Architekturstudent der Hochschule Augsburg für seine „fliegende Stadt“ geehrt

Als Tragsystem für seine Idee einer „fliegenden Stadt“ sieht Christian Rapp einen Heliumballon vor. Es handelt sich um ein Hängesystem, das alle Bauteile auf Zug belastet. Dadurch könnten die tragenden Bauteile sehr dünn und leicht gestaltet werden.

Christian Rapp ist für seine Masterarbeit an der Hochschule Augsburg bei einem der bedeutendsten Architekturwettbewerbe geehrt worden. Sein Konzept zeigt Utopien für das „Berlin in 50 Jahren“.

Christian Rapp ist Absolvent des Masterstudiengangs Architektur an der Hochschule Augsburg und erhielt kürzlich für seine Abschlussarbeit „Die fliegende Stadt“ den Schinkel-Preis in der Fachsparte Architektur. Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) hat den Förderwettbewerb AIV-Schinkel-Wettbewerb für junge Leute bis 35 Jahre ausgelobt, um mit mehr Mut Ideen und Utopien für das „Berlin in 50 Jahren“ zu kreieren.

„Dieses Jahr blicken wir nicht nur auf 100 Jahre Groß-Berlin zurück, sondern schauen in die Zukunft, um Szenarien zu entwickeln, die aufzeigen, welche Weichen wir schon heute für die Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg stellen müssen“, sagt Eva Krapf, Vorsitzende des AIV-Schinkel-Ausschusses.

Aufgabe war es, auf dem Siedlungsstrahl Berlin – Karow – Buch – Panketal – Bernau an Entwürfen für ausgewählte Orte aufzuzeigen, wie sich die absehbaren Veränderungen von Umwelt und Gesellschaft stadträumlich, landschaftlich und baulich darstellen und auf die zukünftige Gestaltung von Stadt- und Landschaftsräumen auswirken werden. Das Thema war in die Fachsparten Architektur, Städtebau, Landschaftsarchitektur und Freie Kunst unterteilt.

Neue städtebauliche Ansätze

Mit seiner Masterarbeit „Die fliegende Stadt“ entwickelte Christian Rapp aus dem Landkreis Landsberg im Wintersemester 2019/2020 eine Utopie, für die er nun ausgezeichnet wurde. Sein Blick in die Zukunft beschreibt folgendes Szenario: „Wir schreiben das Jahr 2070: Klimawandel und Umweltzerstörung haben uns stark zugesetzt. Der Bedarf an Lebensraum für Mensch und Tier ist hoch. Ballungsgebiete werden immer stärker verdichtet, wodurch die Städte noch stärker aufgeheizt werden, da das kühlende Grün den kulturellen Bedürfnissen weichen musste.“ Um weitere negative Folgen einzugrenzen müsse auf neue städtebauliche Ansätze gesetzt werden, erklärt Rapp seine Vision. Doch wo findet man die Luft, Städte in ihrem Dasein effizient und ohne großen Platzbedarf zu erweitern? Man fügt eine zweite Ebene hinzu, die in starker Verbindung mit der bestehenden steht, so die Idee des Architekturstudenten. Beide Ebenen profitieren voneinander und ergänzen einander. „Diese Utopie erscheint anfangs oft als unmachbares Wolkenschloss, doch die Auseinandersetzung mit ihr könne unserer Architektur Flügel verleihen“, sagt Rapp.

Sein Konzept einer „fliegenden Stadt“ ist demnach so gedacht, dass der Austausch der beiden Ebenen eine Gleichberechtigung schaffen und sie funktionell verschmelzen lassen soll. Der untere Ort erhalte somit eine Schule, Bürogebäude, Unterhaltungsmöglichkeiten und einen Kindergarten, während die oberen Bewohner durch die Natur, Grünanlagen, Handwerksbetriebe und Landwirtschaft unten profitieren. Um eine fliegende Stadt zu verwirklichen, benötige man der Vision zufolge ein Tragsystem. In Rapps Szenario wird die Stadt exemplarisch von einem Heliumballon gehoben. Bei dem Tragsystem handelt es sich um ein Hängesystem, das alle Bauteile auf Zug belastet. Somit könnten die tragenden Bauteile sehr dünn und somit leicht gestaltet werden. Professor Katinka Temme und Professor Christian Peter betreuten den Architekturstudenten. „Ich bin sehr stolz auf Herrn Rapp“, sagt Temme und ergänzt: „Ich freue mich riesig, dass die Hochschule Augsburg unter den Preisträgern vertreten ist.“ Der Wettbewerb sei ein bedeutender Wettbewerb unter den Architekten, wenn nicht der bedeutendste überhaupt.

Eingereichte Arbeiten zeugen von Mut, Außergewöhnliches zu wagen

Eingegangen waren insgesamt 92 Arbeiten von jungen Planern, von denen acht ausgezeichnet wurden. Die Preisträger können sich über Preisgelder in Höhe von 18.200 Euro freuen. „Bei den eingereichten Arbeiten haben wir dieses Jahr ein insgesamt qualitativ höheres Niveau verzeichnet, da auch die Aufgabenstellung sehr anspruchsvoll war“, teilt Krapf mit. Die preisgekrönten Arbeiten würden ihrer Meinung nach große Zuversicht zeigen, die Aufgaben der Zukunft in Angriff zu nehmen, aber auch den Mut, Außergewöhnliches zu wagen. Das Schinkel-Fest mit Preisverleihung wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Für den nächsten Schinkel-Wettbewerb im Jahr 2021 steht bereits das Thema fest. „Die Aufgabe im nächsten Jahr heißt ,Zwischen Wasser und Gleis‘ und sucht nach neuen Ideen für den Berliner Westhafen und Großmarkt. Beide sind wie ,geheime Orte‘, die den meisten Berlinern unbekannt sind, jedoch haben sie eine große Bedeutung für die Ver- und Entsorgung der Stadt. Dies gilt es zu etablieren“, erklären die beiden zukünftigen Vorsitzenden des Schinkel-Ausschusses Gesche Gerber und Ernst-Wolf Abée.

Der AIV-Schinkel-Wettbewerb richtet sich seit 1855 als Förder- und Ideenwettbewerb jährlich an junge Planer, um deren Kreativität für die Lösung zukunftsorientierter Planungsaufgaben zu wecken. Neben der Förderung des technisch-wissenschaftlichen Nachwuchses initiiert der Wettbewerb einen Dialog zwischen Stadtöffentlichkeit, Fachleuten, Verwaltung und Politik. Er zielt darauf ab, Interesse für ein Gebiet zu wecken, Sensibilität im Umgang mit dem Bestand zu entwickeln, die Bedeutung für die Umgebung aufzuzeigen und somit zur Qualifizierung der Aufgabenstellung einer formellen Planung beizutragen. In diesem Sinne ist der Wettbewerb darauf ausgerichtet, eine Beziehung der breiten Öffentlichkeit zum Planungsgebiet zu generieren und sie für die Gestaltung der öffentlichen Räume zu gewinnen. Aufgrund seiner Unabhängigkeit gelingt es dem Wettbewerb damit, Anregungen in laufende Planungen einzubringen. Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.aiv-berlin.de/schinkel-wettbewerb.

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