welt, die 160 Kilometer lang ist, verlaufen, das war aufregend“, berichtete der Neuntklässler Luca Zang.

In Had Kourt hat die Gruppe dann mit den Gastgebern Tischtennisplatten, Mülleimer und Garderoben gebaut und ein Garten- und Kompostprojekt glücklich zu Ende gebracht. Außerdem haben sie mit Kindern in einem Kindergarten in Fès und in einer kleinen Dorf-Grundschule in der Umgebung von Had Kourt gearbeitet.

Die Organisatorin Isabella Geier sagte, ihr falle bei jeder Begegnung mit Marokko das unterschiedliche Verhältnis von Form und Kraft auf. „In unserer Kultur ist vieles bis ins Detail geplant, geregelt und organisiert, alles ist also geformt, oft überformt. In Marokko wird viel improvisiert, immer wieder gibt es Änderungen und Überraschungen, das heißt es fehlt vielfach an Struktur und Form. Dafür ist dort eine unglaubliche Power und Energie zu spüren, mit der wir in keiner Weise mithalten können“, so Geier. So hatte die Gruppe aus Augsburg dieses Mal eine detaillierte Planung für den Bau von Tischtennisplatten aus Beton mit Stückliste vorbereitet. Eine gute Woche vor der Anreise hatten sich die Kollegen in Marokko überlegt, dass Holzplatten doch besser wären, weil man sie wegräumen und damit den Platz auch anderweitig nutzen kann. Also musste nochmal ganz neu geplant werden.
Die Schüler kamen voller besonderer Erfahrungen zurück. „Ich habe dort festgestellt, dass wir sehr viele Freiheiten im Gegensatz zu marokkanischen Jugendlichen genießen, angefangen bei einem Pass für 177 Länder, der es uns ermöglicht ohne Visum zu reisen.
Wir werden hier zum selbstständigen Denken erzogen. Dagegen hatte ich in Marokko den Eindruck, dass die Kinder die Meinungen übernehmen sollen, die als allgemeine Wahrheit angesehen werden“, berichtete der Elftklässler Lucas Hein. Sein Klassenkamerad Johannes Schmid beschrieb, wie er die Ankunft in der Gemeinde Had Kourt erlebt hat: „Wenn man in der kleinen Gemeinde Had Kourt ankommt, dann besteht sie aus einer großen Hauptstraße mit einigen Verzweigungen. Eine Apotheke. Ein Metzger. Ein Geldautomat. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise ins letzte Jahrhundert, bei der man gleichzeitig ein paar Dinge der heutigen Zeit mitgenommen hat, wie zum Beispiel 4-Gigabyte-Internet in jedem, aber auch wirklich jedem Winkel“.

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