„Wohnen ist doch nichts Exotisches“: Augsburger Bürger und Politiker diskutieren bei "jetzt red i" über die hohen Mietpreise

Oberbürgermeister Kurt Gribl und Staatssekretär Florian Pronold diskutierten am Mittwoch mit Augsburgern über den Wohnungsmarkt in der Fuggerstadt

Die Fernsehsendung „Jetzt red i“ des Bayerischen Rundfunks hat am Mittwoch in Augsburg gefilmt. Thema war: „Wenn Wohnen Luxus wird – Wer stoppt die Mietpreisspirale“. Dabei war das Publikum angehalten, dem Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) sowie Staatssekretär Florian Pronold (SPD) seine Fragen und Forderungen zu stellen.Die Sitze im Saal reichen kaum für alle Besucher, ebenso wie die 45 Minuten Sendezeit nicht reichen, um alle Fragen der Augsburger zu beantworten. Besonders zum Schluss der Sendung fallen sowohl die Fragen als auch die Antworten der Politiker immer kürzer aus. Der Moderator unterbricht die Redner, die Sendung wird immer hektischer.
Doch der Reihe nach: Die Show beginnt mit Familie Herzberg aus Augsburg. Sie erzählt, ihr Vermieter habe für zwei Millionen Euro saniert und dies über einen Zeitraum von neun Jahren komplett auf die Mieter umgelegt. Die meisten Familien in dem Mehrfamilienhaus hätten ausziehen müssen, da sie sich die erhöhten Mieten nicht mehr leisten konnten. Das Ehepaar schlägt vor, die Kosten zu begrenzen, die ein Eigentümer bei der Modernisierung eines Gebäudes auf den Mieter umlegen kann.

OB Gribl nennt das Beispiel der Herzbergs, die in Zukunft wohl 20 Euro pro Quadratmeter zahlen müssten, „absurd“. Dies wäre kein Preis, den der Eigentümer durchsetzen könne, auch rechtliche Schritte könnten in Betracht gezogen werden. Der aktuelle Mietspiegel in Augsburg liege bei 7,30 Euro pro Quadratmeter, betont Gribl, bei Neubauwohnungen seien bis zu 12 Euro möglich. Eine sanierte Altbauwohnung könne aber nie mehr kosten als eine Neubauwohnung.

Auch bei den Sondierungen ein Thema

Florian Pronold nennt das Problem der Herzbergs eine „riesen Sauerei“. Die SPD habe eine Begrenzung der Modernisierungskosten bereits in den letzten Koalitionsvertrag mitaufgenommen, doch die Koalitionspartner hätten dies blockiert. Aktuell könne ein Vermieter dauerhaft elf Prozent der Sanierungskosten auf den Mieter umlegen, was viel zu hoch angelegt sei. Auch im jetzigen Sondierungspapier sei eine solche Forderung enthalten. Denkbar wäre zum Beispiel eine Senkung der Umlagehöhe auf fünf Prozent, oder eine Begrenzung der Sanierungskosten, die auf den Mieter übertragen werden dürfen, findet Pronold. Eine vernünftige Sanierung wäre jedem recht, doch die Menschen dürften „keine Angst haben, sich ihre vier Wände nicht mehr leisten zu können.“

Eine junge Frau erzählt von ihrer Wohnungssuche, die nun schon ein Jahr andauere. Sie habe vor kurzem ihre Ausbildung abgeschlossen und suche nun nach einer Zweizimmerwohnung, doch nicht einmal eine Einzimmerwohnung könne sie sich in Augsburg leisten. Sie fordert Sozialleistungen oder Wohngeld auch für junge Leute, die erst noch ins Leben starten müssen. Höchstens 500 Euro könne sie für eine Wohnung ausgeben. „Ich bin gerade überzeugt, dass ich mit 30 noch bei meiner Mama wohnen werde.“

Die Frage, was die Bundesregierung gegen das Problem tun könne, wird schließlich Florian Pronold gestellt. Er gibt an, dass der Bund die Mittel für sozialen Wohnungsbau bereits verdreifacht habe. Manche Länder, darunter auch Bayern, hätten allerdings gleichzeitig ihre eigenen Mittel halbiert. „Und dann gibt’s natürlich nicht mehr bezahlbaren Wohnraum“.

Lösungsansätze gibt es viele

Eine Augsburgerin schlägt vor, auch Unternehmen am Wohnungsmarkt zu beteiligen, zum Beispiel Großunternehmen, die sich neu ansiedeln, zu verpflichten, ein Prozent der Investitionssumme an Wohnbaugesellschaften abzugeben oder selbst Wohnungen zu bauen. Gribl weißt diesen Vorschlag ab. Augsburg solle organisch und entsprechend des Bedarfs wachsen.

Auch online können die Zuschauer mitdiskutieren. „Wohnen ist doch nichts Exotisches“ lautet hier ein Kommentar, und es fällt der Vorschlag, doch einfach in ein Gebiet zu ziehen, in dem die Wohnungen noch bezahlbar sind. Kurt Gribl argumentiert ebenfalls, dass die Antwort in der Dezentralisierung liege: Die ländlichen Gegenden und deren Lebensqualität sollten mehr erschlossen und durch bessere Infrastruktur eingebunden werden, damit „sich nicht alles konzentriert auf die Ballungsräume, die in der Infrastruktur gar nicht mehr entsprechend nachwachsen können.“ Ähnlich sieht das ein Studentenvertreter, der eine Ausweitung des Semestertickets fordert. Dadurch könnten Studenten mit einem weiteren Anfahrtsweg länger zu Hause wohnen und erst in die Stadt ziehen, wenn der Wohnungsmarkt wieder entspannter ist.

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