Region: Augsburg Stadt

19-Jähriger drückt glühende Zigaretten auf schlafendem Partygast in Fischach aus

von Freier Mitarbeiter Elischa Matthias Rietzler
Der 19-jährige Angeklagte, hier mit seinen Anwalt Marco Müller (links), gestand die Tat und zeigte sich während der Verhandlung reuig.

Ein 19-Jähriger aus Fischach muss sich am Augsburger Amtsgericht unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und der Verbreitung nationalsozialistischer Inhalte verantworten.

Ein damals 18-Jähriger soll Anfang des Jahres auf einer Feier in Fischach fünf Zigaretten auf einem schlafenden Partygast ausgedrückt haben. Deshalb stand er nun wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht. Das war aber nicht alles, was er sich zu Schulden kommen ließ. Er soll zudem nationalsozialistische Inhalte verbreitet haben und im Besitz von illegalen Drogen gewesen sein.

"Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen"

Der heute 19-jährige Angeklagte erschien leger gekleidet mit weißen Sneakern und Bauchtasche zum Gerichtstermin und gab sich von Beginn an zurückhaltend und schüchtern. Nachdem die vorsitzende Richterin Angela Friehoff anfängliche Probleme mit der Vorlage falscher Akten beseitigen konnte, befragte sie den Fischacher zu den vorgeworfenen Taten, die neben der Körperverletzung auch das Versenden von Videos und Bildern mit nationalsozialistischen Inhalten und den Erwerb von kleinen Mengen Marihuana beinhalteten. Auf die Frage, wie er denn auf die Idee komme, das Versenden von nationalsozialistischen Videos sei witzig, beziehungsweise warum er dies getan habe, antwortete der Angeklagte fast flüsternd: "Weiß auch nicht". Angesprochen auf die Körperverletzung gab er anschließend zu Protokoll: "Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen." Der Rechtsanwalt des Angeklagten, Marco Müller, betonte den starken Alkoholeinfluss des Täters und, dass er sich später bei seinem Opfer per Telefon entschuldigt habe.

Der Angeklagte kam mit seiner Mutter, seinem Großvater und mehreren Freunden zum Gerichtstermin. Er selbst beantwortete die Frage, wie denn seine Kindheit gewesen sei mit: "Kindheit, ganz gut eigentlich". Er habe zwei jüngere Geschwister und plane zurzeit einen neuen Beruf aufzunehmen, nachdem er seine erste Lehre abgebrochen hatte.

Wie der Angeklagte, der bereits im Vorfeld ein umfassendes Geständnis abgegeben hatte, dem Gericht erklärte, sei er Ende Januar zum Geburtstag eines Kollegen eingeladen gewesen. Dort habe er "schon gut was getrunken". Sein späteres Opfer kannte er demnach nur flüchtig. Er habe die Tat begangen, als der offenbar stark betrunkene Partyteilnehmer eingeschlafen war. Dem Schlafenden drückte er dann zwischen drei und vier Uhr morgens fünf brennende Zigaretten auf die Stirn, um diese auszudrücken und verursachte dadurch Verbrennungen bei dem Geschädigten. Anschließend steckte er ihm noch mehrere Zigarettenstummel in Mund und Nase. Freunde des 19-Jährigen fotografierten die Tat und verbreiteten sie per WhatsApp.

Die Tat wurde vom Opfer zunächst nicht zur Anzeige gebracht und erst wieder aktuell, als Handyinhalte des Täters untersucht wurden. In diesen fanden sich neben Fotos der Tat auch fünf Videos mit Hakenkreuzen, weiteren Nazi-Devotionalien und ein Bild mit dem "Führergruß" zeigenden Adolf Hitler sowie der Bemerkung, letzteres sei der richtige Hygieneabstand während der Corona-Zeit. Diese Inhalte seien in der WhatsApp-Gruppe mit dem Namen "Homos", in der neun Personen Mitglied waren, geteilt worden. Die Anklage legte ihm darüber hinaus die Beschaffung von illegalen Drogen zur Last, wobei beim Angeklagten bereits eine Vorstrafe wegen des Besitzes kleinerer Mengen von Marihuana aktenkundig ist.

Staatsanwältin Katrin Wegele hielt dem Fischacher zu gute, dass er seine Taten gestanden habe und ging von einer Reifeverzögerung des Angeklagten aus. Deswegen sei ihrer Meinung nach das Jugendstrafrecht anzuwenden. Allerdings betonte sie auch die besondere Wehrlosigkeit des Opfers in seinem stark alkoholisierten Zustand. "Alkohol entschuldigt nicht alles", betonte Wegele und forderte für den vorbestraften 19-Jährigen 80 Sozialstunden sowie zwei Wochen Dauerarrest. Zudem muss er sich über ein Jahr hinweg regelmäßig auf illegale Drogen testen lassen.

Verteidiger: "Typisch jugendliches Delikt"

Rechtsanwalt Müller stimmte zum Großteil mit der Staatsanwältin überein, betonte allerdings das "typische jugendliche Delikt", welches der "gewaltig alkoholisierte" Angeklagte verübte. Deswegen forderte er zwei Wochen Freizeitarrest, also einen Freiheitsentzug am Wochenende, anstatt eines Dauerarrestes.

Die Richterin verurteilte den jungen Mann schließlich zu 56 Arbeitsstunden, zwei Gesprächen über das Ausmaß von nationalsozialistischen Straftaten und einer regelmäßigen Drogenkontrolle. Der Angeklagte sei an sich "gut aufgewachsen" und bräuchte lediglich "einen Schuss vor den Bug", um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Richterin Friehoff appellierte außerdem an die anwesende Mutter, ihren noch zu Hause lebenden Sohn zur Einhaltung der gerichtlichen Beschlüsse anzuhalten.

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