Region: Augsburg Stadt

AEV: Ansprechende Leistung zweimal nicht belohnt

von LeserReporter George Stadler

Dennis Miller dreht jubelnd ab: Gerade hat er sein erstes Erstligator erzielt

Wie am Sonntagnachmittag reicht auch am Dienstagabend eine ansprechende Leistung der Augsburger Billig-Truppe nicht zu Punkten. Am Sonntag hieß der Sieger im Auftaktmatch EHC RB München, der vom Etat und der Vorbereitungszeit her mit jeweils zweistelligem Vorsprung ins Spiel ging, am Dienstagabend gewann der nicht mehr ganz so geheime Geheimfavorit ERC Schwenningen im Curt-Frenzel-Stadion. Beide Matches endeten knapp mit 2:3 aus Augsburger Sicht.

Einige Clubs der DEL hatten den Sommer über geklagt, dass sie aus finanziellen Gründen niemals ohne Fans am Ligenbetrieb würden teilnehmen können. Ganz außen vor war hier nur der EHC München, dem Eigentümer Mateschitz neben dem Verpflichten von Topspielern auch eine Saisonvorbereitung ab August und mit 17 (!) Vorbereitungsspielen spendierte. Der AEV dagegen trainierte nur 21 Tage, spielte vier Freundschaftsspiele und verpflichtete fast ausschließlich junge (und günstige) Deutsche. Obendrauf gab man mit Frazier, Gill, Kosmachuck, Callahan und zuletzt auch MacNeill mehrere ausländische Profis ab. Aber die jungen Wilden  in rot-grün-weiß überraschten durchaus: In München traf Max Eisenmenger gleich bei seinem DEL-Debut zum 1:1-Ausgleich, am Dienstag durfte Dennis Miller in seinem sechsten DEL-Spiel erstmals einen eigenen Treffer bejubeln.

Auswärts in München:
Kompakte Defensive, schneller Spielaufbau und vorn Anarcho-Hockey
 

Viel mehr als die Spielpucks zum Andenken für die beiden Younster blieb den Panthern nicht, letztlich waren beide Niederlagen nach weitgehend ansprechender Leistung bitter: München kam lange mit Augsburgs Spielweise nicht zurecht - hinten stand man nicht nur kompakt und hatte mit Olivier Roy einen wie immer tadellosen Schlussmann, sondern sorgte mit klugem und schnellem Aufbauspiel für überraschende Gegenstöße, und wenn man sich im Angriffsdrittel festsetzen konnte gewann man immer wieder die Zweikämpfe und sorgte für Verkehr vor Daniel Fießinger im RB-Tor.

Der erste AEV-Treffer entstand nach einem klug getimten Chip-Pass von Marco Sternheimer, der damit Fießinger aus seinem Tor lockte, so dass ihn Max Eisenmenger frech mit langem Schläger tunneln konnte. Nach dem 1:1 in Abschnitt 1 zog München im Mitteldrittel auf 3:1 davon, jedoch belohnte Thomas Holzmann kurz vor der zweiten Pause die Leistung des gesamten Teams: Er hielt vor Fießinger die Kelle in die Flugbahn des Pucks und fälschte einen hart geschossenen Querpass von Jaro Hafenrichter unhaltbar ab. Mehr als diese beiden Tore gelangen dem Cheapo-Team beim Liga-Krösus nicht, RBM rettete den knappen Vorsprung ins Ziel.

Zuhause gegen Schwenningen:
Siegtreffer nach fünf Minuten Druck aus dem Schwarzwald

Der SERC will in der Corona-Saison nicht schon wieder auf dem angestammten Platz am Tabellenende landen und hat über den Sommer nicht nur das Stadion umgebaut, sondern auch das Team: Fast die Hälfte der Mannschaft ist neu am Neckarursprung, und auch die Männer an der Bande wurden ausgetauscht. Die beiden sind keine Unbekannten: Niklas Sundblad führte unter anderem den ERC Ingolstadt zur Meisterschaft, sein Co Gunnar Leidborg den AEV vor 25 Jahren in die 1. Liga. Das Team funktioniert: Im MagentaCup, dem Vorbereitungsturnier, wurde Schwenningen nicht von einem Gegner ausgeschalten, sondern von Corona kollektiv in Quarantäne geschickt, und das erste Spiel in Ingolstadt wurde 2:1 gewonnen. Im Tor steht mit Joacim Eriksson ein weiterer Schwede, und er vertritt Dustin Strahlmeier, die nach Wolfsburg gewechselte langjährige Nummer 1 bisher sehr gut. 

