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Tödliche Attacke am Königsplatz: 17-Jähriger zu Haftstrafe verurteilt

Gedenkstätte am Königsplatz für das Opfer des Totschlags.

Im Prozess um die tödliche Attacke am Königsplatz ist am Freitagvormittag das Urteil gefallen. Die Jugendkammer des Augsburger Landgerichts verurteilte den 17-jährigen Hauptangeklagten zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Gemeinsam mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar besuchte im Dezember ein 49-jähriger Feuerwehrmann den Augsburger Christkindlesmarkt. Als sie auf dem Heimweg am Königsplatz auf sieben junge Männer trafen, entwickelte sich zunächst ein verbaler Streit, ehe der 17-Jährige den 49-Jährigen gegen den Kopf schlug, woraufhin dieser zu Boden ging und reglos liegen blieb. Auch der 50-jährige Begleiter des 49-Jährigen wurde vom Hauptangeklagten und zwei weiteren Angeklagten geschlagen und dabei massiv im Gesicht verletzt.

Ursprünglich hatte Verteidiger Marco Müller für den 17-Jährigen wegen der Attacke auf den Begleiter des Getöteten eine Bewährungsstrafe gefordert. Für den tödlichen Schlag auf den 49-jährigen Feuerwehrmann aus dem Landkreis Augsburg sei sein Mandant nicht zu bestrafen, denn er habe aus Notwehr gehandelt. Denn wie der Hauptangeklagte vor Gericht aussagte, wollte er lediglich seinem Freund helfen, der von dem 49-Jährigen geschubst wurde.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag für den 17-Jährigen sechs Jahre Haft beantragt. Für die beiden 18- und 20-jährigen Mitangeklagten forderte Staatsanwalt Michael Nißl eine Bewährungsstrafe.

Der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch und das Schöffengericht verurteilten den Hauptangeklagten nach dem Jugendstrafrecht wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe in Höhe von vier Jahren und sechs Monaten.

Anwältin der Witwe bezeichnet Plädoyer der Verteidigung als "unerträglich"

In der Urteilsbegründung ging das Gericht davon aus, dass keine Notwehrsituation bestand und der Täter wissen musste, dass ein so starker Schlag zum Tod führen könnte. Anwältin Isabel Kratzer-Ceylan, die die Witwe des Getöteten als Nebenklägerin vertrat, war zufrieden mit der Urteilsbegründung, insbesondere dass den Aussagen aus dem "unerträglichen Plädoyer" der Verteidigung, das das Opfer zum Täter machen sollte, widersprochen wurde.

Einer der beiden Mitangeklagten wurde zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Beim dritten Angeklagten, der den 50-Jährigen schlagen wollte aber nicht traf und sich im Anschluss selbst bei der Polizei gestellt hatte, wurde die Entscheidung über eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Das ist eine Besonderheit des Jugendstrafrechts; sollte sich der Jugendliche noch einmal etwas zu Schulden kommen lassen, dann wird er für die Tat, die nun verhandelt wurde, ebenfalls belangt.

Die Verteidigung sei vom Strafmaß nicht überrascht gewesen. Müller werde mit seinem Mandanten und dessen Eltern beraten, ob gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt werden. (pb/lat)

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