Tödliche Attacke am Kö: Angeklagte räumen Tat vor Gericht ein

Großer Medienandrang im Landgericht: Gerichtssprecher Christian Grimmeisen beantwortet vor dem Gerichtssaal Fragen von Journalisten.

Vor dem Augsburger Landgericht hat der Prozess gegen den Jugendlichen begonnen, der am Nikolaustag im vergangenen Jahr am Augsburger Königsplatz einen Mann mit einem Fausthieb erschlagen haben soll.

Dem 17-Jährigen wird unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Mitangeklagt sind zwei Freunde des Jugendlichen. Der Fall hatte bundesweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Unmittelbar nach der Tat hatte es viele Unstimmigkeiten über den Ablauf gegeben. Dazu hatte beispielsweise auch der damalige Kripochef beigetragen, der in einer Pressekonferenz erklärte, das Opfer sei von mehreren Tätern "umringt" worden. Die Gruppe, in der die drei Angeklagten unterwegs waren, bestand aus insgesamt sieben jungen Männern – größtenteils mit Migrationshintergrund, was nach der Tat in den Sozialen Medien von zahlreichen rechten Kommentatoren instrumentalisiert wurde. Der getötete 49-Jährige war Mitglied der Berufsfeuerwehr und war am Tag der Tat in Begleitung seiner Frau und eines befreundeten Paares auf dem Rückweg von einem privaten Weihnachtsmarktbesuch. Der Freund des Getöteten wurde ebenfalls attackiert und schwer verletzt.

Auslöser der Tat soll die Frage nach einer Zigarette gewesen sein. Einer der sieben Jugendlichen fragte laut Anklageschrift die späteren Opfer, die bereits an der Gruppe vorbeigelaufen waren, nach der Zigarette, was – nachdem die beiden Männer zur Gruppe der Jugendlichen zurückgelaufen waren – in eine zunächst verbale Auseinandersetzung mündete.

49-Jähriger starb an Hirnblutung

Als einer der Jugendlichen vom späteren Opfer zu Boden geschubst worden war und die kurze Streitigkeit eigentlich beendet schien, attackierte – so die Anklageschrift – der Angeschuldigte den seitlich von ihm stehenden 49-Jährigen "völlig unvermittelt, für diesen gänzlich überraschend und versetzte diesem ohne rechtfertigenden Grund einen gezielten und derart wuchtigen Schlag mit der Faust gegen die linke Gesichtshälfte auf Höhe des Kinns, dass der Kopf des Tatopfers in solch hoher Geschwindigkeit in einer Rotationsbewegung nach rechts schnellte, dass die Hirngrundschlagader einriss". Der Mann war bereits tot, als die Rettungskräfte eintrafen.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte hätte "erkennen können und müssen", dass sein Opfer infolge des massiven Faustschlags gegen den Kopf sterben könnte. Ihm sei es bei dem Schlag darauf angekommen, den Geschädigten massiv zu verletzen.

In der Folge des Schlags kam es zu einer Schubserei zwischen dem Freund des 49-Jährigen und einem der Jugendlichen. Die Angeschuldigten hätten dann, so die Staatsanwaltschaft, den Entschluss gefasst, nun gemeinsam den Freund des 49-Jährigen zu verprügeln. "In Umsetzung dieses Tatplans versetzten die Angeschuldigten dem Geschädigten diverse Schläge und Tritte gegen den Körper", so die Anklageschrift. Das Opfer erlitt durch die Attacken insbesondere einen Jochbeinbruch, eine Platzwunde am linken Auge, eine Prellung am Oberschenkel sowie erhebliche Schmerzen und bedurfte einer stationären Behandlung im Uniklinikum Augsburg.

Angeklagte seien zum Zeitpunkt der Tat betrunken gewesen

Am ersten Prozesstag räumten alle Angeklagten die Vorwürfe grundsätzlich ein. Teilweise sprachen sie von Aggressionen von Seiten des Feuerwehrmannes. Auch der Haupttäter übernahm die Verantwortung, gab aber an, er hätte seinen Freund beschützen wollen. "Ich habe nicht glauben können, dass der eine Schlag tödlich gewesen sei", verlas Verteidiger Marco Müller die Erklärung seines Mandanten. Ihm sei es nie darum gegangen, einen Menschen zu töten. Es tue ihm "sehr leid".

Zudem sprachen die Angeklagten, die vor Gericht ihre Sicht der Tat schilderten, von teilweisen Erinnerungslücken aufgrund von Alkoholisierung. Alle gaben an, am Tatabend sehr betrunken gewesen zu sein.

Freund des Todesopfers leidet bis heute an Folgen der Attacke

Der 51-jährige Freund des Todesopfers erklärte vor Gericht, er leide bis heute an den Folgen des Abends. Seine linke Gesichtshälfte sei immer noch teilweise taub. Er habe auch immer wieder schlaflose Nächte.

Am Kö sei damals alles sehr schnell gegangen. Er habe nur gehört, wie jemand nach einer Zigarette gefragt habe, sein Freund sei umgekehrt, es habe ein kurzes Wortgefecht gegeben und einen Schubser. Dann sei sein Freund zusammengesackt. Den Schlag habe er nicht gesehen.

Er habe schließlich jemanden weggeschubst, dann sei auf ihn eingeschlagen worden.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgeführt. Insgesamt sind acht Verhandlungstage angesetzt. (lat/jaf)

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