Schlechte Prognose für den Augsburger Arbeitsmarkt

Auch 2021 werden die Arbeitslosenzahlen in Augsburg wohl weiter ansteigen. (Symbolbild)

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung rechnet mit Pandemie-Folgen bis 2022

Die Stadt Augsburg spricht nach der Auswertung der Arbeitsmarktzahlen von 2010 bis 2019 eigentlich von einer "positiven Gesamtentwicklung". Doch für die Jahre 2020 und 2021 prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schlechtere Zeiten. Die Corona-Pandemie hinterlasse laut Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), "negative Spuren auf dem Arbeitsmarkt".

Das Amt für Statistik und Stadtforschung hat nun die Beschäftigungsentwicklung der vergangenen zehn Jahre analysiert. Das Fazit: In fast allen Bereichen habe sich eine positive Entwicklung gezeigt. So sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Augsburger zwischen dem 30. Juni 2010 und dem 30. Juni 2019 um 36 Prozent auf 123 488 angestiegen. Dies sei insbesondere deshalb "umso bemerkenswerter", weil sich im gleichen Zeitraum die erwerbsfähige Bevölkerung nur um 13 Prozent erhöht habe. Insgesamt sanken die Arbeitslosenzahlen seit 2010 um 25 Prozent auf 7886 arbeitslos gemeldete Augsburger.

Allerdings wird wohl im gesamten Bezirk der Arbeitsagentur Augsburg, zu dem auch das Augsburger und das Wittelsbacher Land gehören, wohl in diesem Jahr um durchschnittlich 29 Prozent ansteigen. Das sagt das IAB in seiner Herbstprognose für ein "mittleres Konjunkturszenario" voraus. Auch im Jahr 2021 werden die Erwerbslosenzahlen laut den Experten in diesem Szenario weiter steigen, und zwar um weitere 4,1 Prozent.

"2020 und 2021 werden wir einen seit über zehn Jahren nicht mehr gesehenen Anstieg der Arbeitslosigkeit erleben", meint Bertram Brossardt. Bei einer schlechteren Entwicklung, dem Negativszenario der IAB-Prognose, könnten die Zahlen noch deutlich schlechter ausfallen, statt 700 könnten im kommenden Jahr rund 2300 zusätzliche Menschen ihre Arbeit verlieren. "Das bereitet uns Sorge", sagt Brossardt. "Und noch ist das weitere Pandemie-Geschehen völlig offen. Der derzeitige teilweise Lockdown ist in den Zahlen noch nicht abgebildet."

Laut Prognose sinkt die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Region Augsburg 2020 auf rund 263 200 Personen. Im Jahresdurchschnitt 2021 soll die Beschäftigung mit 265 900 Personen wieder um ein Prozent beziehungsweise um 2700 Personen höher liegen. „Der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre hat coronabedingt ein jähes Ende genommen", erklärt Brossardt. "Im kommenden Jahr zeigen die Prognosen aber bereits wieder eine Erholung an." Dennoch nehme die Arbeitslosigkeit im Arbeitsagenturbezirk Augsburg zunächst noch einmal zu. Man rechne bei der IAB frühestens 2022 damit, dass Vorkrisenniveau wieder zu erreichen. Die VBW sieht neben der Pandemie auch den industriellen Strukturwandel sowie außenwirtschaftliche Risiken mit Sorge.

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