Leiter einer Augsburger Kampfsportschule wegen sexuellen Übergriffs auf Schülerin verurteilt

(Symbolbild)

Ein Augsburger Kampfkunsttrainer ist am Amtsgericht wegen eines schweren sexuellen Übergriffs auf eine Schülerin verurteilt worden.

Der Leiter eines Augsburger Kampfsportstudios ist am Mittwoch am Amtsgericht unter anderem wegen eines schweren sexuellen Übergriffs auf eine 23-jährige Schülerin verurteilt worden. Die Tat ereignete sich im Sommer 2019 während eines Intensivlehrgangs in einem Hotel in der Türkei. Eine der Auflagen für die Bewährungsstrafe des 52-Jährigen ist, dass er keine Frauen und Kinder mehr trainieren darf.

Im Vorfeld an die Gerichtsverhandlung hatten sich die Verteidigung, die Staatsanwaltschaft und das Schöffengericht um den Vorsitzenden Richter Dominik Wagner bereits in einem Rechtsgespräch geeinigt, dass der Kampfkunsttrainer mit einer Bewährungsstrafe rechnen könne, wenn er ein vollumfängliches Geständnis abgebe und der Geschädigten damit eine Aussage erspare.

Die 23-Jährige, die als Nebenklägerin nicht persönlich erschien, habe mit einer Bewährungsstrafe auch kein Problem, sagte ihre Vertreterin vor Gericht. Ihr sei vor allem wichtig, dass ihr Glauben geschenkt werde und das Gericht bestätige, dass der Vorfall eine Grenzüberschreitung ihres Trainers darstellte.

Zwar wurde dieser nun wegen mehrerer Straftaten verurteilt, am schwersten wog allerdings der Übergriff auf die 23-Jährige während eines Intensivlehrgangs in der Türkei. Er habe seine Schülerin zunächst durch erheblichen Druck und unter einem Vorwand überzeugt, nachts in sein Zimmer zu kommen. Dort habe er sie dann dazu gebracht, sich zu ihm aufs Bett zu setzen, um sich auf seinem Laptop Bilder eines Lehrgangs anzusehen.

Um 22 Uhr wollte die Geschädigte wieder gehen, doch der Angeklagte schaffte es erneut, sie zum Bleiben zu bewegen. Im Bett begann er, die 23-Jährige zu berühren. Obwohl sie sagte, dass sie das nicht wolle, berührte er sie nach einer kurzen Pause erneut zwischen den Beinen, am Hals und am Gesicht, versuchte sie zu küssen und öffnete ihren BH. Schließlich machte die 23-Jährige deutlich, dass sie das Zimmer nun verlassen wolle, woraufhin der 52-Jährige sie an ihr Zimmer begleitete und sie anwies, ihrer Zimmernachbarin nichts von dem Vorfall zu erzählen.

Ein "manipulatives Spinnennetz gewoben"

Wie die Polizistin, die die 23-Jährige zu dem Fall vernommen hatte, am Mittwoch als Zeugin erzählte, hatte die Geschädigte nicht sofort Anzeige erstattet. Nach einem persönlichen Gespräch habe die 23-Jährige vorerst den Eindruck gehabt, dass dem 52-Jährigen sein Fehler bewusst war. Erst als ihr in späteren Gesprächen mit dem nun Angeklagten und mit ihrem eigentlichen Trainer der Eindruck vermittelt worden sei, dass eigentlich gar nichts Schlimmes passiert sei, habe sie sich an eine Anwältin gewandt.

Der Angeklagte habe geschickt ein "manipulatives Spinnennetz gewoben", warf die Nebenklägervertreterin dem 52-Jährigen vor. Zunächst hatte er die 23-Jährige, die in einer Außenstelle des Augsburger Kampfsportstudios trainierte, wohl auf Fotos bemerkt, die auf der Website des Studios verwendet werden sollten. Als Dank für die Fotos soll er der Schülerin ein Einzeltraining in Augsburg "geschenkt" haben. Auch dieses Training ist Bestandteil der Anklage, denn im Rahmen des Trainings wies er die 23-Jährige an, ihr T-Shirt auszuziehen und vor ihm auf und ab zu springen, was diese auch tat.

Nach dem Einzeltraining habe er begonnen, die Geschädigte regelmäßig per WhatsApp oder Telefon zu kontaktieren. Die Gespräche seien schließlich auch sexuell geworden. Wenn die 23-Jährige ihm zu verstehen gab, dass ihr das unangenehm war, habe er ihr vorgeworfen, dass sie verklemmt sei und ihm nicht vertraue. Da sie nach einem Jahr im Ausland trotz ihrer Sorgen weiter trainieren wollte, wandte sich die 23-Jährige an ihren Trainer, der ihr riet, das ganze noch einmal mit dem Leiter der Kampfschule zu klären. In diesem Gespräch überzeugte der Angeklagte sie, dass sie sich alles eingebildet hatte und es ihm nur um den Sport gegangen sei. Daraufhin beteiligte sie sich auch an dem Intensivtraining in der Türkei.

Dass der Angeklagte bereits vor dem Übergriff mehrere Monate lang Druck auf seine Schülerin ausgeübt hatte, hielt ihm die Staatsanwaltschaft besonders zu Lasten. Er habe seine Machtposition als "Großmeister" und das Vertrauensverhältnis ausgenutzt. Dass eine Bewährungsstrafe möglich sei, liege an dem Geständnis, das der Geschädigten eine unangenehme Befragung erspart habe, und auch daran, dass der Kampfkunstlehrer durch die Strafverfolgung bereits erhebliche Einschränkungen hinnehmen musste, so Richter Dominik Wagner. Mit dem Kampfsportunterricht sei dem Angeklagten die wirtschaftliche Grundlage weggebrochen.

Der 52-Jährige wurde schließlich zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Als Bewährungsauflagen muss er der Geschädigten ein Schmerzensgeld von 1440 Euro zahlen, 160 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und eine Sexualtherapie machen. Außerdem darf er keine Frauen und keine Minderjährigen trainieren. Für einen Fall von Körperverletzung an einer anderen Schülerin und den unerlaubten Besitz einer Waffe, die der Angeklagte im Studio aufbewahrte, muss er außerdem eine Geldstrafe zahlen.

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