Beim Spiel im Curt-Frenzel-Stadion hielt auch Olivier Roy im Augsburger Tor lange seinen Kasten sauber, erst in der 27. Minute fiel das 1:0 für die Wild Wings durch Bourke. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, dann drehten Augsburgs Youngster auf: Marco Sternheimer passte mit der Rückhand in den Lauf von Dennis Miller, der den Puck aus kurzer Distanz ins Tor wuchtete - das erste Tor des Deutschrussen im sechsten Spiel. 

Kurios: Videobeweis nach Hohem Stock?

Es folgte eine wohl einmalige Szene, Protagonosten waren ein leicht verletzter Schwenninger, Max Eisenmenger sowie die Unparteiischen - und vielleicht MagentaTV. Das war geschehen: Ein Schwenninger lag auf dem Eis, ein Schläger hatte ihn im Gesicht getroffen. Die Schiedsrichter schickten Eisenmenger für zwei Minuten auf die Strafbank und brummten ihm dann noch einmal zwei Minuten wegen eines blutenden Cuts auf. Mittlerweile lief die Szene auf dem Videowürfel, sie wurde wiederholt und in Zeitlupe eingespielt: Für jeden ersichtlich war nicht Eisenmenger der Schuldige, sein Gegenspieler war von einem Schwenninger Schläger getroffen worden. Unruhe auf der Augsburger Bank, die Schiedsrichter beraten sich - und sprechen Eisenmenger frei. Von 2 auf 4 auf 0 - ging das mit rechten Dingen zu? Denn der Videobeweis ist im Eishockey nur bei Torszenen erlaubt, Strafen dürfen so nicht überprüft werden. Ob einer der vier ohne Blick auf den Monitor seine Kollegen auf den Fehler hingewiesen hatte oder tatsächlich die Tatsachenentscheidung illegal revidiert wurde bleibt vorerst das Géheimnis der Schieds- und Linienrichter, lange geholfen hat es dem AEV jedoch nicht: Kurz vor Ende des Mitteldrittels fiel die erneute Schwenninger Führung, und dazu benötigte der SERC kein minutenlanges Powerplay. Jamie MacQueen schlug einen weiten Pass auf Travis Turnbull, der allein auf Roy zuraste und ihn überwinden konnte.

Diesmal hielt der Vorsprung länger, erst in der 49. Minute zeigte Kapitän Brady Lamb ungewohnte Stürmerqualitäten. Der Verteidiger hatte seinen angestammten Platz an der Blauen Linie verlassen und stand letztlich genauch richtig neben dem Tor, um sich den Puck mit dem Schlittschuh vorzulegen und mit dem Schläger ins leere Tor zu bugsieren. Ihm zugute kam, dass ein Hafenrichter-Schuss in seine Richtung geprallt war und Thomas Holzmann Eriksson im Torraum behinderte - wieder Videobeweis, doch diesmal passte alles: Die Schiedsrichter berieten sich länger und kamen zur Entscheidung, dass Holzmann von einem Schwenninger in den Torraum und auf Eriksson geschoben worden war.

Es folgten bald die bittersten Minuten der zwei Spiele: Erst schnürten die Wild Wings die Panther minutenlang im eigenen Drittel ein, ohne Möglichkeit zu wechseln. Die Folge: Spielunterbrechung gab es erst, nachdem sich ein Augsburger nur noch mit einem Foul zu helfen wusste. Die zwei Minuten Unterzahl wurden durch großem Kampf schadlos überstanden, aber Schwenningen setzte sein druckvolles Powerplay auch gegen fünf Augsburger fort, bis Tylor Spink zum 3.2-Endstand traf. Es waren zwar noch gut zwei Minuten zu spielen, aber auch durch das Ersetzen von Roy durch einen zusätzlichen Angreifer gelang der erneute Ausgleich nicht.

Weihnachtspause, dann Sonntagnachmittag in Ingolstadt und gegen Nürnberg

Über die Feiertage meint es der Spielplan gut mit den Augsburger Eishockey-Familien: Erst am kommenden Sonntag steht das nächste Spiel an, um 14.30 am 27.12. gastiert der AEV beim ERC Ingolstadt. Es folgt die nächste Pause von einer Woche, dann spielen die Nürnberg Ice Tigers im Curt-Frenzel-Stadion. Spielbeginn ist wieder um 14:30 Uhr, beide Matches sind über Telekomsport zu sehen.

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