Augsburger Friedensfest: Programm zum Thema „Rituale“ beginnt am Dienstag

Ein Tanz-Theater von Baba Murah und Candomblé Berlin eröffnet das Programm zum Friedensfest. Die Gruppe zeigt ein Reinigungs- und Heilungs-Ritual der afro-brasilianischen Candomblé Religion.

Eröffnung am 30. Juni im Annahof. Weniger Veranstaltungen, angepasste Formate, flexible Handhabung und ein paar Verschiebungen machen es möglich.

Die mit der Pandemie einhergehenden Beschränkungen ab März 2020 treffen die Vorbereitungen des Friedensfest Programms mit voller Wucht und machen verbindliche Planungen unmöglich oder sehr kompliziert. Alle Großveranstaltungen des Sommers fallen aus und damit auch die beliebte Friedenstafel am 8. August auf dem Rathausplatz, die jedes Jahr den Abschluss des Friedensfest-Kulturprogramms darstellt. Was tun? Alles andere auch aufgeben?

Seit März hat das Friedensbüro mit seinen Kooperationspartnern daran gearbeitet, wenigstens einen Teil der Veranstaltungen zum Friedensfest mit dem Thema „Rituale“ zu realisieren. Und tatsächlich: Mit vereinten Kräften von Veranstaltern, Stadtverwaltung und Sponsoren ist es gelungen, ein ansehnliches Programm zusammenzustellen, das an die aktuell notwenigen Vorgaben angepasst ist. Theater, Gespräche, Vorträge, Kunst und Aktionen im öffentlichen Raum laden ab Anfang Juli dazu ein, das Thema „Rituale“ in der Friedensstadt Augsburg zu erleben und zu durchleuchten. Ob mit Blick auf Sehnsuchtsorte und Weltreligionen, beim Befragen von Orakelkarten und beim Musizieren, in der Küche, der Konfliktforschung, der Politik. Ob in der Friedensbewegung oder im Fußballstadion.

Rituale gibt es in allen Gesellschaften, in allen Gruppen und Familien und auch allein werden Rituale praktiziert. Inwiefern beeinflussen sie unser Leben und unseren Alltag? Was sind überhaupt Rituale? Was unterscheidet sie von (überkommenen) Bräuchen und Regeln, von Routinen, Zeremonien oder Etikette? Was drücken sie aus? Sind sie ein Hindernis oder schweißen sie Gemeinschaften erst richtig zusammen? Dem allen will das Friedensfest-Programm an mehreren Orten in Augsburg nachspüren – drinnen und draußen. Zum Beispiel auf der „Sommerbühne im Annahof“, in Kirchen, Gärten, Innenhöfen und im Netz.

Eröffnung am 30. Juni im Annahof

Eröffnet wird das Friedensfest am 30. Juni auf der Sommerbühne im Annahof mit einem Tanz-Theater von Baba Murah und Candomblé Berlin. Die Gruppe zeigt ab 20 Uhr ein Reinigungs- und Heilungs-Ritual der afro-brasilianischen Candomblé Religion. Oberbürgermeisterin Eva Weber spricht ein Grußwort zur Eröffnung.

Mit „Freie Szenen“ setzt sich ein Gemeinschaftsprojekt der freien Theaterszene aus dem vergangenen Jahr fort. Unter dem Titel „zeitfenster“ performen die Ensemblemitglieder von Faks-Theater, Christian „Beppo“ Peters, Bluespots Productions und Performic Szenencollagen vor den Fenstern der Augsburger. Wer sich mit seinem Zuhause noch als Spielort bewerben möchte, wendet sich an das Friedensbüro (friedensstadt[at]augsburg[dot]de). Aufführungen finden am 4. und 5. Juli und auf Anfrage auch später statt.

Beim Kooperationsformat des Friedensbüros „DenkRaum“ mit der vhs Augsburg, Evangelisches Forum Annahof und Jüdisches Museum Augsburg Schwaben ist am Montag, 6. Juli, 20 Uhr die Historikerin und Ritual-Expertin Professor Barbara Stollberg-Rillinger im Augustana Saal zu Gast. Sie erhielt 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse und den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. Die Rektorin am Berliner Wissenschaftskolleg lehrt an der Uni Münster.

Vom 21. Juli bis zum 8. August entsteht das inzwischen achte großformatige Wandgemälde im öffentlichen Raum innerhalb des Friedensfest Kulturprogramms. Das Mural-Projekt ist eine Kooperation des Friedensbüros mit dem Verein „Die Bunten“. Über 20 Künstler haben sich in diesem Jahr mit ihren Entwürfen beworben. Das ausgewählte Bild zum Thema „Rituale“ von Eva Krusche und Vera Daffner ziert künftig eine Hauswand der Wohnbaugruppe Augsburg (WBG) und zwar in der Reichenbergstraße 50.

