Kind vor der Bärenkellerschule gebissen und geschlagen: 43-Jähriger verurteilt

Ein 43-Jähriger wurde nun am Amtsgericht Augsburg verurteilt.

43-jähriger Vater eines Klassenkameraden muss sich vor Gericht verantworten

Vier beteiligten Kindern blieb am Montag aufgrund eines Geständnisses die Aussage am Augsburger Amtsgericht erspart, nicht jedoch dem damals 13-jährigen Opfer des Angeklagten. Wie der 43-Jährige letztendlich zugab, hatte er den Jungen im Juli 2019 vor der Augsburger Bärenkellerschule massiv angegriffen. Unter anderem schlug er mit einem Ast auf den Rücken des Kindes ein. Richter Günther Baumann verurteilte den 43-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe. Der Angeklagte muss dem verletzten Jungen außerdem ein Schmerzensgeld zahlen.

Erst nach der Aussage des 13-Jährigen, die aufgrund seines Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, gab der Angeklagte zu, dass die von der Staatsanwaltschaft geschilderten Ereignisse tatsächlich so stattgefunden hatten. Zuvor hatte der in Syrien geborene Angeklagte die Vorwürfe noch abgestritten. "Die Angaben, sagt er, sind alle falsch", übersetzte ein Dolmetscher. Der 43-Jährige erzählte, er habe den Jungen lediglich leicht geschubst, nachdem dieser und zwei weitere Klassenkameraden seinen Sohn umzingelt hätten. Seine Tochter habe ihm erzählt, dass ihr Bruder von seinen Mitschülern geschlagen worden sei. "Ich würde niemals ein Kind schlagen", behauptete der Angeklagte.

Laut Anklage kam es an einem Dienstagnachmittag im Juli vergangenen Jahres zu dem Zwischenfall an der Grund- und Mittelschule im Stadtteil Bärenkeller. Der Angeklagte habe den 13-Jährigen demnach zunächst zu Boden gestoßen und anschließend seinen Kopf mit beiden Händen gepackt und dem Jungen in die linke Wange gebissen. Als der Junge sich befreien konnte und vor dem Angeklagten davonlief, verfolgte der Mann ihn und schlug zunächst mit einem abgebrochenen Ast auf seinen Rücken ein. Als er das Kind eingeholt hatte, schlug er ihm außerdem noch mehrfach mit der flachen Hand ins Gesicht.

Auch zwei Polizeibeamte, die die Angriffe unterbinden wollten, wurden durch das aggressive Verhalten des 43-Jährigen verletzt. Er befreite sich aus dem Griff der Polizisten und ging laut Staatsanwaltschaft erneut auf den 13-Jährigen zu. Daraufhin sollte er gefesselt werden, widersetzte sich jedoch so vehement, dass er schließlich zu Boden gebracht werden musste. Ein Polizist habe dadurch eine Schnittverletzung, ein anderer Abschürfungen erlitten.

Nach der Aussage des 13-Jährigen räumte der Angeklagte doch alle Vorwürfe über seinen Verteidiger ein. Der Junge habe laut Richter Baumann glaubhaft und "überzeugend geschildert, dass die Taten so passiert sind, wie von der Staatsanwaltschaft vorgetragen".

Nur dem Geständnis habe er es zu verdanken, dass die Strafe gegen den 43-Jährigen, der als Hilfsarbeiter auf einer Baustelle arbeitet und vier Kinder hat, noch auf Bewährung ausgesetzt werden könne, sagte die Staatsanwaltschaft vor der Urteilsverkündung. Denn der Angeklagte ist bereits zweifach wegen Körperverletzung beziehungsweise versuchter Körperverletzung vorbestraft. Der letzte Fall ereignete sich im Jahr 2016.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung, zusätzlich zu dem von dem Nebenkläger geforderten Schmerzensgeld von 2000 Euro. Der Angeklagte habe den Jungen "brutal geschlagen", betonte die Nebenklägervertreterin. Der 13-Jährige habe tagelang Kopfschmerzen gehabt, außerdem habe er eine bleibende Narbe unter dem Auge.

Der Verteidiger des 43-Jährigen plädierte auf eine kürzere Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Er glaube der Aussage des 13-Jährigen "nicht so ganz", dass dem Zwischenfall keine Auseinandersetzung mit dem Sohn des Angeklagten vorausgegangen sei, betonte er. Man müsse deshalb auch den besonderen Erregungszustand des Angeklagten bedenken. Das Schmerzensgeld von 2000 Euro sei jedoch angemessen.

"Auch ein spätes Geständnis ist ein Geständnis", betonte Richter Baumann schließlich in seiner Urteilsverkündung. Der Angeklagte habe so immerhin den anderen Kindern die Aussage erspart, unter anderem auch seinem eigenen Sohn, der sonst "gegen den eigenen Vater hätte aussagen müssen". Allerdings sei der Angeklagte auch "kein unbeschriebenes Blatt Papier", schließlich habe er bereits zwei Eintragungen wegen Körperverletzung. Für die vorsätzliche Körperverletzung sah Baumann eine Freiheitsstrafe von acht Monaten als angemessen an. Unter Einbeziehung der Widerstandshandlungen gegen die Polizisten verurteilte er den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und 2000 Euro Schmerzensgeld. Das Urteil ist rechtskräftig.

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