Corona-Pandemie: In Pflegeheimen wurde "unverhältnismäßig reagiert"

Die Älteren schützen: Alleine in den AWO-Einrichtungen in der Region starben 18 Bewohner (Symbolbild).

Das Präsidium der schwäbischen AWO zieht eine Corona-Zwischenbilanz. Eine selbstkritische Reflexion über die restriktiven Maßnahmen in den Pflegeheimen sei notwendig – denn in den Heimen sei unverhältnismäßig reagiert worden.

Monatelange allgemeine Besuchsverbote "dürfen sich nicht wiederholen" – das ist das Fazit des Präsidiums der schwäbischen Arbeiterwohlfahrt (AWO), das nun eine Zwischenbilanz der Corona-Krise gezogen hat.

"Auch in den Seniorenheimen wird die Welt nicht wieder wie vor dem Ausbruch der Pandemie sein", sagt Heinz Münzenrieder, Vorsitzender des Präsidiums der AWO in Schwaben. In den AWO-Einrichtungen in der Region starben 18 Bewohner. "Etwa die Hälfte aller in Deutschland an Covid-19 Verstorbenen lebte in Heimen", erinnert Münzenrieder. Dies müsse zwingend Ansporn sein, in der Aufarbeitung der Pandemie "unsere Heime fest im Fokus zu behalten. Wir müssen gewappnet sein, mit solchen uns wahrscheinlich auch künftig belastenden Epidemien zu leben“. Die Vorkommnisse des Pandemiejahres 2020 seien aber auch eine Chance, künftig besser auf solche Herausforderungen zu reagieren.

Eine zwischen Staat und Trägern abgestimmte Vorsorgeplanung sei hierbei wesentlich, betont Münzenrieder. Und dabei gehe es nicht nur um Schutzmaterial, um obligatorische Tests aller in Heimen Wohnenden und Arbeitenden und um eine entsprechende Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter. Genauso wichtig sei etwas anderes: Eine "selbstkritische Reflexion über die erfolgten restriktiven Maßnahmen in den Pflegeheimen". Es sei nämlich "unverhältnismäßig reagiert" worden. Geschuldet der relativ neuen Gefährdungssituation sei auf Verdacht hin überall gelöscht worden, "auch wenn kein Feuer loderte".

"Monatelange allgemeine Besuchsverbote dürfen sich nicht wiederholen", betont der AWO-Vorsitzende. "Im Übrigen wurde nicht gezählt, wie viele ältere Menschen an Einsamkeit gestorben sind und nicht an Covid-19. Von verbliebenen psychischen Verletzungen ganz zu schweigen." (jaf/pm)

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