Gehören sie zur "Ostrava-Bande"? Junges Paar nach mehreren Einbrüchen vor Gericht

Gehören sie zu einer großen Diebesbande? Ein Paar steht nun in Augsburg vor Gericht. (Symbolbild)

Mögliche Mitglieder einer Diebesbande schlugen in der Region mehrmals zu

Ist das Paar, dass am Freitag auf der Anklagebank des Amtsgerichts Augsburg Platz nehmen musste, Teil einer tschechischen Diebesbande? Zumindest die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die 22-Jährige und der 28-Jährige, die ein gemeinsames Kind haben, zur sogenannten "Ostrava-Bande" gehören. Teilweise gemeinsam, teilweise getrennt sollen sie laut Anklage im Jahr 2019 für vier Diebstähle und einen versuchten Wohnungseinbruch in Deutschland verantwortlich sein, unter anderem in Dillingen und Aichach.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Ostrava-Bande zwischen 50 und 250 Mitgliedern haben könnte. Vor allem sei die Bande für Taschendiebstähle bekannt , erzählte vor Gericht ein Polizist. Die Bandenmitglieder entwendeten demnach häufig die Handtasche oder den Geldbeutel ihrer Opfer und versuchten daraufhin, mit der gestohlenen EC-Karte Geld abzuheben.

Zumindest einer der Fälle, die den Angeklagten zur Last gelegt werden, lief so ab. Zunächst Unbekannte klauten in einem Kaufland-Markt in Heidenheim an der Brenz in Baden-Württemberg den Geldbeutel einer etwa 70-jährigen Kundin. Sie hatte ihre Handtasche während des Einkaufs im Wagen verstaut und bemerkte erst an der Kasse den fehlenden Geldbeutel, in dem sich neben ihrer eigenen auch die EC-Karte ihrer Tochter befand, mit der sie gemeinsam einkaufte. Die Videokamera einer nahegelegenen Bankfiliale zeichnete die kurz darauf getätigten Abhebeversuche einer weiblichen und einer männlichen Person auf. Mit einer der beiden Karten waren die Diebe erfolgreich und hoben 500 Euro ab.

Beide Angeklagten stritten ab, für diese Tat verantwortlich zu sein. Insgesamt ist die 22-Jährige in vier Fällen, ihr Partner in zwei Fällen wegen schweren Bandendiebstahls beziehungsweise versuchten schweren Bandendiebstahls angeklagt. Zwei der Taten räumte die Angeklagte ein, einen Diebstahl in einem Rewe-Markt in Dillingen Ende Juli 2019, wo sie mit einer bislang unbekannten Frau die Handtasche einer älteren Kundin stahl, und einen weiteren Vorfall in einer Rewe-Filiale in Pößneck in Thüringen. Dort wurden zwei Männer und zwei Frauen dabei erwischt, wie sie mit geklauten Waren im Wert von rund 200 Euro den Supermarkt verlassen wollten. Der Angeklagte gab lediglich diese Tat zu.

Laut Staatsanwaltschaft soll die 22-Jährige noch an zwei weiteren Fällen beteiligt gewesen sein. Ebenfalls in Dillingen klauten drei Frauen, rund einen Monat nach dem Diebstahl im dortigen Rewe-Markt, 20 Sommerkleider vom Ständer einer Modegeschäfts. Und zuletzt wird die Angeklagte auch mit einem versuchten Wohnungseinbruch in Aichach in Zusammenhang gebracht, der nur wenige Tage nach dem Kleider-Diebstahl passierte.

Da die Wohnungsbesitzerin und ihre Schwester anwesend waren, konnte der Einbruch damals vereitelt werden. Als Zeugin vor Gericht konnte die Schwester der Geschädigten zwar Ähnlichkeiten zwischen der Angeklagten und einer der Einbrecherinnen erkennen, eindeutig identifizieren konnte sie die 22-Jährige allerdings nicht.

Den Zusammenhang mit der Ostrava-Bande stellten laut den Polizeibeamten der verschiedenen Tatorte Ermittler aus München her, die sich bereits seit mehreren Jahren mit verschiedenen Diebesbanden beschäftigen und die Bilder der beiden Angeklagten erkannten. Zumindest der 28-Jährige bestritt vor Gericht jegliche Verbindung zu Bandenkriminalität. "Da weiß er nichts, von einer Ostrava-Bande", erklärte sein Verteidiger. Die 22-Jährige wollte keine Angaben zu Mittätern machen.

Da mehrere Zeugen am Freitag nicht vor Gericht erschienen, unter anderem ein Beamter, der die Verbindung zur Ostrava-Bande genauer erläutern sollte, wurde das Urteil nun bis September vertagt, wenn der fehlende Zeuge und auch einer der Münchner Ermittler aussagen sollen. Die Verteidigung hatte angeboten, auch ohne die fehlenden Zeugen mit der Verhandlung fortfahren zu wollen, wenn der Vorwurf des bandenmäßigen Diebstahls fallengelassen werde. Die Staatsanwaltschaft ließ sich darauf allerdings nicht ein. Ihr sei es wichtig, dass die Mitgliedschaft in der Ostrava-Bande Teil des Urteils sei.

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