Augsburger Bürgerfeste künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus?

2017 gab es in Augsburg zum letzten Mal ein historisches Bürgerfest. Foto: Markus Höck

Will die Stadt Augsburg historische Feste? Und ist sie bereit, dafür selbst die Veranstalter-Rolle zu übernehmen und für die Ausrichtung mindestens 250 000 Euro im Haushalt zu verankern?
Diese Fragen müssen in den kommenden Wochen in Gesprächen mit dem Finanz- und dem Kulturreferat geklärt werden, kündigte Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) in der letzten Sitzung des Allgemeinen Ausschusses vor der Sommerpause an. Denn fest steht: Weder die Interessensgemeinschaft Historisches Augsburg (IG) noch der Stadtmauerverein, die die Feste in der Vergangenheit abwechselnd veranstalteten, sind noch bereit, das finanzielle Risiko der Feste, deren Besucherzahlen und damit auch Umsätze stark vom Wetter abhängen, zu übernehmen.

Die IG sei allerdings weiterhin bereit, die Organisation und Programmgestaltung der Feste zu übernehmen, wenn die Stadt als Veranstalter die Kosten trage, sagte Werner Kaufmann, Leiter des Amtes für Marktwesen und Verbraucherschutz, im Ausschuss. Die IG war zuletzt im Jahr 2017 als Veranstalter des Festes an den Rote-Torwall-Anlagen aufgetreten. Der Stadtmauerverein war für die im jährlichen Wechsel stattfindenden Feste am Wertachbrucker-Tor verantwortlich.

Vergangene Feste endeten mit finanziellem Defizit

Diese Vereinbarung war auch in einem Rahmenvertrag zwischen der IG und der Stadt Augsburg aus dem Jahr 2008 verankert. Die Stadt war durch diesen Vertrag laut Kaufmanns Bericht "quasi in einer Mitveranstalterrolle zu sehen". In den vergangenen Jahren half die Stadt den Veranstaltern bereits finanziell. Denn an beiden Standorten endeten die Feste zuletzt mit Defiziten, die die Vereine eigenständig nicht bezahlen konnten. Das letzte Bürgerfest hatte ein Finanzvolumen von 250 000 Euro. Wegen zusätzlicher Sicherheitsauflagen stiegen die Kosten immer weiter. "Es ist nachvollziehbar, dass die neue Vorstandschaft dieses Risiko nicht mehr tragen kann", schreibt Kaufmann in seinem Bericht, der dem Ausschuss vorlag.

Seit 2018 hat die IG einen neuen Vorstand und will die Feste nicht mehr als Veranstalter organisieren. Der Vertrag von 2008 sei damit obsolet, erklärte der Marktamtsleiter. Auch der langjährige Vorsitzende des Stadtmauervereins habe sich zurückgezogen. "Damit fehlen die erfahrensten und bestvernetzten Akteure", meinte Kaufmann. Der Vertrag zwischen dem Stadtmauerverein und der IG, wonach der Stadtmauerverein alle zwei Jahre das Fest am Wertachbrucker Tor ausrichtet, wurde ebenfalls gekündigt, der Stadtmauerverein steht nicht mehr als Veranstalter zur Verfügung.

Vereine würden Feste weiterhin Planen

Allerdings, informierte Stadtrat Peter Schwab (CSU), würden die beiden Vereine inzwischen gerne zusammenarbeiten, um die Feste auf die Beine zu stellen. Der Stadtmauerverein sei inzwischen auch wieder ein Teil der IG, die der Dachverband verschiedener historischer Vereine ist. Allerdings bräuchte es laut Kaufmann eine neue Festivalleitung. Der Vorstand der IG sei jetzt "sehr jung", und es biete sich niemand für die Leitung eines solch großen Festes an.

Allerdings weiß Kaufmann auch: "Das Fest lebt sehr stark von herausragendem ehrenamtlichen Engagement." Die gesamte historische Szene habe sich unter dem Dachverband der IG zusammengeschlossen, um die Feste auszurichten. Ob die Stadt selbst diese Kräfte genauso gut erreichen und mobilisieren könne, sei fraglich. Zuerst müsse es nun also auch Gespräche mit der IG geben, wie diese sich die Veranstalter-Rolle vorstellen würde, kündigte Wurm an. Und dann müsse man in Abstimmung mit den anderen Referaten entscheiden, "ob das durchzuführen ist". Sollte die Stadt oder eine Tochtergesellschaft die Verantwortung für die historischen Feste übernehmen, möchte Kaufmann am Gelände der Rote-Tor-Wallanlagen festhalten. Dieses sei, mit den Wassertürmen, der Freilichtbühne und dem Handwerkerhof, die größte noch erhaltene Festungsanlage, und damit "idealer Schauplatz, die Geschichte erlebbar zu machen".

Zwei-Jahres-Rhythmus am Roten Tor?

Außerdem sei das Gelände im Besitz der Stadt und aufgrund der vergangenen Feste die nötige Infrastruktur, wie Wasser- und Stromanschlüsse, bereits vorhanden. Änderungen könnte es allerdings beim Festrhythmus geben. In vielen Städten fänden die historischen Feste nicht jährlich statt, merkte Kaufmann an. Nur alle drei Jahre feiert zum Beispiel Friedberg das Altstadtfest, nur alle vier Jahre können Besucher die "Landshuter Hochzeit" erkunden. "Es würde somit nichts gegen ein wiederkehrendes Bürgerfest, das alle zwei Jahre stattfindet, sprechen", heißt es im Bericht des Koordinators. Dies sei eine Frage der Finanzierung, aber auch der Belastung für die ehrenamtlich Tätigen. Näheres lasse sich aber erst festlegen, wenn die inhaltlichen Aspekte eines möglichen Festes geklärt sind.

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