Erstes Inklusionshotel in Augsburg eröffnet

Eröffnung eines besonderen Betriebs in einer besonderen Zeit: Als gestalterische Umsetzung des Augsburger Architekturunternehmens "Dreimeta" befinden sich überall Pixel.

Das Hotel "Einsmehr" hat am Sonntag in Augsburg seine Pforten geöffnet. Für Karin Lange, Vorsitzende des Vereins Einsmehr, geht ein Traum in Erfüllung. In Zusammenarbeit mit der Hoteldirektion, Sandra und Raul Huerga-Kanzler, der Architektin Andrea Kraft und dem Geschäftsführer Jochen Mack hat sie bereits sieben Jahre an diesem Projekt gearbeitet. Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung haben nun ab Sonntag die Möglichkeit, sich auf dem ersten Arbeitsmarkt zu beweisen und ihre Fähigkeiten gleichgestellt einzubringen.

Derzeit sind im Inklusionshotel Einsmehr zwölf geistig beeinträchtigte Mitarbeiter beschäftigt. Der Verein lege einen Schwerpunkt darauf, dass die Mitarbeiter gut auf ihre Tätigkeiten vorbereitet und nicht "ins kalte Wasser geworfen" werden. Vor der Fertigstellung des Hotels konnten die zukünftigen Mitarbeiter den Hotelbetrieb bereits in anderen Einrichtungen kennenlernen.

Einsmehr ist das erste Inklusionshotel in der Umgebung und bietet 73 Zimmer. Alle Räume sind laut Angaben des Hotels barrierefrei zugänglich und acht davon rollstuhlgerecht mit breiteren Türen gestaltet. Zwölf Zimmer sind mit einer kleinen Küchenzeile ausgestattet und können für längere Zeit gemietet werden. Einige Räume bieten mit einem Korkboden auch eine Unterkunft für bestimmte Allergiker. Die Vorkosten des Baus lagen bei circa 1,5 Millionen Euro. Um dies zu stemmen, war der Verein auch auf Spenden angewiesen. "Von allen Seiten kam Hilfe", betont Jochen Mack. "Viele Türen wurden uns geöffnet, ohne dass wir anklopfen mussten."

Insgesamt sammelte der Verein Spenden in Höhe von 450 000 Euro. Der Freistaat Bayern, der Bezirk Schwaben, die Stadt Augsburg, die Stadtsparkasse, der Bayerische Rundfunk und der Bunte Kreis hatten jeweils einen großen Teil daran. Das Ziel wäre es, die Mitarbeiter nach der "Vorqualifikation" in Augsburg an weitere Kooperationshotels schicken zu können und dadurch immer neuen Menschen mit Beeinträchtigung das Leben in der "allgemeinen Arbeitswelt abseits der Werkstätten" zu ermöglichen. 60 Bewerbungen gingen auf die verfügbaren zwölf Arbeitsplätze ein. Mindestens 40 wurden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Laut Karin Lang wurden von den zwölf Probearbeitenden zehn direkt übernommen.

Nachhaltigkeit als Schwerpunkt

Das Westhaus, in dem sich das Hotel befindet, sei laut Jochen Mack ein "ansprechender und nachhaltig gestalteter Ort". Im Hotel selbst wird ebenfalls ein Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit gesetzt. Überwiegend wird mit biologischen Nahrungsmitteln, zum Großteil aus der Umgebung, gearbeitet. Eine eigene Solaranlage auf dem Dach produziert einen Teil des benötigten Stroms. Nicht zu vergessen sind die regionalen Partner, die trotz der Corona-Krise liefern und vor Ort arbeiten konnten. Durch die "Null-Plastik-Idee" solle möglichst kein Kunststoffmüll entstehen, weshalb in den Zimmern mit einer Küche kleine Kaffeemaschinen ohne Kapseln oder Pads vorzufinden sind. Das Hotel arbeitet außerdem mit einer digitalen Gästemappe, die über das Handy oder Tablet genutzt wird. Dort kann mit der Rezeption kommuniziert werden und verschiedene Informationen, wie das aktuelle Hygienekonzept, sind dort ebenfalls zu finden.

Schwieriger Start in der Corona-Zeit

Architektin Andrea Kraft meint, dass viele unterschiedliche Pixel ein "stimmiges Ganzes" ergeben würden. Das ganze Bild werde erst sichtbar, wenn viele unterschiedliche Beiträge eingebracht werden. Unter diesem Motto zieht sich das Pixelmuster als gestalterisches Element konstant durch das gesamte Inklusionshotel. Die Teppiche im Inneren der Zimmer greift das quadratische Muster auf, löst dieses jedoch zur anderen Seite hin. Die Schilder im Flur mit verpixeltem Hintergrund, von denen die Zimmernummer entnommen werden können, wurden von Künstlern der Ulrichswerkstätte in Schwabmünchen geschaffen. Auch im Rezeptions- und Frühstücksbereich zieren Pixel als Hocker den Raum.

Durch die aktuelle Pandemie haben sich die Bedingungen für die Eröffnungen stark verschlechtert. Der touristische Reiseverkehr wurde verboten und die Gastronomie muss bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Der Hoteldirektor Raul Huerga-Kanzler bestätigte, dass bereits Buchungen stattgefunden hatten, die auf eine gute Annahme des neuen Inklusionshotels schließen lassen. Einige mussten allerdings wieder storniert werden. Trotzdem ist der Direktor zuversichtlich, angesichts des "motivierten Teams". Aktuell hat das Hotel noch 30 geplante Gäste mit circa 65 Übernachtungen, davon einen Dauergast vom nahegelegenen Universitätsklinikum. Die anfängliche "Durststrecke" aufgrund der Corona-Krise solle nun für die Perfektionierung der Arbeitsschritte der Mitarbeiter genutzt werden.

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