Veganer politischer Aschermittwoch

von LeserReporter Eva-Marie Springer aus Augsburg-Stadt

Isabella Hübner und Aleyna

 

Roland Wegner derbleckt Aiwanger

 

Osterhofen/Niederbayern Viel beachtet fand zum fünften Mal in Folge in Bayern der vegane politische Aschermittwoch statt. Organisator Johannes Kiermaier und Christian Vagedes haben ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm auf die Beine gestellt, durch das die Schauspielerin Isabella Hübner souverän moderierte.

Eröffnet wurde der Abend vom Tierschutztheater München mit einem Sketch über Urlaub auf dem Bauernhof, bei dem der Familie erstmals bewusst wurde, welche Realität sich hinter der Milch von  „glücklichen Kühen“  verbirgt. Die Tierärztin, Frau Dr. Kuhtz-Böhnke von Ärzte gegen Tierversuche, referierte über die leider immer noch steigenden Tierversuche in Deutschland. Sie legte dar, dass nicht nur für Medikamente, sondern für unzählige alltäglich Konsumgüter wie etwa Mineralwasser Tierversuche gemacht werden. 90% der im Tierversuch erfolgreichen Medikamente helfen dabei beim Menschen nicht. Dennoch fördert der deutsche Staat die lobbystarke Tierversuchsindustrie mit 3 Milliarden € jährlich, die alternative „In vitro“-Forschung hingegen nur mit 20 Millionen. Dabei sind die Fortschritte der Alternativen bahnbrechend: Durch Computersimulationen mit Multiorganchips, echtem Organgewebe aus dem 3-D-Drucker oder durch aus Zellen gezüchtetem Hautgewebe und den Einsatz von MRT und CT beim Menschen direkt, kann den Patienten viel besser geholfen werden, als durch Tierversuche. Der nächste Redner, Bernd Seidemann von der Tierschutzpartei betonte, dass Tiere die gleichen Rechte und Interessen wie Kinder haben und keine Pflichten und prangerte die Massentierhaltung an.

Die Tierärztin Dr. Sabine Hahn, bayerische Landesvorsitzende der V-Partei³, warb für die Podiumsdiskussion „das Ende der Milchwirtschaft“ am 6.3.2020 in Sonthofen, gefolgt von der 17-jährigen Singer-Songwriterin Aylena aus Augsburg, die mit ihren themenbezogenen Songs die Veranstaltung einrahmte und dem Applaus nach viele neue Fans gewann.

Wegner hält Aiwanger für einen geistigen Tiefflieger

Dann kam der politische Höhepunkt des Abends: Roland Wegner, Bundesvorsitzender der V-Partei³ und OB-Kandidat in Augsburg, betrat das Rednerpult. Er wies auf die lähmenden Rochaden der führenden Köpfe bei den großen Parteien hin und stellte fest, dass in den vergangenen vier Jahren sich, außer ihm selbst, nur noch Hubert Aiwanger im Amt des Parteivorsitzenden übrig sei.

Dessen Werbung für den Konsum von Leberkäse auf der Aschermittwochsrede im benachbarten Deggendorf sorgte bei Wegner für absolutes Unverständnis und führte zum Aufruf an die Mitglieder der Freien Wähler, sich doch von „CSU, CDU oder SPD“ abzuschauen, wie man diesen „geistigen Tiefflieger“ absägen kann. Der Gründer der V-Partei³ lieferte auch gleich sachliche Argumente hinterher.

Jährlich seien über 33.000 Tote in Europa durch Infizierungen mit multiresistenten Keimen zu verzeichnen. Als Hauptursache sei die Massentierhaltung unstrittig, die allein in Deutschland jährlich ca. 1.700 Tonnen Antibiotika für die Tiere eingesetzt werden, um diese an die nicht artgerechten Haltungsformen anzupassen. Über die Gülle gelangen diese multiresistenten Keime aufs Feld oder über Abwasser ins Kanalsystem und verbleiben im Oberflächenwasser. „Hubert Aiwanger stellt sich mit seinem Fleisch-Populismus auch auf die Seite der Leugner des menschgemachten Klimawandels“, rief der Augsburger OB-Kandidat dem Publikum zu und knüpfte sich zu diesem Thema auch gleich weitere Parteien vor.

„Welche Abkürzung hat drei Stellen und ist schädlich für’s Klima?“, fragte Roland Wegner provokant ins Publikum und erweiterte die erhaltene Antwort CO2 streng um die Parteibezeichnungen „CDU und CSU“, die durch ihre verfehlte Agrarpolitik für den Klimawandel mitverantwortlich seien. Das Pariser Klimaabkommen 2015 beinhalte nicht einmal die laut der Studie des World-Watch-Institutes (2009) mit sage und schreibe zu 51 Prozent an den klimaschädlichen Treibhausgasemissionen verantwortliche Massentierhaltung und sei damit nicht zielführend. „Und dann auch noch den Tierhaltern mit Millionenbeträgen für klimatisch bedingte Ernteeinbußen zu helfen, ist eine Verhöhnung der Fakten“, ging er ein letztes Mal auf Angriff auf die politischen Weichensteller.

Die Lösung sei dabei laut Roland Wegner eigentlich relativ einfach. „Wir müssen den Landwirten helfen, auf eine bio-vegane Landwirtschaft umzusteigen“ und verwies dabei auf die Agraragenda 2030 der V-Partei³.

Vegane Weißwurstkönigin gekürt

Das Catering des veganpolitischen Aschermittwochs – wen wundert's – bestand natürlich aus tierfreien Produkten. Fehlen durfte nicht der vegane Döner oder die vegane Weißwurst. Ein Seitenhieb auf die Marketingmaßnahmen der Fleischindustrie war die Idee vom Veranstalter, erstmals eine vegane Weißwurstkönigin zu küren. Stilecht im Dirndl überzeugte die Schauspielerin Jennifer Genova  aus Landshut die Jury und wird fortan in den folgenden 12 Monaten als Botschafterin für eine pflanzliche Weißwurst aktiv sein.

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