Region: Augsburg Stadt

Der Königsplatz-Prozess ist beendet: Haupttäter muss nach tödlichem Schlag in Haft

Unter großem Medieninteresse fiel nun am Augsburger Landgericht ein Urteil.

Der 17-Jährige, der einen Augsburger im Dezember mit einem Schlag getötet hat, wurde nun verurteilt.

Das Urteil im Augsburger Königsplatz-Prozess ist gefallen: Gefasst reagierte der Hauptangeklagte am Augsburger Landgericht, als der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch ihn für den Faustschlag, der zum Tod eines 49-Jährigen führte, und den anschließenden Angriff auf dessen 51-jährigen Begleiter zu einer Jugendhaftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilte. Die beiden weiteren Angeklagten, die sich ausschließlich für den Angriff auf den 51-Jährigen zu verantworten hatten, erhielten Bewährungsstrafen.

Das Schöffengericht sah es nach sieben Verhandlungstagen als erwiesen an, dass der Hauptangeklagte den tödlichen Schlag im vergangenen Dezember nahe des Augsburger Königsplatzes ausgeführt hatte, und dass diesem hätte bewusst sein müssen, dass ein derart starker Schlag gegen den Kopf sein Opfer töten könnte. Die Tat an sich hatte der 17-Jährige bereits zugegeben. Die nun verhängte Haftstrafe für den Jugendlichen war laut Hoesch "unumgänglich, aber auch ausreichend".

Die Beweisfindung im Prozess hatte sich, trotz zahlreicher geladener Zeugen, auch stark auf Videoaufnahmen vom Tatabend gestützt. Unter anderem stammten diese von Überwachungskameras, die die Polizei an dem Augsburger Verkehrsknotenpunkt im Jahr 2018 installiert hatte. Hoesch startete seine Urteilsbegründung deshalb mit einem Plädoyer für die Videoüberwachung. Nicht oft könnten Tatgeschehen so schnell und zweifelsfrei aufgeklärt werden, betonte der Richter.

Aufgrund der Videos wurde etwa noch während der Ermittlungen klar, dass die Jugendlichen am Nikolausabend zwar in einer größeren Gruppe unterwegs waren, aber nicht alle Gruppenmitglieder direkt an den Angriffen beteiligt waren. Gegen vier Jugendliche, die sich zunächst ebenfalls in Untersuchungshaft befanden, wurden die Verfahren deshalb eingestellt. Sie sagten als Zeugen aus.

Wohl auch aufgrund der Videos unterschied sich die endgültige Darstellung des Gerichts, wie der Vorfall abgelaufen sein muss, kaum von den Schilderungen in der Anklageschrift. Die Gruppe Jugendlicher hatte sich in dieser Nacht zum Feiern getroffen. Man wollte durch die Straßen ziehen, "herumblödeln", mutmaßte Hoesch. Die Videos und Zeugenaussagen hätten aber auch gezeigt, dass es bei der Gruppe keine "nach außen gerichtete Aggressivität" gab. Die Aufzeichnungen vom Königsplatz zeigten laut Hoesch "eine eher ruhige Gruppe junger Männer."

Die späteren Opfer liefen schließlich an der Gruppe vorbei, einer der Jugendlichen fragte nach einer Zigarette. Die Situation eskalierte schnell. Dass der Jugendliche höflich nach der Zigarette gefragt hatte, glaubte das Gericht dem Zeugen nicht. Es habe sich wohl eher um eine provokative Fragestellung gehandelt. Der 49-Jährige ging mit erhobenem Zeigefinger auf den jungen Mann zu, es kam zu einer kurzen Diskussion, dann schubste er den Jugendlichen, der da bereits zurückwich. Der Hauptangeklagte griff den den Erwachsenen daraufhin mit einem heftigen Faustschlag auf das Kinn völlig unvermittelt an, der 49-Jährige ging tödlich verletzt zu Boden. Durch die schnelle Rotation des Kopfes war seine Hirngrundschlagader gerissen.

Das Video zeige, dass der Vorfall wohl nicht ganz so abgelaufen war, wie vielleicht von der Nebenklage erwünscht, so Hoesch. Eindeutig war für das Gericht aber auch, dass der Haupttäter nicht handelte, um seinen Bekannten zu beschützen. Verteidiger Marco Müller hatte im Bezug auf die gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert, da dieser aus Notwehr gehandelt habe. Für die gefährliche Körperverletzung an dem 51-Jährigen beantragte Müller eine Bewährungsstrafe. "Eine Nothilfesituation lag in dieser Zeit allerdings überhaupt nicht vor", betonte Lenart Hoesch. Es sei deutlich zu erkennen, dass die ursprüngliche Auseinandersetzung nach dem Schubser beendet war.

Vielmehr habe der 17-Jährige wohl spontan eine Möglichkeit erkannt, einen anderen Menschen massiv anzugehen. Der Angeklagte zeige eine latente Aggressivität, die sich auch darin äußerte, dass er, als der 49-Jährige bereits am Boden lag, mit den weiteren Angeklagten auch noch auf den 51-Jährigen losging. Auch dieser hatte zuvor einen Jugendlichen gestoßen. Durch einen Schlag ins Gesicht erlitt der Begleiter des Getöteten eine dreifache Fraktur des Jochbeins.

Anwältin Isabel Kratzer-Ceylan, die die Witwe des Getöteten als Nebenklägerin vertrat, war zufrieden mit der Urteilsbegründung. Wichtig sei gewesen, dass den Aussagen aus dem "unerträglichen Plädoyer" der Verteidigung widersprochen wurde. Diese hätte mit dem Hinweis auf Notwehr versucht, das Opfer zum Täter zu machen. Klar sei, "dass meine Mandantin sich natürlich eine härtere Strafe gewünscht hätte", so Kratzer-Ceylan.

Ein Mitangeklagter wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Zugute kam ihm, dass er bereits einige Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte. Dem dritten Angeklagten halfen die Videoaufnahmen: Diese zeigten, dass er zwar versucht hatte, den 51-Jährigen zu schlagen, diesen aber nicht traf. Dies lasse auch eine "mindere Intensität der Vorgehensweise vermuten", so Hoesch. Die Entscheidung über eine Strafe wurde bei ihm zur Bewährung ausgesetzt. Dabei handelt es sich um eine Besonderheit des Jugendstrafrechts; sollte sich der Angeklagte noch einmal etwas zu Schulden kommen lassen, wird er für die nun verhandelte Tat ebenfalls belangt.

Die Verteidigung des Haupttäters zeigte sich vom Strafmaß wenig überrascht. Er werde nun mit seinem Mandanten und dessen Eltern beraten, ob gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt werden sollen, kündigte Müller an.

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