Der Europatag muss ein Fest des Miteinanders bleiben

von LeserReporter Thorsten Frank aus Augsburg-Stadt

Der Europatag muss ein Fest des Miteinanders bleiben appelliert Thorsten Frank, Vorsitzender der überparteilichen Europa-Union Augsburg e.V.

Wegen der Corona-Pandemie fanden die traditionellen Feierlichkeiten zum Europatag dieses Jahr nicht statt. Viele Verbände der Europa-Union haben sich daher entschieden, eine virtuelle Europawoche zu feiern, so auch in Augsburg. In zahlreichen Städten gab es am 9. Mai aber öffentliche Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. „Die Art und Weise, wie der Europatag 2020 ‚begangen‘ wurde bereitet mir große Sorge. Er muss in dieser Form einmalig bleiben, wenn die Demokratie keinen Schaden nehmen soll“, erklärt Thorsten Frank, Vorsitzender der Europa-Union Augsburg.

„Der Europatag muss ein Fest des Miteinanders bleiben“, fordert Frank in seinem Appell.

„Dass der 9. Mai 2020 in die Geschichte unseres Landes eingeht, überrascht nicht. Die Art und Weise, wie dies geschehen ist, aber schon. Als Pro-Europäer wünscht man sich, dass der 70. Jahrestag der Schuman Erklärung gewürdigt wird, der dem 75. Jahrestag der Befreiung vor den Folgen der Nazi-Herrschaft folgt. Robert Schuman, Konrad Adenauer und viele weitere Menschen vereinbarten fünf Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges konkrete Schritte hin zu einem Europa in Frieden und Freiheit. Sie zogen mit diesem Plan Lehren aus dem unsäglichen Krieg und schufen die Grundlage für ein Europa, das sogar den Friedensnobelpreis erhielt. Menschenrechte zu achten und zu schützen, ist für mich als Bürger ein hohes Gut und daran zu erinnern, wie diese für ganz Europa aufgebaut wurden, eine Ehre. Deshalb bringe ich mich überparteilich und ehrenamtlich als Vorsitzender der Europa-Union Augsburg und als stellvertretender Vorsitzender bei der Europa-Union Bayern ein. Zehntausende Mitglieder der Europa-Union Verbände in Deutschland und ganz Europa fühlen sich diesen Werten als Europa-Union verpflichtet. 2020 wurde pandemiebedingt der Europatag abgesagt und auch die Europawoche. Als ehrenamtlich Aktive haben wir großes Verständnis auch für einschneidende Maßnahmen, weil ein durch Einzelinteressen geprägter Kollaps noch viel größeren Schaden anrichten würde und tausende Menschenleben kosten würde.

Die Europa-Unionen stellten deshalb sogar virtuelle Europawochen und auch virtuelle Europatage auf die Beine – in ganz Europa und auch hier in Augsburg.

Und wer sich in Europa umschaut, kann in Sachen Corona auch leicht erkennen, dass wir in Deutschland einiges richtig gemacht haben müssen, wenn der Schutz menschlichen Lebens die oberste Priorität haben soll. Ob Frankreich, Italien, Vereinigtes Königreich – überall sind die Opferzahlen höher als bei uns. Selbst in Belgien mit seinen 11 Millionen. Einwohner sind bereits laut Johns Hopkins Universität 8.656 pandemiebedingten Todesfälle zu beklagen. Hochgerechnet auf unsere 83 Millionen Einwohner entspräche das in Deutschland einer Opferzahl von 65.000 statt den 7.569 – und die Pandemie geht ja noch weiter. Dass dabei viele Menschen die Sorge um ihre eigene Existenz oder Beschränkung ihrer Rechte in Bezug auf Hobbys oder Besuche ihrer Liebsten umtreibt, ist verständlich. Auch dass es durch die Neukonstituierung auf kommunaler Ebene in Folge der Kommunalwahlen in ganz Bayern in dieser Pandemiezeit weniger Aufmerksamkeit für unser Europa gibt, ist nachvollziehbar. Übergangsbedingt mag auch der ein oder andere sich online anbahnende Protest nicht sofort überall auf dem Schirm sein. Spätestens mit diesem 9. Mai sollte er es aber sein – und zwar auf allen Ebenen.

