Coronavirus in Augsburg: Bürgermeisterin Wild in Quarantäne – Sieben-Tage-Inzidenz bei 198,3

In Augsburg müssen sich die Bürger aufgrund der Corona-Pandemie auf weitere Einschränkungen einstellen.

Augsburg regiestriert am Sonntag 75 Neuinfektionen mit Covid-19. Nach den Herbstferien müssen die Schüler wieder abwechseln mit Präsenz- und Distanzunterricht. Derweil ist die Bildungsreferentin Martina Wild in Quarantäne.

Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg meldet am Sonntag 75 neue Covid-19-Fälle. Bei 52 Personen ist die Infektionsquelle noch unbekannt, 23 Infektionen wurden bei Kontaktpersonen bestätigter Covid-19-Fälle nachgewiesen. Davon sind 19 Neuinfektionen laut Pressemitteilung der Stadt auf ein zusammenhängendes Ausbruchsgeschehen in einer Asylunterkunft zurückzuführen.

Ampelphase "Dunkelrot"

In den vergangenen sieben Tagen wurden 591 Neuinfektionen im Stadtgebiet gemeldet. Das entspricht aktuell etwa 198,3 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Damit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Augsburg weiterhin über 100. Es gelten verschärfte Schutzmaßnahmen im Stadtgebiet. "Abzüglich des zusammenhängenden und damit eingrenzbaren Clusters in einer Asylunterkunft läge die aktuelle Inzidenz bei etwa 192", so die Stadt Augsburg.

Ob es in Augsburg weitere Schutzmaßnahmen oder einen zweiten Lockdown geben werde, hänge davon ab, inwiefern die derzeit geltenden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus greifen. Insgesamt hat das Gesundheitsamt in Augsburg 2138 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 1316 Personen gelten als genesen, 805 sind aktuell infiziert, 17 Personen sind verstorben.

Neue Regeln für Kitas und Schulen nach den Herbstferien

Angesichts der hohen Infektionszahlen im Stadtgebiet Augsburg fand am Samstag eine erneute Abstimmung zwischen den Staatlichen Schulaufsichtsbehörden, dem städtischen Gesundheitsamt und dem Referat für Bildung und Migration statt. Auch Oberbürgermeisterin Eva Weber nahm am Abstimmungsgespräch teil.

Folgende Ergebnisse resultieren aus dem Runden Tisch:

 Die verschärfte Stufe 2 des bayerischen Rahmenhygieneplans für Schulen gilt unter weiterer Beobachtung des Infektionsgeschehen noch bis zum Beginn der Herbstferien. Ein regulärer Präsenzunterricht soll insofern noch bis einschließlich Freitag, 30. Oktober, für alle Schulen ermöglicht werden.

 Ab dem 9. November wird die Stufe 3 ausgerufen. Die Schulen wurden bereits gebeten, sich bis zum Ende der Herbstferien auf einen Wechselbetrieb zwischen Präsenz- und Distanzunterricht vorzubereiten.

 Unter Berücksichtigung des derzeitigen Infektionsgeschehens sollen die Grund-, Mittel-, und Förderschulen nach Möglichkeit vorerst von der Verpflichtung, in Stufe 3 einen Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten zu müssen, ausgenommen werden.

 Auch für die Kindertagesstätten wird ab dem 9. November die Stufe 3 des Rahmenhygieneplans ausgerufen. Die Kitas sollen jedoch derzeit in der Präsenzbetreuung geöffnet bleiben.

 Kinder und Jugendliche mit leichten Erkältungssymptomen dürfen Schulen und Kitas nur noch mit negativem Corona Test besuchen.

Die im Zuge des Runden Tisches getroffenen Entscheidungen basieren darauf, dass Schulen und Kitas bisher einerseits keine führenden Infektionsherde waren und andererseits wichtige pädagogische Gründe dafür sprechen, einen Präsenzunterricht und eine Präsenzbetreuung unter ständiger Beobachtung des Infektionsgeschehens so weit wie möglich beizubehalten. Oberbürgermeisterin Eva Weber erklärt dazu: "Die Schulen und Kitas sind bisher nicht als führende Infektionsherde zu werten. Deshalb war es uns wichtig, eine differenzierte Entscheidung zu treffen, welche den Schutz der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer und des sonstigen schulischen Personals, den Hygieneschutz und die wichtige pädagogische Bedeutung von Schulen und Kitas in unserer Stadt miteinbezieht."

Martina Wild ergänzt: "Von den Schulaufsichtsbehörden, von Schulleitungen und Lehrkräften wurde uns eindrücklich erläutert, wie wichtig ein strukturierter Schulalltag an Orten ist, an denen Hygienekonzepte gut umgesetzt und eingehalten werden. Ebenso deutlich wurde uns die Gefahr geschildert, Kinder und Jugendliche durch einen Distanzunterricht nicht mehr zu erreichen. Gleiches gilt auch für die Kitas. Mit Nachdruck präferieren pädagogische Fachkräfte daher einen Präsenzunterricht und eine Präsenzbetreuung. Schulen und Kitas sind wichtige Orte für gute Bildungschancen und für das Wohl und den Schutz der Kinder. Auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie brauchen wir Kitas und Schulen. Uns ist es wichtig, dass die aktuelle Entscheidung in einem guten Miteinander und gemeinsam mit dem Gesundheitsamt und den Schulaufsichtsbehörden getroffen wurde."

