Rassistischer Polizist zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt

Wegen Beleidigung und Volksverhetzung stand ein Polizist vor dem Augsburger Amtsgericht.

Wegen Rassismus-Vorwürfen stand seit der vergangenen Woche ein Polizist vor dem Augsburger Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen Volksverhetzung, Beleidigung und Sachbeschädigung vor. Er soll im August des vergangenen Jahres in einem Augsburger Café rassistische Beleidigungen gebrüllt, einen Gast verbal angegriffen und in der Toilette randaliert haben. Nun hat das Gericht ein Urteil gefällt.

Der Vorfall ereignete sich am 15. August 2019 in einem Café am Rathausplatz. Der alkoholisierte Angeklagte soll zunächst einen 21-Jährigen angepöbelt haben, weil, wie der 44-Jährige befand, dessen neongrüne Schuhe nicht zum Rest der Kleidung passten. Schließlich, so die Anklage, habe er den jungen Mann noch als "Schwuchtel" bezeichnet. Im Anschluss soll der Polizist, der an diesem Abend privat unterwegs war, eine dunkelhäutige Frau beleidigt haben. Es sollen Aussagen wie "Drecks Schwarzafrikaner" und "Alle Schwarzafrikaner sind scheiße" gefallen sein.

Als andere Gäste des Café schließlich damit drohten, die Polizei zu rufen, zückte der 44-Jährige selbst seinen Dienstausweis. Sie sollten die Polizisten ruhig rufen, er hätte von seinen Kollegen ohnehin nichts zu befürchten, soll er dabei gesagt haben. Als die verständigten Kollegen jedoch eintrafen, erteilten sie dem Angeklagten einen Platzverweis. Diesen missachtete der Mann. Er kam nach kurzer Zeit in das Café zurück, pöbelte weiter und soll in der Toilette mit einem Sprung die Trennwände zwischen den Kabinen aus der Wand gerissen haben.

Vor Gericht gab sich der Polizist in der vergangenen Woche reumütig. Er räumte die Beleidigung gegen den 21-Jährigen ein, könne sich aber an den Abend sonst nur vage erinnern. Wie sein Verteidiger zu Protokoll gab, sei der 44-Jährige Alkoholiker, mittlerweile allerdings trocken. Der Angeklagte betonte, wie leid ihm sein Verhalten tue. Er schäme sich und wolle sich bei allen Beteiligten entschuldigen.

Nicht das erste Mal auffällig geworden

Dem Polizisten drohte als Beamter bereits ab einer Strafe von einem Jahr, auch wenn diese zur Bewährung ausgesetzt wird, die Entlassung. Auch eine geringere Strafe hat in solchen Fällen ein Disziplinarverfahren zur Folge. Zumal der Angeklagte bereits in der Vergangenheit wegen ähnlicher Vorwürfe angezeigt wurde. Vor zehn Jahren beschimpfte er zwei junge Polizeianwärter, die aus Russland und der Türkei stammten, als "Kanaken" und "Scheißrussen" und erklärte ihnen, dass die Polizei "nur echte deutsche Leute" brauche. Im Nachhinein entschuldigte er sich, die beiden jungen Polizisten zogen die Anzeige jedoch nicht zurück. Das Verfahren wurde allerdings wegen geringer Schuld eingestellt.

Nicht so jedoch im aktuellen Fall. Das Augsburger Amtsgericht verurteilte den 44-Jährigen am Freitag zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und einer Geldauflage von 3000 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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