Staatstheater im Minus: Bilanz offenbart 1,8 Millionen Euro Defizit

Nach einer Stadtratsentscheidung hat das Augsburger Staatstheater endlich Sicherheit, wie es mit der Sanierung des Großen Hauses weitergehen soll. Weniger sicher ist aktuell, wann wieder ein normaler Spielbetrieb in den Interimsspielstätten möglich sein wird.

Das Augsburger Staatstheater hat in der vergangenen Spielzeit ein Defizit von 1,8 Millionen Euro erwirtschaftet.

Nach einer schwierigen Saison hat das Staatstheater Augsburg nun seine Bilanz für die vergangene Spielzeit veröffentlicht – und musste von einem hohen Defizit berichten. Nach drei Monaten, in denen die Spielstätten des Theaters komplett geschlossen waren, hat das Staatstheater in diesem Jahr ein Minus von rund 1,8 Millionen Euro erwirtschaftet.

In der nun beendeten Spielzeit besuchten demnach insgesamt nur 118 000 Menschen eine Vorführung des Staatstheaters. Damit habe man nur 62 Prozent der Besucherzahl der Vorjahre erreicht und aufgrund der Corona-Pandemie Einbußen von fast 40 Prozent zu verzeichnen gehabt.

Das Theater betont, dass die Bilanz unter normalen Umständen wohl deutlich positiver ausgefallen wäre. Betrachte man die Bilanz zweigeteilt, unterscheide also zwischen der Zeit vor und nach der coronabedingten Schließung, so habe sich in der ersten Hälfte der Spielzeit durchaus ein positiver Trend gezeigt. Bis Ende Februar hatten laut Bilanz 91 000 Menschen das Augsburger Theater besucht. Das seien rund 5000 Besucher mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.

Mit den Corona-Maßnahmen im März begann dann aber für das Theater, wie für viele andere Branchen, eine schwierige Zeit. Zwar habe man "als eines von wenigen Theatern" bereits im März alternative Angebote im digitalen Bereich konzipiert, so etwa Inszenierungen für Virtual-Reality-Brillen, die unter dem Titel "VR-Theater@Home" direkt in Augsburger Wohnungen geliefert wurden. Doch auch diese Konzepte konnten die massiven Verluste aus dem regulären Vorstellungsbetrieb nicht überbrücken.

Ab Mitte Juni bot das Staatstheater wieder öffentliche Vorstellungen und Konzerte unter einem Sicherheitskonzept an. Das Publikum habe die Veranstaltungen auf der Freilichtbühne am Roten Tor, auf dem "Kunstrasen" im Martini-Park und im Kongress am Park "sehr dankbar" angenommen, resümiert das Staatstheater.

Auf der Freilichtbühne zeigte das Staatstheater heuer die aufgrund der Corona-Beschränkungen kurzfristig konzipierte Musical-Gala "The Show Must Go On" sowie das Konzert "Auf goldenen Flügeln" der Augsburger Philharmoniker. Auf der neuen Freilichtbühne im Martini-Park hätten Konzerte, Lesungen, Theaterstücke und Ballettvorstellungen guten Zuspruch erfahren. An beiden Spielorten sei die Auslastung mit über 80 Prozent gut gewesen, obwohl der Kartenverkauf zunächst nur langsam in Schwung gekommen sei. Im Juli habe der Kartenverkauf aber angezogen, sodass schließlich zahlreiche Vorstellungen ausverkauft waren.

Insgesamt hätten seit dem Lockdown Mitte März rund 23 000 Theaterfreunde Vorstellungen des Theaters erlebt. Dazu zählt das Theater allerdings auch Zuschauer, die die kostenlosen digitalen Angebote des Staatstheaters nutzten, etwa den Streaming-Service oder das "Wünsch dir was"-Projekt. Insgesamt zählte das Staatstheater 5600 Nutzer seines Digitalangebots. Die Vorführungen über die VR-Brille bestellten rund 1000 Theaterkunden. In der kommenden Spielzeit, die im September startet, will das Staatstheater das virtuelle Theater weiterentwickeln und ein tragfähiges Konzept für eine "fünfte, digitale Sparte des Hauses" neben Schauspiel, Musiktheater, Ballett und Konzert entwickeln.

Die beliebtesten Inszenierungen der Spielzeit vor dem Beginn der Corona-Maßnahmen waren der "Tatort Augsburg", die Deutsche Erstaufführung der Tragikomödie "Luzid" und die Ballett-Produktion "Made For Two", bei denen jeweils alle Vorstellungen ausverkauft waren.

Trotz aller kreativen Ideen zum Umgang mit der Corona-Krise: Zu einem positiven Abschluss kam die Saison mit einem millionenhohen Minus nicht. Auch für die kommende Spielzeit, die unter dem Motto "Eigensein" steht, rechnet die Theaterleitung weiterhin mit einer Beeinträchtigung des Spielbetriebs und mit geringen Einnahmen. Eine Prognose, wie stark sich die Corona-Pandemie auch in den kommenden zehn Monaten noch auf die Einnahmen des Staatstheaters auswirken wird, sei bislang nicht möglich.

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