Spätestens mit diesem 9. Mai sollten die Proteste auf allen Ebenen auf dem Schirm sein

Denn offensichtlich birgt der Frust zahlreicher Menschen nun die Gefahr, die Retter und die Rettungsversuche, statt den Virus zu bekämpfen. Das ist sehr bedenklich. Wirklich gefährlich wird es, wenn zur Unsicherheit nun auch noch wahrnehmbare Ungleichheit folgt. Wer Fußball erlaubt, darf auch andere Sportarten nicht benachteiligen. Denn wer in die Unsicherheit auch noch Ungleichheit gießt, verliert Vertrauen. Er riskiert die Infragestellung des gesamten Konzepts, weil der Eindruck entsteht, es gehe mehr um das Geschacher von Einzelinteressen als um die Frage nach klaren Regeln, die am Ende allen helfen.

Es braucht verständliche Abstandskonzepte statt als Brandbeschleuniger wirkende Einzelentscheidungen.

Zu solchen Einzelentscheidungen gehört auch, dass nun ausgerechnet am Europatag – dem zentralen Element der Europawoche – statt Europafesten, bei der wir das Miteinander feiern, ausgerechnet  Protest-Schilder mit Schlagzeilen in Großbuchstaben wie  „1. Notstandsgesetze 2. Gleichschaltung v. Medien 3. Diktatur 4. Endlösung“ oder „Wie konnten sich die Massen unter Hitler nur so dumm manipulieren lassen? Die Corona-Trottel von heute geben die Antwort“ zu sehen sind. Das ist für Freunde von Frieden und Freiheit der Demokratie unwürdig und für Europafreunde unerträglich. Nicht nur, weil es dermaßen grottenfalsch ist, dass sich die Frage stellt, welche Schäden so eine Pandemie beim Verstand mancher Menschen anrichten kann. Es ist unerträglich, weil es das Erbe Robert Schumans und auch die Lehren aus dem zweiten Weltkrieg gleichermaßen beschmutzt.

Statt der Freude über das gemeinsam erreichte wurde der Europatag eine Bühne für wilde Verschwörungstheorien und Populisten

Es wäre für Verantwortung Tragende auch ein leichtes gewesen, an diesem Tage über ehrenamtliches Engagement hinaus ein Zeichen zu setzen für Europa, für die Solidarität, für den Schutz von zehntausenden geretteten Leben. Der Tag hätte Anlass sein können für die Vorstellung eines bessern Fahrplanes, wie die Pandemie beherrschbar bleibt. Für eine Vision, wie sich Europa künftig gemeinsam besser aufstellen kann. Für das Lob an all die Menschen, die die Prioritätensetzungen richtig machen, indem sie den Schutz menschlichen Lebens gerade von Risikogruppen vor das Recht auf Nichtbeachtung von Mindestabständen oder gar berufliche Nachteile stellen. Stattdessen stehen nicht nur verantwortungsvoll Denkende und Handelnde im Regen. Ausgerechnet zu den abgesagten Europatagen erhalten auch noch Verschwörungstheoretiker und Populisten Raum, die mit der Angst der Menschen spielen und damit versuchen, die Gemeinschaft zu spalten und zu destabilisieren. An einem Tag der eigentlich für das glatte Gegenteil gedacht war – nämlich der Einheit in Vielfalt und dem Miteinander statt dem Gegeneinander.

Mein Appell an alle Verantwortung Tragenden – überlasst diesen 9. Mai nie wieder als Überraschungsgeschenk Menschen, die die Angst anderer für düstere Ideen missbrauchen, sondern lasst uns künftig diesen Tag wieder gemeinsam feiern – damit er das bleibt wofür er ins Leben gerufen wurde: Ein Tag der Freude für Europa und die Menschen.“

Thorsten Frank ist Vorsitzender der Europa-Union Augsburg e.V. und stellvertretender Vorsitzender der Europa-Union Bayern e.V.

Informationen zum virtuellen Europatag: https://www.youtube.com/watch?v=JHSZxnB8_rI

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