Augsburger Historiker spricht sich für Erhalt der Reese-Kaserne aus

Die historischen Gebäude der Reese-Kaserne könnten laut Meinung einer Initiative den Stadtteil Kriegshaber bereichern. Sie sollen allerdings abgerissen werden.

Wissenschaftler der Universität Augsburg spricht sich für Erhalt der Reese-Kaserne aus.

In einem Kurzgutachten hat der Wissenschaftler und Autor Dr. Stefan Lindl, der am Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte der Universität Augsburg tätig ist, sich für den Erhalt der historischen Gebäude der ehemaligen Reese-Kaserne ausgesprochen. Eine Bürgerinitiative kämpft bereits seit Jahren um den Erhalt der Bauwerke. Dennoch hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft inzwischen mit den Abrissarbeiten begonnen. Auf dem Reese-Areal soll neue Wohnbebauung entstehen.

Aufgegeben hat die Initiative "Augsburgs Erbe bewahren" allerdings noch nicht. Bestärkt fühlt sie sich nun auch durch eine Stellungnahme des Augsburger Historikers Stefan Lindl. In dieser mache er "unmissverständlich klar, welchen Wert historische Strukturen in der Stadt haben", schreibt Alex Blüml von der Bürgerinitiative. In seiner Stellungnahme empfiehlt Lindl, die übrigen Bestandsgebäude auf dem Reese-Areal zu erhalten. Durch die historischen Gebäude ergebe sich für das Neubaugebiet im Stadtteil Kriegshaber "ein Gefühl von einem Mehr als nur Architektur, die überall stehen könnte und keine lokale Spezifik entwickelt und ausweisen kann". Eine sichtbare Geschichte sei außerdem wichtig für die gemeinsame Identität eines Stadtteils und seiner Bewohner.

"Völlig einzigartige Züge"

"Die baulichen Bestandsreste des Reese-Kasernen-Areals ließen sich im Sinne einer Kultur der Nachhaltigkeit nutzen, um ein authentisches Stadtviertel zu schaffen, das völlig einzigartige Züge trägt", so Lindl. Der Wissenschaftler empfiehlt der Stadt deshalb, den historischen Bestand weitestgehend weiter zu nutzen. Dass die Gebäude nicht unter Denkmalschutz ständen, sei ein gestalterischer Vorteil. Vor allem die ehemalige Soldatenkantine und die drei gegenüberliegenden Kasernenbauten sowie die Kradhalle verfügten über großes Potenzial für eine weitere Nutzung.

Spezifische historische Bauelemente könnten laut Lindl auch Teil moderner Architektur oder Raumplanung werden. So könne etwa die hufeisenförmige Platzgestaltung der Reese-Kaserne mit gestalterischen Mitteln bewahrt und in einer neuen Gestalt sichtbar bleiben.

Die Stadt und das Baureferat unter Leitung Gerd Merkles hielt bislang allerdings an den Abrissplänen fest und gab auch den Forderungen der Initiative nicht nach, die Planungen noch einmal im Stadtrat zu behandeln. Die zehn Jahre alte Bebauungsplan sei inzwischen veraltet und entspreche nicht mehr modernen Anforderungen an ein Stadtquartier, kritisiert die Initiative, eine Wohnbebauung sei auch parallel zum Erhalt der Reese-Gebäude möglich.

Das Baureferat hat allerdings wiederholt auf die hohe Schadstoffbelastung der Gebäude verwiesen, die einen Erhalt der Gebäude unmöglich mache. Auch diese Aussage zweifelt die Initiative allerdings an. Sie fordert eine unabhängige Überprüfung der tatsächlichen Schadstoffbelastung. (lat)

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