Attacke vor der City-Galerie: 20 Faustschläge an den Kopf

Zwei junge Männer aus München mussten sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Vertreten wurden sie durch (hinten, von links) Stefan Korn und Thorsten Hauck.

Ein folgenschweres Fahrmanöver hat ein junger Münchner im November 2018 vor der Einfahrt zur Augsburger City-Galerie durchgeführt. Zwei Mal kurz nacheinander schnitt der heute 23-Jährige einem 33-Jährigen Autofahrer den Weg ab, sodass dieser gar auf die Gegenfahrbahn ausweichen musste. Als der empörte Mann daraufhin ausstieg und den jungen Fahrer zur Rede stellen wollte, kassierte der 33-Jährige einen Faustschlag ins Gesicht und ging zu Boden. Dort prasselten weitere 20 Schläge auf seinen Kopf ein. Der Angreifer ließ von seinem Opfer erst ab, als die Polizeisirene zu hören war.

Wegen Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung mussten sich nun zwei 22 und 23 Jahre alte Münchner vor einem Augsburger Schöffengericht um Vorsitzenden Richter Bernhard Kugler verantworten. Der 33-jährige Geschädigte aus Wertheim (Baden-Württemberg) erklärte vor Gericht, dass er mit seiner Verlobten und seinem 55-jährigen Vater in Augsburg war, um Trauringe abzuholen, als sich der Vorfall ereignete. Im Zeugenstand beschrieb er seinen damaligen Gemütszustand aufgrund der gefährlichen Fahrweise des Münchners als erregt und sagte zudem, dass er den Mann zur Rede stellen wollte und durchaus "etwas kräftiger" an die Scheibe der Fahrertür geklopft habe. "Und dann ging es sofort los", schilderte der 33-Jährige. Der 23 Jahre alte Münchner stieg demnach aus und brachte den Wertheimer mit einem Faustschlag ins Gesicht zu Boden. Dann soll sich der Aggressor über den Geschädigten gebeugt und ihm weitere Schläge an den Kopf verpasst haben. "Ich habe mindestens 20 Schläge abbekommen", berichtete der körperlich deutlich überlegene Mann und ergänzte: "Es könnten aber auch 30 gewesen sein."

55-Jähriger Vater: "Ich war erstmal baff und hab geglotzt"

Während der 23-Jährige auf sein Opfer einschlug, eilte ihm sein 22-Jähriger Beifahrer zu Hilfe, woraufhin auch der Beifahrer und Vater des am Boden Liegenden aus dem Auto sprang und eingriff. "Ich war erstmal baff und hab geglotzt", sagte der 55-Jährige. Als er den Beifahrer jedoch aussteigen sah, hätte er handeln müssen. Dieser soll sich neben den beiden Männern positioniert haben. "Es sah aus, als wollte er einen Ball treten", berichtete der Vater. Dann sei er dazwischen gegangen, habe einen Schlag oder Tritt ans Knie abbekommen, sodass sein Handy aus der Tasche flog und vier Meter weiter am Boden landete. Im Anschluss versuchte der über zwei Meter große 55-Jährige, der sein halbes Leben lang geboxt hatte, den Beifahrer fernzuhalten und gleichzeitig den 23-Jährigen von seinem Sohn herunter zu ziehen. Dabei bekam er einen Schlag am Hinterkopf ab und ging ebenfalls zu Boden. Als dann die Polizeisirenen näher kamen, entfernten sich die beiden Angeklagten in eine nahegelegene Einfahrt.

Die 22 und 23 Jahre alten Münchner zeigten sich von Anfang an geständig und entschuldigten sich im Gerichtssaal bei den beiden Geschädigten. An die von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Fußtritte könnten sie sich jedoch nicht erinnern. Als erstes Schmerzensgeld überreichten sie dem Anwalt der beiden Wertheimer jeweils 500 Euro. Für den 55-Jährigen sei der Schaden, den er davongetragen habe, jedoch in keiner Summe zu beziffern, denn er leidet seit diesem Vorfall an einem Tinnitus und Nervenschaden am Auge, die ihn laut ärztlichem Gutachten nun sein Leben lang begleiten werden.

Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen

Für Staatsanwältin Birgit Milzarek-Sachau galt zu klären, ob ein Fußtritt stattgefunden habe. Dies ließ sich auch nach mehreren Zeugenbefragungen nicht zweifelsfrei klären und auch die Absicht, in der der 22-Jährige Beifahrer handelte, sei unklar. Aufgrund des "außergewöhnlich brutalen Vorgehens gegen die Köpfe" forderte Milzarek-Sachau für den 23-Jährigen Fahrer eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Alles über zwei Jahren kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Da der Beifahrer damals noch Heranwachsender war sei er nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen. Bei ihm sah die Staatsanwältin eine "besondere schwere der Schuld" und fordert zwei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe.

"Da ist die Staatsanwaltschaft etwas über das Ziel hinausgeschossen", sagte Richter Bernhard Kugler, dessen Urteil weitgehend den Forderungen der Verteidigung entsprach. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung wurde der 23-jährige Münchner zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Zudem bleibt die Fahrerlaubnis weiterhin entzogen und die Wiedererteilung ist für weitere drei Monate gesperrt. Den Beifahrer verurteilte Kugler wegen vorsätzlicher Körperverletzung nach dem Jugendgerichtsgesetzt zur Absolvierung eines Anti-Aggressions-Trainings sowie einer Zahlung von 1000 Euro an den 55-jährigen Geschädigten. Die damaligen Geschehnisse bezeichnete der Richter letztlich als "einmaliges enormes Fehlversagen".

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