Region: Augsburg Stadt

Habeck nimmt in Augsburg „Laptop und Lederhosen“ auf die Schippe

Robert Habeck will Landwirten den Rücken stärken

Ursprünglich will Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, eine Anekdote darüber erzählen, dass die Lösung von Problemen stets neue Konflikte mit sich bringt. Er spricht auf dem Neujahrsempfang der Augsburger Grünen am Sonntagmorgen im Rathaus gerade über einen Auftritt in der Lausitz, bei dem es darum ging, der Bevölkerung den Ausstieg aus dem Braunkohlebergbau schmackhaft zu machen. „Den Menschen ist viel Geld und schnelles Internet versprochen worden.“ An diesem Punkt muss Habeck lachen und kann sich einen Seitenhieb an den Freistaat nicht verkneifen.

„Es gibt kein anderes Land, wo es so viele Funklöcher gibt wie in Bayern“, sagt Habeck, der seit mehreren Tagen in Bayern unterwegs ist, und ergänzt: „Laptop und Lederhose ist ein super Slogan, aber wenn in München nicht angekommen ist, dass ein Laptop Internet braucht, bringt das nichts.“ In dem Zustand habe man also nur eine modernere Schreibmaschine.

Darüber, wie dieses Problem behoben werden kann, geht es auf dem Neujahrsempfang nicht. Vielmehr widmen sich die Grünen den Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit in Augsburg. Eröffnet wird der Empfang vom „grünen Gewissen der Stadt Augsburg“, wie Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth den Augsburger Umweltreferenten Reiner Erben bezeichnet. Der 61-Jährige betont vor allem, dass Augsburg im vergangenen Jahr zum ersten Mal den EU-Grenzwert für Stickoxide eingehalten hat. „Wir dürfen uns damit nicht zufrieden geben und müssen weiterhin Autofahren in der Stadt reduzieren“, erklärt Erben.

Roth freut sich vor allem darüber, dass Augsburg eine der ersten Städte sei, die die Klimaziele der Vereinten Nationen in so vielen Belangen umsetzt. „Augsburg als Friedensstadt hat heutzutage viel zu tun“, stellt die Bundestagsvizepräsidentin mit Blick auf rechtspopulistische Parteien fest, ehe sie an die Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen, Martina Wild, übergibt.

Augsburg ist die Stadt der 300.000 Chancen

„Es braucht mehr Mut und Entschlossenheit um die Herausforderungen der Gegenwart anzupacken“, wirbt die OB-Kandidatin für sich, denn es könne nicht weiter um den heißen Brei herumgeredet werden. Sie habe konkrete Pläne. „Wir machen in Augsburg den Nahverkehr und das Radnetz so attraktiv, dass niemand mehr Auto fahren will“, verkündet Wild. Erreichen will sie das mit einem 365-Euro-Ticket, Fahrradstraßen und einer Förderung der Elektromobilität.

Die in Augsburg geborene und aufgewachsene Wild bezeichnet Augsburg als „Stadt der 300 000 Chancen“. Denn es dürfe keine Rolle spielen, welches Geschlecht, Alter, welche Herkunft und Sexualität oder welchen Bildungsgrad jemand hat. In Augsburg sollte ihrer Ansicht nach jeder die gleiche Chance haben.

Im Hinblick auf Umfragewerte stellt Martina Wild abschließend fest: „Grüne Politik ist kein Trend. Grün wirkt“ und übergibt an Robert Habeck.

Der Bundesvorsitzende der Grünen macht die rund 800 Gäste im Rathaus auf die Lage der Bauern aufmerksam: „Landwirte ermöglichen es uns, ein reiches Land zu sein“. Sie produzieren laut Habeck so billig und so viele aber gleichzeitig so qualitativ hochwertige Produkte wie nie zuvor in der Geschichte. Das sei das Ergebnis immer fortschreitender Industrialisierung, doch das System hat ein Problem:Da nicht alle Landwirte immer noch billiger produzieren können, werden es immer weniger. „Das Landwirtschaftssystem muss weg vom ,fuggermäßigen Denken´, dass Kapital vermehrt, vermehrt, vermehrt wird.“ Vielmehr müsse die Politik mehr auf die Belange der Bauern eingehen. Mit Blick auf die Kommunalwahl bezeichnet der Bundesvorsitzende die Kommunalpolitiker als „wahre Helden“ und verabschiedet sich mit den Worten: „Ich bin morgen hier wieder weg, mich erwischt niemand für das, das ich hier erzählt habe“.

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