Bahnhofsumbau: Tramtunnel ohne Westausgang?

Großprojekt mit kleinen Schwierigkeiten: Die Eröffnung des Tunnels unter dem Augsburger Hauptbahnhof ist inzwischen für August 2023 vorgesehen. Die neue Straßenbahn-Linie 5 wird dann aber womöglich noch nicht auf der anderen Seite wieder herausfahren, denn die Planungen gestalten sich schwierig. Fotos: Janina Funk

Die größte Baustelle der Baustellenstadt Augsburg befindet sich unter der Erde. Auch wenn es bei den Planungen der Tunnel-Straßenbahn Linie 5 noch einige Fragezeichen gibt, schreiten die unterirdischen Arbeiten am Hauptbahnhof unbeirrt voran. Einen Überblick über den aktuellen Stand wollte sich der Augsburger Stadtrat in seiner letzten Sitzung des Jahres verschaffen und lud dazu Stadtwerkechef Walter Casazza ein.
"Ziel ist immer noch, dass die Tram auf der anderen Seite wieder herausfährt, wenn der Tunnel fertig ist", waren sich Casazza und Baureferent Gerd Merkle einig. Es wird aber womöglich anders kommen - das räumten auch Casazza und Merkle ein. Denn zwar ist man, was das unterirdische Bauwerk angeht, im "aktuellen Zeit- und Kostenplan", die Planung der Linie 5, die mittelfristig unter dem Tunnel hindurch fahren soll, macht allerdings Probleme.
Die Linienführung auf der Westseite des Bahnhofs ist kompliziert, das Planfeststellungsverfahren für die Straßenbahn musste schon einige Male verschoben werden. Im Herbst 2018 entschieden Stadtwerke und Stadtrat, zweigleisig zu fahren. Die Planungen für die Trasse wurden aufgeteilt: Abschnitt eins reicht nun vom Tunnelausgang bis zur Bürgermeister-Ackermann-Brücke, den zweiten Teil bildet die Strecke zwischen der Brücke und der Wendeschleife am Klinikum.

Am Vorplatz-West heißt es warten

Die Stadtwerke "arbeiten mit Hochdruck daran, das Baurecht für Abschnitt eins zu erwirken", sagte Casazza. Auf Nachfrage erklärte er: "Am Vorplatz-West sind wir insofern nicht aktiv, weil derzeit die Überplanung zur Linie 5 stattfindet." Sprich: Der Bahnhofsplatz im Westen kann erst realisiert werden, wenn sicher ist, wie die Straßenbahn fahren wird. Rund um den Sebastian-Buchegger-Platz, über den die Trasse stadteinwärts führen soll, gibt es Widerstand von Anwohnern. Stadtauswärts verläuft die Strecke über einen kurzen Abschnitt der Rosenaustraße und über die Pferseer Straße zur Luitpoldbrücke. Von dort geht die Verbindung in beide Richtungen über die Holzbachstraße zur Ackermann-Brücke. Neben dieser Vorzugsvariante ist allerdings auch eine Trassenführung über die Rosenaustraße zur Ackermann-Brücke noch nicht endgültig vom Tisch.
Und richtig schwierig wird es erst nach der Bürgermeister-Ackermann-Brücke: Geplant ist, die Tram in der Mitte der Ackermann-Straße fahren zu lassen - auf einer Straße also, die bereits heute nicht selten ein Nadelöhr für den Verkehr ist. Besonders kompliziert werden die Kreuzungen, vor allem jene mit der Kriegshaberstraße und der Hagenmähderstraße. An dieser Stelle soll die Fahrbahn, so der aktuelle Plan, sechsspurig ausgebaut werden. Die Abbiegespuren könnten als dritte Fahrbahn weitergeführt werden. "Diese Arbeiten sind erst angelaufen", sagte dazu Stadtwerkechef Casazza. Das Kommunalunternehmen könne "nicht die Ressourcen aufbringen, beide Bereiche gleichermaßen zu behandeln", betonte er in Bezug auf beide Trassen-Abschnitte.

Wendeschleife unterm Bahnhof

Deutlich weniger Sorgen macht den Stadtwerken da der Bahnhofstunnel. Dessen Eröffnung ist für August 2023 vorgesehen. Derzeit "finden Aushubarbeiten unter der Bodenplatte statt", erklärte Casazza. Die Stadtwerke, die in Abstimmung mit der Deutschen Bahn den Umbau managen, gehen inzwischen von 230 bis 250 Millionen Euro Gesamtkosten aus.
In einem Jahr soll der Rohbau des Personentunnels fertig sein. Mit 19 Metern ist die neue Bahnsteigunterführung etwa dreimal so breit wie ihr stillgelegter Vorgänger. Vom Straßenbahntunnel samt unterirdischer Haltestelle ist aktuell noch nichts zu sehen. Dieser wird ein Stockwerk unter dem Fußgängertunnel entstehen. Erst ab 2021, wenn der Bau des ersten Untergeschosses abgeschlossen ist, geht es weiter in die Tiefe.
Sollte 2023 zwar der Tunnel aber noch nicht die Linie-5-Trasse fertig sein, muss die Straßenbahn unterirdisch wenden. Eine entsprechende Wendeschleife wurde für die Linie 4 in die Planungen aufgenommen. Wenn die 5 in Betrieb geht, wird sie mit der Linie 6 verknüpft, die bislang wie die 4 am Hauptbahnhof endet. Bis die Linie 5 also kommt, wird die 6 im Tunnel umdrehen. 

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