Region: Augsburg Stadt

„Zoom-Bombing“: Massive Störung des Online-Unterrichts einer Schule – Hausdurchsuchung bei 21-jährigem Augsburger

Die Zentralstellstelle Cybercrime Bayern ermittelt wegen massiver Störung des Online-Unterrichts in einer Schule im Unterallgäu nun gegen einen Augsburger.

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern, eingerichtet bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, ermittelt wegen massiver Störung des Online-Unterrichts in einer Schule im Unterallgäu gegen einen Augsburger.

Eine Mittelschule im Unterallgäu hatte in der vergangenen Woche Anzeige bei der Kriminalpolizeiinspektion Memmingen erstattet, nachdem sich ein Unbekannter mit Unterstützung eines Schülers unberechtigt Zugang zum Online-Unterricht einer 9. Klasse verschafft hatte. "Dort störte er den laufenden Unterricht mehrfach massiv mit lauter Musik, Gesängen, Zwischenrufen und Provokationen gegenüber den Lehrern, so dass ein geregelter Unterricht nicht mehr möglich war", berichtet die Polizei.

Stör-Aktion auf YouTube veröffentlicht

Die Aufzeichnungen dieser Aktionen seien dann in zusammengeschnittener Form auf einem YouTube-Kanal veröffentlicht worden, wobei die unerlaubt gefertigten Aufnahmen der betroffenen Lehrer gezeigt wurden. "Durch akribische Auswertung der auf dem YouTube-Kanal veröffentlichten Inhalte" sei es den Beamten des Fachkommissariats Cybercrime der Inspektion Memmingen gelungen, als mutmaßlich Verantwortlichen einen 21-Jährigen aus Augsburg zu ermitteln, der über den YouTube-Kanal regemäßig ähnliche Videos verbreitet habe. "Dabei forderte er seine Zuschauer auf, ihm auch weiterhin Zugangsdaten zu Online-Unterrichtsstunden zuzusenden", erklärt die Polizei.

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern, die Ermittlungsverfahren wegen Störungen von Online-Unterricht zentral im Freistaat bearbeitet, erwirkte in der Folge einen Dursuchungsbeschluss für die Wohnung des Beschuldigten in Augsburg. Dieser wurde nun am Mittwoch vollzogen. Es seien Computer und Mobiltelefone des jungen Manns sichergestellt worden, die jetzt ausgewertet werden.

Auch gegen 14-jährigen Schüler wird ermittelt

Gegen den 21-Jährigen wird nun wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes in mehreren Fällen ermittelt. Das Gesetz sieht hierfür Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Auch den 14-jährigen Schüler der neunten Klasse, der dem 21-Jährigen durch die Weitergabe der Zugangsdaten die Einwahl in den Online-Unterricht ermöglicht haben soll, erwarte nun ein Jugendstrafverfahren, zumindest wegen Beihilfe. Auch sein Smartphone sei sichergestellt worden.

Die Polizei resümiert : "Der Fall zeigt, dass die Grenze vom harmlosen Schülerstreich zur ernsten Straftat schnell überschritten ist. Wegen der überragenden Bedeutung des Online-Unterrichts in Pandemiezeiten werden entsprechende Fälle von der Zentralstelle Cybercrime Bayern und den bayerischen Polizeidienststellen sehr ernst genommen und mit Nachdruck verfolgt, was der schnelle Ermittlungserfolg in Schwaben beweist." (pm)

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