Region: Augsburg Stadt

Verteidiger fordert Bewährungsstrafe für Kö-Schläger

Gedenkstätte am Königsplatz für das Opfer des Totschlags.

Der Prozess um die tödliche Attacke auf einen Feuerwehrmann auf dem Augsburger Königsplatz neigt sich dem Ende zu. Am Donnerstag standen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklägervertretern und Verteidigung an. Staatsanwalt Michael Nißl forderte für den 17-jährigen Haupttäter sechs Jahre Haft nach dem Jugendstrafrecht und für die beiden Mitangeklagten eine Bewährungsstrafe.

Am Nikolaustag des vergangenen Jahres liefen zwei befreundete Ehepaare nach dem Besuch des Christkindlesmarktes Richtung Königsplatz, wo sie dann auf eine Gruppe von sieben Jugendlichen trafen und mit diesen zunächst verbal in Streit gerieten. Wie die Überwachungsvideos des Königsplatzes vor Gericht zeigten, ging ein 49-jähriger Mann auf einen der jungen Männer zu und positionierte sich mit erhobenem Zeigefinger vor ihm. Schließlich stieß er sein Gegenüber zurück. Dann versetzte der 17-jährige Hauptangeklagte dem Mann einen massiven Faustschlag gegen den Kopf, woraufhin der 49-jährige zu Boden ging und regungslos liegen blieb.

Anschließend schlug der Angeklagte gemeinsam mit einem Freund aus der Gruppe "mit maximaler Aggressivität", wie es die Staatsanwaltschaft beschrieb, auf den 50-jährigen Begleiter des 49-Jährigen ein, sodass dessen "linke Gesichtshälfte zertrümmert wurde", wie es in einem ärztlichen Gutachten hieß. Bis heute hat der 50-Jährige Metallplatten im Gesicht, die die gebrochenen Knochen zusammenhalten.

Für Staatsanwalt Michael Nißl galt es, in dem Verfahren die zentrale Frage zu klären, warum der Angeklagte so massiv auf den Mann eingeschlagen hat. Die Aussage des 17-Jährigen, dass dieser lediglich seinen Freund verteidigen wollte, hielt Nißl für "offenkundigen Käse". Die Antwort auf die Frage finde sich laut den Ausführungen des Staatsanwaltes in dem psychologischen Gutachten des 17-Jährigen.

Auf die Frage, wer sein Idol sei, antwortete der Hauptangeklagte: "Ich bin mein Idol." Nach Monaten der Untersuchungshaft und der Reflexion sei das das Ergebnis, echauffierte sich Nißl und ergänzte: "Das ist doch der Hammer." Weiterhin erklärte ein Gutachter, dass der Angeklagte nach Dominanz strebe. Darin sah Nißl die eigentliche Motivation des Angeklagten. Er wollte dem Opfer seine Grenzen aufzeigen, klar machen, dass niemand seinen Freund einfach herumstoße. Auch die Aussage "Ihr seid kleine Wichtigtuer, ich habe schon einen totgeschlagen" gegenüber anderen Häftlingen in der JVA, bestätigte laut Nißl seine Theorie, dass der Heranwachsende gern dominant sein wolle.

Für Verteidiger Marco Müller interpretierte der Staatsanwalt zu viel in die Aussagen des jungen Mannes hinein. "Ich habe auch kein Idol, ich lebe nach meinen Werten und Vorstellungen und das wollte der Angeklagte aussagen", führte Müller aus. Außerdem sah der Verteidiger in dem Stoß des 49-Jährigen den "Auftakt eines Angriffs auf einen der Jugendlichen". Man wisse nicht, wie das Opfer im weiteren Verlauf gehandelt hätte, wenn es den Faustschlag nicht gegeben hätte. Der Angeklagte hätte im Bruchteil einer Sekunde entscheiden müssen und habe seinem Freund helfen wollen. Zudem hätte der Feuerwehrmann gegenüber den Jugendlichen "eine gewisse Aggressivität an den Tag gelegt". Man müsse sich die Frage stellen, ob diese Nothilfemaßnahme geeignet war. "Ich meine ja", erklärte Müller und führte weiter aus, dass am Amtsgericht Faustschläge regelmäßig mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen bestraft würden. Daher sei sein Mandant für den tödlichen Schlag nicht zu bestrafen, da dieser aus Notwehr gehandelt habe. Für die Attacke auf den Begleiter beantragte Müller eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung.

In seinen letzten Worten entschuldigte sich der 17-Jährige für das Geschehene und wünschte der Familie des Getöteten viel Kraft. Die Staatsanwaltschaft beantragte für den jungen Mann eine Haftstrafe von sechs Jahren. Für die beiden 18- und 20-jährigen Nißl eine Bewährungsstrafe. Für einen der Beiden soll die Strafe ein Jahr und vier Monate, ausgesetzt zur Bewährung, betragen, beim Anderen, der den 50-Jährigen schlagen wollte aber nicht traf und sich im Anschluss selbst bei der Polizei gestellt hatte, soll die Entscheidung über eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Das ist eine Besonderheit des Jugendstrafrechts; sollte sich der Jugendliche noch einmal etwas zu Schulden kommen lassen, dann wird er für die Tat, die nun verhandelt wurde, ebenfalls belangt.

Das Urteil im Königsplatz-Prozess fällt das Augsburger Landgericht am heutigen Freitag.

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