Der Stadtjugendring beteiligt sich ab Ende Juli mit mehreren Programmen und Aktionen: Über eine digitale Mitmachaktion entsteht zum Beispiel eine Collage, die sich mit Ritualen des Friedens befasst. Es gibt einen Workshop zur Frage, wie Rituale das Leben prägen. Eine Online-Videokonferenz bringt junge Leute ins Gespräch, die unterschiedliche religiöse Rituale kennen.

Vor 75 Jahren wurden in Augsburg Bettlaken aus den Fenstern gehängt. Wieso? Darum und um andere Rituale des Friedens geht es am 23. Juli im Hofgarten bei dem Gespräch „Die weiße Fahne“ mit Wolfgang Krauß von der Mennonitengemeinde.

Das Festival der Kulturen findet am Freitag und Samstag, 24. und 25. Juli, in einer gekürzten und veränderten Version statt. Es gibt zum einen Live-Konzerte von Meşk, Harrycane Orchestra und Wang Li und zum anderen einige Video-Vorführungen. Zum Beispiel die filmische Dokumentation von Proben der spanischen Sängerin und Multiinstrumentalistin Mercedes Peon und dem Streicherensemble der Augsburger Philharmoniker unter der Leitung von Tom Jahn für das Festival der Kulturen 2021. Hier treffen galizischer Neo-Folk auf Pop, Punk, Jazz und Klassik.

Das Online-Dinner „Welcome home in (y)our kitchen“ hinterfragt und erprobt Rituale der Gastlichkeit am 28. Juli, 19 Uhr. Erwin Schletterer vom Verein Brücke hat mit „Immer wieder...“ sieben internationale, zum Teil ausgezeichnete Kurzfilme zum Thema Rituale zusammengestellt, zu sehen am 28. Juli, 20 Uhr, im Kino Mephisto. Die Peace Summer School 2020 der Alumni und Studierenden der Konfliktforschung Augsburg umfasst vom 31. Juli bis 2. August Vorträge und praxisorientierte Seminare, zum Beispiel zu Ritualen in Friedensprozessen.

Die Autorin, Forscherin und Rednerin Silke Helfrich untersucht in der Reihe „In Common“ Rituale eines zukünftigen Miteinanders (1. bis 3. August). Die Musikvermittlungs-Online-Reihe „Fräulein Tönchens Musikkoffer“ gibt eine Sonder-Edition heraus, bei der es darum geht, welchen Ritualen Musiker in ihrer Praxis folgen. Am 4. August sind Bischof Bertram Meier und Abbé Felix Quédraogo aus Burkina Faso im Austausch über Rituale in zwei unterschiedlichen kirchlichen Traditionen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede laden ein, voneinander zu lernen. Ein Livestream vom Fanprojekt Augsburg des Stadtjugendrings am 5. August befasst sich mit Ritualen in Fußballstadien – aus soziologischer Perspektive und mit Einblicken in die echte Augsburger Fanszene.

Die Schweizerin Jaqueline Straub will ritualisierte Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen ändern. Sie möchte als Priesterin an den Altar der Katholischen Kirche, obwohl diese die Weihe nur für männliche Anwärter vorsieht. Der Interreligiöse Frauendialog des Friedensbüros mit der Gleichstellungsstelle und Volkshochschule der Stadt Augsburg findet am 6. August auf der Sommerbühne im Annahof statt.

Rund um den Feiertag: Traditionelle Veranstaltungen und situationsbedingte Änderungen

Neben den genannten und weiteren Veranstaltungen finden auch einige Klassiker des Friedensfest-Programms wie das Multireligiöse Friedensgebet am 7. August und die Gottesdienste am 8. August statt. Als Großveranstaltung musste die Friedenstafel abgesagt werden. Doch in kleinerem Rahmen wird Oberbürgermeisterin Eva Weber auf der Sommerbühne im Annahof ein Grußwort zum Feiertag sprechen und die Vertreter der in Augsburg ansässigen Religionsgemeinschaften die Friedensgrüße übermitteln.

Tickets: Rechtzeitig über die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen informieren

Für diese wie für alle anderen Veranstaltungen gelten die jeweils erforderlichen und zu dem Zeitpunkt gültigen Hygienevorschriften und Zugangsbegrenzungen. Für alle Veranstaltungen im Annahof wird eine Eintrittskarte benötigt, auch wenn die Veranstaltungen kostenlos sind. Für die die Sommerbühne gibt es die Tickets nur im Vorverkauf unter www.sommerbuehne-annahof.reservix.de/events oder über die telefonische Ticket-Hotline: 0180/670 07 33. Für alle anderen Veranstaltungen ebenfalls unter Reservix oder nach Anmeldungen bei den jeweiligen Veranstaltern. Es gibt keine Abendkasse.

Änderungen sind möglich

Das Programmheft gibt es digital als PDF und als Printausgabe. Möglicherweise sind kontinuierliche Anpassungen an die jeweils geltende Lage erforderlich. Es kann sein, dass Veranstaltungen spontan hinzukommen und andere wegfallen müssen. Die aktualisierten Informationen zum Programm stehen auf der Webseite im Online-Veranstaltungskalender: www.friedensstadt-augsburg.de. (pm)

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