Weiteres Urteil in der Friedhofsaffäre

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Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung wegen Betrugs und Unterschlagung verurteilt.

Ein weiterer Teil der Verhandlungen in der sogenannten "Friedhofsaffäre" ist nun abgeschlossen. Ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung der Stadt Augsburg, der im Jahr 2015 auf dem Nordfriedhof tätig war, wurde am Montag von einem Schöffengericht zu einer Geldstrafe von insgesamt 4050 Euro verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig, anders als die Urteile gegen drei seiner ehemaligen Kollegen und einen Steinmetz, die bereits im Juni vergangenen Jahres zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden. Da die Männer Berufung einlegten, wird über die ihnen vorgeworfenen Fälle von Betrug und Unterschlagung wohl am Landgericht erneut verhandelt werden.

Die Verhandlung gegen den nun verurteilten Grabmacher sowie den ehemaligen Leiter der Nordfriedhofs waren im vergangenen Jahr abgetrennt worden, da die vier restlichen Angeklagten übereinstimmend ausgesagt hatten, dass die ersten beiden über die verbotenen Geschäfte, die von 2012 bis 2015 stattgefunden haben sollen, nicht Bescheid wussten. In der Anklageschrift gegen die zunächst sechs Angeklagten ging es laut Vorwürfen der Staatsanwaltschaft um mehrere Fälle von gemeinschaftlichem Betrug, Unterschlagung und versuchter Unterschlagung.

Während ihrer Arbeitszeit sollen die Friedhofsmitarbeiter unter anderem Grabauflösungen für Privatleute angeboten haben und die dafür verlangten Gebühren von bis zu 350 Euro in die eigene Tasche gesteckt haben. Insgesamt listete die Staatsanwaltschaft 13 solcher Fälle auf. Durch die Grabräumungen verdienten die Männer demnach insgesamt 2170 Euro. In acht Fällen sollen die Friedhofsmitarbeiter zusätzlich die Grabsteine und Grabumrandungen der aufgelösten Gräber, die für gewöhnlich zur Entsorgung in einem Kieswerk abgegeben werden, als gebrauchte Grabsteine weiterverkauft und den Erlös ebenfalls untereinander aufgeteilt haben.

Der ebenfalls angeklagte Steinmetz hatte laut Überzeugung von Richterin Ulrike Ebel-Scheufele die so durchgeführten Grabräumungen der Stadt Augsburg in Rechnung gestellt, obwohl in Wahrheit die Friedhofsmitarbeiter die Arbeiten ausgeführt hatten. Der Steinmetz habe stattdessen Reparaturarbeiten an Gräbern durchgeführt, die die übrigen Angeklagten durch ihre Arbeiten verursacht hatten. Ebel-Scheufele verurteilte die vier Männer als Vorsitzende am Schöffengericht des Amtsgerichts Augsburg letztendlich zu Bewährungsstrafen zwischen neun und 21 Monaten, Geldauflagen zwischen 2000 und 4000 Euro und Schadenersatz. Ob der Berufung der Angeklagten stattgegeben wird und eine weitere Verhandlung am Landgericht stattfinden muss, steht noch nicht fest.

Der ehemalige Leiter des Friedhofs wurde zwischenzeitlich freigesprochen. Nicht nur die Verteidiger, sondern auch die Staatsanwaltschaft waren sich bei der Verhandlung im Oktober 2019 schließlich einig, dass die Vorwürfe nicht haltbar seien, dieser habe von den Machenschaften seiner Mitarbeiter gewusst und habe diese gedeckt oder sogar unterstützt.

Abgeschlossen ist der Fall nun auch für den heute 31-Jährigen, der laut Einschätzung der Staatsanwaltschaft wohl "das kleinste Licht" in der Friedhofsaffäre war. Der Grabmacher hatte sich in einem Fall im Juni 2015 an einer der Grabräumungen beteiligt. 250 Euro nahmen die Mitarbeiter damals ein. Insgesamt fanden die Taten wohl zwischen 2012 und 2015 statt. Der 31-Jährige hatte seine Beteiligung vollumfänglich gestanden und ist nicht vorbestraft. Dies werteten die Staatsanwaltschaft und das Schöffengericht am Montag zu seinen Gunsten. Durch das Geständnis habe er dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart. Außerdem liege die Tat inzwischen auch schon eine längere Zeit zurück, merkte die Ebel-Scheufele an.

Das Gericht folgte deshalb der Forderung der Verteidigung, die Geldstrafe für den Angeklagten auf 90 Tagessätze von jeweils 45 Euro zu beschränken. Damit erhält der 31-Jährige keine Eintragung im Zentralregister und sein Arbeitsplatz sei somit nicht gefährdet, so die Vorsitzende Richterin. Allerdings rügte sie den Grabmacher auch noch einmal: Wie seine Kollegen habe er das Vertrauensverhältnis zur Stadt Augsburg als Arbeitgeber im Jahr 2015 übel ausgenutzt.

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