Flüchtlinge müssen wegen Corona-Krise bleiben

Fabian Doser ist Mitarbeiter der Zentralen Rückkehrberatung Südbayern und steht Geflüchteten bei der Ausreise in ihr Heimatland zur Seite.

Das Coronavirus hindert viele Geflüchtete daran, in ihre Heimatländer zurückzukehren. Ein Mitarbeiter des Caritasverbandes Augsburg spricht über die Zentrale Rückkehrberatung.

Reisen innerhalb der Europäischen Union sind seit dem 15. Juni wieder weitestgehend erlaubt. Viele Migranten und Geflüchtete möchten zurück in ihre Heimatländer reisen, doch viele von ihnen können nicht von dieser Lockerung im europäischen Raum profitieren, da ihre Heimat außerhalb Europas liegt. Fabian Doser arbeitet in der Zentralen Rückkehrberatung Südbayern und unterstützt Klienten, die schon vor Corona zurück in ihr Heimatland wollten. Doch die Corona-Pandemie hat die Situation zusätzlich erschwert.

Der 28-Jährige arbeitet seit 2012 für die Caritas. Soziale Arbeit und besonders die Arbeit mit Geflüchteten und Asylsuchenden interessiert ihn dabei besonders. Nach dem Bachelorabschluss in Sozialmanagement hatte er mehrere Stellen in der Integrationsarbeit inne: Beratung in Flüchtlingsunterkünften, Planung von Integrationszentren, Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer – all das gehörte bis 2019 zu seinen Tätigkeitsbereichen. Schließlich wechselte er im Oktober 2019 nach Kempten in die Zentrale Rückkehrberatung Südbayern. Diese ist ein Kooperationsprojekt bestehend aus den Wohlfahrtsverbänden Diakonie Augsburg, Bayerisches Rotes Kreuz Augsburg Land, Caritasverband für die Erzdiözese München-Freising, Caritasverband für den Landkreis Deggendorf, Caritasverband für die Diözese Augsburgs, sowie der Regierung von Schwaben.

„Viele Leute haben noch nie von dem Begriff ‚Rückkehrberatung‘ oder ‚Freiwillige Ausreise‘ gehört“, sagt Doser und erklärt seine Arbeit wie folgt: „Eine geflüchtete Person stellt einen Asylantrag. Wird dieser abgelehnt, kann er oder sie dagegen klagen. Wenn das erfolglos ist, ist die Person ausreisepflichtig. Dann hat der Migrant die Möglichkeit, freiwillig auszureisen. Kommt die Person dem nicht nach, wird sie abgeschoben. Aber natürlich gibt es darüber hinaus auch Geflüchtete, die aus familiären oder persönlichen Gründen wieder freiwillig zurück in die Heimat möchten, und dafür Unterstützung benötigen. Die berate ich auch. Zudem helfe ich dabei, die Rückreise zu planen und beantrage Fördermittel für die Klienten.“

Gründe sind oft sehr vielfältig

Ein Problem sei, dass die Menschen viel auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen. Sie verlassen ihre Familien, legen gefährliche Reisen hinter sich und kommen schließlich in einer völlig fremden Umgebung an. Oft ist die Motivation dann niedrig, wieder zurückzukehren. „Meine Aufgabe ist es dann, die Leute über Unterstützungsmöglichkeiten in ihrer Heimat aufzuklären und ihre individuelle Situation zu besprechen", so Doser. Denn wenn jemand ausreisepflichtig ist, drohen Konsequenzen, wenn man dieser Pflicht nicht nachkommt. Eine Abschiebung wäre ein erneutes Trauma. Darüber spricht der 28-Jährige mit den Menschen und zeigt Perspektiven auf. Eine freiwillige Ausreise sei zudem unauffälliger als eine offizielle Abschiebung und man kann einen gewissen Einfluss nehmen, erzählt Doser. Priorität habe für ihn immer, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende, die oft tragische Momente erlebt hätten, aufrichtig zu beraten und ihr Vertrauen zu gewinnen. „Deshalb wollte ich bei einem unabhängigen Träger arbeiten. Bei der Zentralen Rückkehrzentrale Südbayern arbeiten mehrere Verbände zusammen", sagt Doser. So stellt die ZRB Südbayern eine Alternative zu staatlichen Behörden dar, die ebenfalls mit Rückkehrberatung beauftragt sind.

Wie hat Corona die Situation verändert?

Doser erzählt, dass bei einer Ausreise oft andere Gründe als das Aufenthaltsrecht dahinterstecken. Selbstverständlich gebe es die, die ausreisen müssten. Andere hätten vielleicht einen Krankheits- oder Todesfall in der Familie. Ein Klient hätte am Tag des Lockdowns seinen Rückflug gehabt. "Daraus ist bis heute nichts geworden. Darunter leidet der Klient sehr“, berichtet Doser. Da der Großteil im Flugzeug zurückfliegt und der internationale Flugverkehr weiterhin eingeschränkt ist, müssen viele Flüchtlinge weiter ausharren. Das bedeutet, dass Doser aktuell hauptsächlich beratend tätig und den Menschen auch emotional eine Stütze ist. „Schlimm ist, dass viele meiner Klienten schon mental den Entschluss gefasst haben, nach Hause zurückzukehren. Nun werden sie hier ‚aufgehalten‘." Das könne psychisch sehr belastend sein, so Doser. Außerdem habe er auch Kontakt zu Personen, die bereits ausgereist sind, nun aber auf Unterstützungszahlungen warten. „Gerade kommt es hier leider oft zu Verzögerungen, da die Hilfsorganisationen vor Ort oder die Banken zur Bargeldauszahlung natürlich auch von den jeweiligen Lockdowns betroffen sind. Das ist besonders tragisch, denn zusätzlich sind die jeweiligen Arbeitsmärkte angespannt und es ist schwierig, Jobs zu finden“, sagt Doser.

Wenn Ausreisen aus der EU wieder verstärkt möglich sein werden, wird ein weiteres Problem sein, wie die jeweiligen Länder eine Quarantäne handhaben. Müssen alle Einreisenden dann in Quarantäne? Wird es eine staatliche Quarantäne am Flughafen auf eigene Kosten sein? „In diesem Fall würden meine Klienten ihre gesamten Unterstützungsgelder allein dafür ausgeben und hätten für einen Neuanfang in der Heimat kein Geld mehr.“, sagt Doser. Corona hat laut dem 28-Jährigen also auch im Bereich der Rückkehrberatung zu zahlreichen Herausforderungen geführt. Mehr denn je sind von den Beratern Flexibilität, Einfühlungsvermögen und schnelle Reaktionen auf die ohnehin dynamischen Veränderungen in diesem Tätigkeitsbereich verlangt. (pca)

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