Schwäbische Wirtschaft auf "Erholungskurs": Unternehmen bewerten Lage wieder positiver

Die IHK Schwaben hat erneut über die Auswirkungen des Coronavirus für die regionale Wirtschaft informiert.

Unternehmen aus Industrie und Handel bewerten ihre Lage deutlich besser als im Frühjahr

Nach einem deutlichen Absturz der Konjunktur im Frühjahr ist der IHK-Konjunkturindex für Schwaben im Herbst wieder angestiegen. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) hervor. Der IHK-Vorstand sieht die schwäbische Wirtschaft damit wieder "klar auf Erholungskurs".

Rund 1000 Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben beteiligten sich an der aktuellen Konjunkturumfrage. Die Teilnehmer schätzten ihre Geschäftslage dabei insgesamt positiver ein als im Frühjahr. Nach der Auswertung der ersten Konjunkturumfrage nach Einführung der Corona-Gegenmaßnahmen sprach die IHK damals von einem dramatischen Absturz. Der Konjunkturindex fiel von 118 auf 84 Punkte und lag damit nur noch sieben Punkte über dem Tiefwert der Finanzkrise im Jahr 2009.

Im Herbst stieg der Wert nun wieder auf 109 Punkte an. "Das zeigt, dass sich der Großteil der Unternehmen erfolgreich gegen die Krise stemmt und zurück in der Spur ist, auch dank staatlicher Hilfen", meint IHK-Präsident Andreas Kopton. Der Konjunkturindex spiegelt wieder, wie Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen und wie optimistisch sie in die Zukunft blicken. Mit einem Wert von 109 liege man zwar noch immer weit unter den 118 des Vorjahres, doch die Kammer sieht trotzdem Grund zur Hoffnung. Denn nachdem der Index im Frühjahr den steilsten Fall im Betrachtungszeitraum von 20 Jahren verzeichnete, kam es nun im Herbst wiederum zum steilsten Anstieg im gleichen Zeitraum. „Das zeigt, dass sich die Wirtschaft schneller erholt als 2009 nach der Finanzmarktkrise“, sagt Kopton.

Laut der Umfrage bewerten inzwischen 38 Prozent der Unternehmen die aktuelle Geschäftslage als gut. 23 Prozent der Unternehmen geben an, bereits zur Geschäftstätigkeit vor Ausbruch der Corona-Krise zurückgekehrt zu sein. Weitere 20 Prozent erwarten, dass sie bis zur zweiten Jahreshälfte 2021 zu ihrem Vor-Corona-Niveau zurückkehren werden. Auch die zunächst befürchtete Insolvenzwelle sei dank zahlreicher Unterstützungsmaßnahmen der Politik bislang ausgeblieben, so Kopton. Aktuell beurteilen 52 Prozent der Unternehmen ihren Liquiditätsstatus als gut, im Mai waren es noch zehn Prozentpunkte weniger.

„Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Lockdown viele tausend Unternehmen in Bayerisch-Schwaben in akute Insolvenzgefahr gebracht hat und wir weiter um jedes einzelne kämpfen müssen“, betont Kopton aber auch. Acht Prozent der Unternehmen bezeichnen ihren Liquiditätsstatus nach wie vor als schlecht, zwei Prozent als existenzbedrohend. Immerhin zeigt sich aber auch hier bereits eine Verbesserung im Vergleich zum Frühjahr: Damals bezeichnete noch 16 Prozent der Unternehmen ihren Liquiditätsstatus als schlecht, fünf Prozent sahen die Existenz ihres Unternehmens bedroht.

Trotz des positiven Trends variieren die Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage je nach Branche stark. Besonders die Bauwirtschaft spürt die Auswirkungen der Corona-Krise bislang kaum. Für viele andere Unternehmen ist der Blick in die Zukunft dagegen mit großen Unsicherheiten verbunden - so etwa im Reise- und Gastgewerbe, das die Pandemie besonders hart getroffen hat. 79 Prozent der Unternehmen erwarten hier, dass der diesjährige Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent fallen wird. Im Durchschnitt der IHK-Branchen glauben dies 40 Prozent, im Baugewerbe lediglich fünf Prozent. Auch die Industrie, die bereits vor der Krise auf eine Rezession zusteuerte, litt unter den Corona-Beschränkungen. In allen Bereichen zeige sich eine verminderte Bereitschaft zu investieren oder neues Personal einzustellen.

Im Vergleich zum Vorjahr sehen deutlich mehr Unternehmen in der fehlenden Inlandsnachfrage ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten. 62 Prozent der Unternehmen bereitet die Nachfrage aus Deutschland nun Sorgen, verglichen mit 47 Prozent im Herbst 2019. Der Fachkräftemangel verlor dagegen in der Einschätzung der Unternehmen etwas an Bedeutung. Nur noch 41 Prozent sehen darin nun ein Problem, im vergangenen Jahr waren es 57 Prozent. (lat)

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