Schlägerei auf der Maxstraße: Zwei Frauen verurteilt

Bis zuletzt uneinsichtig: Die beiden Angeklagten (links) in Begleitung von einer Vertreterin der Jugendgerichtshilfe erwarten das Urteil.

Die Polizei hatte es im Sommer vergangenen Jahres mit einer aufgebrachten Menschenmenge von bis zu 30 Personen zu tun. Nun mussten sich zwei junge Frauen vor Gericht wegen Widerstands gegen die Polizei verantworten.

Die Angeklagten sind schick gekleidet und geschminkt, die Haare zu einem ordentlichen Pferdeschwanz gebunden. Die 23 und 21 Jahre alten Frauen sollen auf Polizeibeamte losgegangen sein, im Detail lautet die Anklage Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gemeinschaftliche körperliche Misshandlung sowie Beleidigung.

Die Angeklagten erscheinen ohne Anwalt und werden lediglich von einer Vertreterin der Jugendgerichtshilfe unterstützt. Dennoch haben sie viel zu den ihnen zur Last gelegten Taten zu sagen. Am 10. August 2019 waren sie in einem Club in der Maximilianstraße feiern und gegen 3.30 Uhr in einen Großeinsatz der Polizei verwickelt. Als die Frauen aus dem Club kamen, hätten sie einen großen Menschenauflauf vorgefunden, der auf eine Gruppenschlägerei zurückzuführen gewesen sei. Die Polizei versuchte die Lage zu klären und fesselte einen Bekannten der Angeklagten.

Der Gefesselte hätte sich laut der 21-Jährigen lautstark über die zu engen Handschellen beschwert, woraufhin die beiden Frauen versuchten, ihm zu helfen. So kamen sie in Kontakt mit den Beamten. An diesem Punkt der Ausführungen schreitet Richterin Oelbermann rigide ein: „Denken Sie, das ist so leicht für die Polizei, wenn sie um halb vier da hinkommen und lauter Besoffene da sind?“ Doch die 21-Jährige lässt sich nicht beirren und beharrt auf ihrer Sichtweise, dass insbesondere die vorgeworfenen körperlichen Angriffe gegen die Polizisten nicht der Wahrheit entsprächen. Auch die ihr vorgeworfenen Beleidigungen, welche sie gegen die Polizisten gerichtet haben soll, seien nicht so schlimm wie dargestellt. Die 23-Jährige meint: „Wir haben die Polizisten nicht geschlagen“ und verweist darauf, dass sie ihren Bekannten beschützen wollten.

Anschließend beschreiben sechs Polizisten als Zeugen die Geschehnisse in der Nacht. Sie schildern die Situation auf der Maximilianstraße als „pure Aggression“, in der sich eine Menschenmenge von 20 bis 30 Personen, in der Folge einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen, gegen die Polizei solidarisiert hätte. „Als Polizei hätten wir verloren gehabt“, sagt ein 22-jähriger Beamter. Auch ein erfahrener Kollege beschreibt die Lage als Ausnahmesituation, die er in seinen 40 Dienstjahren noch nie erlebt hätte. Innerhalb dieses übergeordneten Einsatzes hätten sich nun die beiden Frauen hochaggressiv gegenüber den Polizisten verhalten und diese sogar mit den flachen Händen geschlagen. Die ansonsten mit versteinerter Miene dasitzenden Angeklagten schütteln bei der Erwähnung des körperlichen Angriffes vehement den Kopf.

Als der erste Zeuge seine Aussage beendet, fragt die Richterin die Angeklagten, ob sie nicht noch etwas zu dem Polizisten sagen wollen und legt damit eine Entschuldigung nahe. „Nö“, sagt daraufhin die jüngere der Beiden und gibt erst nach erneuter Aufforderung eine zögerliche Entschuldigung ab.

Der von dem Angriff betroffene Polizist gibt an, dass die 21-Jährige mit der flachen Hand auf seine Arme geschlagen habe, auch wenn es „nicht so weh getan“ hätte. Von anderen Unbeteiligten seien die Beamten als „Frauenschläger“ bezeichnet worden, da sie, wie sie selbst erklären, mit Teleskopschlagstöcken versucht hätten, die zwei Angeklagten „wegzuschieben“. Verwertbares Videomaterial von dem Polizeieinsatz gibt es nicht. Obwohl elf Polizisten im Einsatz gewesen sein sollen, habe keiner von ihnen die Bodycam eingeschaltet.

Die Staatsanwaltschaft fordert aufgrund der für sie eindeutigen Beweislage und der ausführlichen Zeugenaussagen der sechs Polizisten schließlich acht Monate Haft und eine Geldstrafe für die 23-jährige Angeklagte und einen Dauerarrest von vier Wochen inklusive Geldstrafe für die Jüngere.

Richterin Oelbermann verurteilt die 21-Jährige nach Jugendstrafrecht zu einer Woche Dauerarrest und einer Geldstrafe von 600 Euro. Die 23-jährige Angeklagte muss eine Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung und eine Geldstrafe hinnehmen, wobei beide zusätzlich die Kosten des Verfahrens tragen.

„Ich glaube den Polizeibeamten“, stellt die Richterin klar und fordert mehr Verständnis für die Polizisten ein. Das Strafmindestmaß und die Aussetzung der Haftstrafe auf Bewährung erklärt Oelbermann mit den geordneten Verhältnissen, aus denen die Angeklagten kommen und sagt: „Ich glaube, sie sind beide anständige Mädle“. Die Angeklagten, die bis zuletzt auf ihrer Darstellung der Ereignisse beharren, wirken zwar vom Urteil zermürbt, akzeptieren es jedoch.

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