Entsteht eine zweite Fuggerei in Augsburg, oder doch in einem anderen Land?

Die Fuggerei wird im kommenden Jahr 500 Jahre alt. Für das Jubiläumsjahr haben sich die Fuggerstiftungen ein besonderes Projekt überlegt.

Die Augsburger Fuggerei soll zum Vorbild moderner Sozialsiedlungen werden.

Obwohl die Feierlichkeiten zum kommenden Jubiläumsjahr der Augsburger Fuggerei aufgrund der Corona-Krise kleiner ausfallen werden als zunächst geplant, will die Stiftung ein besonderes Projekt dennoch weiterhin in Angriff nehmen: Die Fuggerei soll nach Vorstellung der Fuggerstiftung Vorbild für weitere Sozialsiedlungen werden - in Augsburg oder auch dem Rest der Welt. Im August 2021 wird es 500 Jahre her sein, dass Jakob Fugger die Wohnsiedlung für bedürftige, katholische Augsburger stiftete, die bis heute Bewohner unter denselben Voraussetzungen aufnimmt wie bereits im Jahr 1521. In diesem Modell sieht Wolf-Dietrich Graf von Hundt, Administrator der Fuggerschen Stiftungen, auch das Erfolgsgeheimnis der Fuggerei, das nun pünktlich zum Jubiläum auch in andere Länder und, als "Fuggerei der Zukunft", in das moderne Zeitalter übertragen werden soll.

In der aktuellen Sitzung des Augsburger Stadtrats äußerte von Hundt aber auch einen weiteren Wunsch für das Projekt: "Die erste Fuggerei der Zukunft soll hier in Augsburg entstehen", sagte er. Dafür wolle die Fuggerstiftung im Jubiläumsjahr das Modell der modernen Fuggerei auf dem Rathausplatz präsentieren und mit den Bürgern in Workshops erarbeiten, wie sie sich eine neue Fuggerei vorstellen würden.

Durch den besonderen "Code" der Fuggerei - dass die Bewohner aus der direkten Umgebung stammen, bedürftig sein und sich zu humanistischen Werten bekennen müssen - könne man das Prinzip aber auch auf entsprechende durch Stiftungen finanzierte Sozialsiedlungen in anderen Ländern übertragen. So soll das Prinzip der Fuggerei weltweit Bekanntheit erlangen. Jakob Fugger habe seine Fuggerei damals auf christlichen Werten aufgebaut, allerdings sei vor allem wichtig, dass man sich mit allen Bewohnern auf einen Wertekanon einige, der in der jeweiligen Kultur akzeptiert werde, so von Hundt.

Der Stadtrat reagierte grundsätzlich positiv auf die Idee der Fuggerstiftung. "Die Fuggerei ist für uns alle sehr bedeutsam", betonte etwa Stefan Kiefer (SPD). Allerdings habe sich in den vergangenen 500 Jahren auch viel geändert. So schlug der Stadtrat etwa vor, bei einer modernen Siedlung auch eine "Durchmischung" der Bewohner in Betracht zu ziehen. Außerdem wollte Kiefer eine konkrete Aussage von der Bau- und Stadtverwaltung, ob diese bereits Überlegungen habe, eine solche "Fuggerei der Zukunft" in Augsburg umzusetzen. "Ein Workshop macht keinen Sinn, wenn wir nicht gewillt sind, so einen Plan auch umzusetzen", betonte Kiefer.

Oberbürgermeisterin Eva Weber wollte währenddessen noch keine klaren Zusagen machen, scheint dem Projekt gegenüber aber grundsätzlich nicht abgeneigt. Die Umsetzbarkeit liege auch immer an den verfügbaren Grundstücken, meinte sie. Man sei hier aber bereits seit rund eineinhalb Jahren in Gesprächen, um womöglich einen geeigneten Standort in Augsburg zu finden. Auch mit möglichen Stiftungen, die für das Projekt in Frage kommen könnten, habe man bereits Gespräche geführt, fügte von Hundt hinzu. "Natürlich wäre es toll, wenn wir in Augsburg diese zweite Fuggerei hätten", sagte Weber abschließend. Letztendlich gehe es aber auch vor allem darum, die Idee weltweit zu verteilen.

Raphael Brandmiller (Generation Aux) rief die Augsburger Stadträte auf, das Jubiläum der Fuggerei und das Projekt als Chance für Augsburg zu sehen. Die Fuggerei sei in ihrer Zeit eine "soziale Innovation" gewesen, die weltweit einen Leuchtturm gesetzt hätte. Man müsse sich nun überlegen, welche gesellschaftlichen Herausforderungen es heute gebe und wie dieser Innovationscharacter in die Gegenwart übersetzt werden könnte, um Augsburg erneut "zu einem Leuchtturm auf der weltweiten Karte der sozialen Innovation zu machen".

In der "alten" Fuggerei leben aktuell circa 150 Bewohner in 140 Wohnungen, die unter einem Euro Kaltmiete pro Jahr zahlen. Finanziert wird das noch immer durch das Vermögen der Fugger, das vor allem aus Wäldern und Immobilien besteht. Auch die Touristen, die die "älteste Sozialsiedlung der Welt" besuchen, sind inzwischen allerdings eine wichtige Einnahmequelle für die Fuggerei. Auch das Jubiläum im kommenden Jahr sollte eigentlich publikumswirksam gefeiert werden, unter anderem mit einem großen Bürgerfest. Aufgrund der finanziellen Einbußen während der tourismusarmen Corona-Zeit und der übrigen mit der Pandemie einhergehenden Unsicherheiten findet dieses nun nicht statt. Neben dem Startschuss für die "Fuggerei der Zukunft" soll das Augsburger Wahrzeichen für die Bürger im Jubiläumsjahr aber trotzdem präsent sein.

Geplant ist unter anderem eine Ausstellung der Augsburger Kunstsammlungen und Museen mit dem Titel "Stiften gehen - Wie man aus Not eine Tugend macht", die auch Parallelen zu den aktuellen Schwierigkeiten während der Corona-Krise ziehen soll. Außerdem wird es thematische Stadtführungen der Regio Augsburg geben.

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