Markus Wörle, Leiter des staatlichen Schulamtes, sagt: "Ich bin froh, dass wir im gemeinsamen Austausch eine differenzierte Entscheidung getroffen haben und in der Stadt Augsburg das Thema Bildungsgerechtigkeit und Bildungschance in die Entscheidung miteinbezogen wurde. Gerade an den Grund-, Mittel-, und Förderschulen haben wir während des Lockdowns im Frühjahr gesehen, dass wir viele Schülerinnen und Schüler aus dem Fokus verlieren und dass für viele Kinder und Jugendliche ein strukturierter Schulalltag von ganz besonderer Bedeutung ist. In vielen Gesprächen und auch Besuchen an Schulen wurde mir geschildert, dass die Schule ein vergleichsweise sicherer Ort hinsichtlich des Hygieneschutzes ist und die Akzeptanz der Regeln in sehr hohem Maße vorhanden ist. In den Schulen haben wir pädagogischen Zugriff auf die Kinder und Jugendlichen und somit auch auf das Einhalten der Hygienemaßnahmen, was außerhalb der Schule nicht mehr möglich ist."

Hygienemaßnahmen werden verschärft

In Anbetracht der hohen Infektionszahlen sei es wichtig, selbstverständlich auch an den Schulen und Kitas den Infektionsschutz sicherzustellen und zuerhöhen. Dies müsse aber gut organisiert werden. Deshalb werde nach den Schulferien für die Schulen und die Kitas bei anhaltenden hohen Inzidenzwerten die Stufe 3 ausgerufen. Das bedeutet konkret, dass in den Schulen ein Mindestabstand von 1,5 Meter einzuhalten sind. Wenn dies nicht möglich ist, müssen die Klassen geteilt werden. "Wir empfehlen, im wöchentlichen Turnus ein Wechselunterricht einzurichten. Ausgenommen sind hier vorerst die Grund-, Mittel-, und Förderschulen. Die Maskenpflicht bleibt aus Gründen des Hygieneschutzes an allen Schulen während des Unterrichts erhalten", so Reiner Erben, Referent für Nachhaltigkeit, Umwelt, Klima und Gesundheit. Darüber hinaus werden die Schulen und die Kitas gebeten, in besonderem Maße auf die konsequente Einhaltung der AHA-LRegeln (Abstand, Hygieneregeln, Alltagsmaske, Lüften) zu achten.

Entzerrung des ÖPNV

Zwischen Gesundheitsamt, den staatlichen Schulaufsichtsbehörden, Schulleitungen, den Stadtwerken Augsburg und dem Referat für Bildung und Migration wurde des Weiteren bereits vereinbart, eine Staffelung des Unterrichtsbeginns und -endes zwischen weiteren Schulen im Innenstadtgebiet zu prüfen und in die Umsetzung zu bringen. Auf diese Weise könne dem unkontrollierten Zusammentreffen von vielen Schülern im ÖPNV und an bestimmten neuralgischen Haltestellen entgegengewirkt werden. Von Dienstag, 27. Oktober, bis Freitag, 30. Oktober, werden die Stadtwerke außerdem insgesamt 14 Ordner zur Fahrgastlenkung im Schülerverkehr einsetzen. Der Einsatz ist morgens unter anderem am Königsplatz, Hauptbahnhof, Rathausplatz, der Wertachbrücke und der Haunstetter Unterführung und mittags unter anderem am Klinkertor, dem Mozarthaus und dem Königsplatz vorgesehen.

Aktuelle Entwicklungen weiterhin im Blick

Die getroffenen Regelungen stehen unter Vorbehalt der weiteren Infektionsentwicklung im Stadtgebiet Augsburg und der aktuellen Überarbeitungen der Rahmenhygienepläne des Kultus- und des Sozialministeriums, welche voraussichtlich im Laufe der kommenden Woche veröffentlicht werden.

Bildungsreferentin Martina Wild in Quarantäne

Die zweite Bürgermeisterin und Referentin für Bildung und Migration Martina Wild hat sich am Samstagabend unverzüglich in Quarantäne begeben, nachdem in ihrem direkten Umfeld eine Person positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Martina Wild wollte sich noch am Sonntag einem Test unterziehen. Sie zeige keinerlei Symptome, so die Pressemitteilung der Stadt. Öffentliche Termine werden von der Bürgermeisterin bis auf Weiteres nicht wahrgenommen. Ihre Termine wolle sie über Videokonferenzen abhalten. Martina Wild werde die im Referat anfallenden Aufgaben und Tätigkeiten von zuhause aus weiter erfüllen. (pm)

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