IHK-Konjunkturumfrage: Ein "Masterplan" muss her

Reinhold Braun (von links), Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Land und stellvertretender IHK-Präsident, Michael Proeller, Vizepräsident der IHK Schwaben und Jens Walter, Regionalgeschäftsführer Wirtschaftsraum Augsburg, präsentierten die Ergebnisse der Konjunkturumfrage.

Die Politik muss einen „Masterplan“ entwickeln. Diese Forderung stellte Michael Proeller, Vizepräsident der IHK Schwaben, am Dienstag während eines Pressegesprächs zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den Wirtschaftsraum Augsburg und im speziellen auf den Landkreis Augsburg. 

Gemeinsam mit Reinhold Braun, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Land und stellvertretender IHK-Präsident, sowie Jens Walter, Regionalgeschäftsführer Wirtschaftsraum Augsburg, präsentierte Proeller die Ergebnisse einer Konjunktur-Umfrage, für die in ganz Schwaben 1000 Unternehmen von Anfang bis Mitte Mai befragt wurden.

Neben der wirtschaftlichen Lage standen dabei die Auswirkungen der Corona-Krise und der Re-Start der Wirtschaft im Vordergrund. Im Landkreis Augsburg gibt es rund 20 000 Mitgliedsunternehmen der IHK Schwaben, die insgesamt 77 553 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zählen, und erzeugen ein Bruttoinlandsprodukt (Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr produziert werden) von 7,475 Milliarden Euro jährlich. „Unsere regionalen Unternehmen mit ihrem breiten Branchenmix und der mittelständisch geprägten Struktur bilden das Rückgrat unserer Wirtschaft im Landkreis Augsburg“, sagte Braun. Die ausgewogene Struktur wirke in der Krise stabilisierend, auch wenn ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen um rund 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen sei.

Der IHK-Konjunkturindex, ein Wert, der sich aus den Beurteilungen zur aktuellen und erwartenden Geschäftslage zusammensetzt, ist im Landkreis Augsburg im Vergleich zum Herbst vergangenen Jahres um 34 Punkte auf nun 84 Punkte gefallen. „So schnell, so flächendeckend einen Absturz zu haben, ist für uns unvorstellbar gewesen“, erklärte der stellvertretende IHK-Präsident Reinhold Braun. In Bezug auf die Geschäftslage im Frühjahr dieses Jahres antworteten 30 Prozent der befragten IHK-Mitgliedsunternehmen im Landkreis Augsburg mit „gut“, 28 Prozent gaben an, dass die Geschäftslage im Frühjahr „schlecht“ gewesen sei. 40 Prozent der befragten Unternehmen beurteilten ihre Geschäftserwartungen für das laufende Jahr jedoch als negativ und nur ein Fünftel positiv.

Mangelnde Digitalisierung bremst Soforthilfen aus

Wichtig sei es Braun zufolge nun, eine Perspektive aufzuzeigen, wie die Unternehmen aus diesem Tal wieder herauskommen. „Dieses Mal werden es die Unternehmen nicht aus eigener Kraft schaffen“, ist sich Proeller sicher. Der IHK-Vizepräsident begrüßte die staatlichen Soforthilfen, kritisierte allerdings deren Umsetzung, bei der es an mangelnder Digitalisierung in der Verwaltung haperte. Die IHK half der Regierung von Schwaben beim Bearbeiten der eingehenden Anträge aus und führte innerhalb von zwei Monaten nach Angaben von Jens Walter 18 000 Telefonberatungen durch.

Digitalisierung ist nur ein Aspekt des „Masterplans“, den Michael Proeller von der Politik forderte, denn seiner Meinung nach gilt: „Wenn du dich auf dünnem Eis bewegst, ist Geschwindigkeit deine Rettung“. Es sei ärgerlich, dass in der Corona-Krise die Anträge auf Soforthilfen teilweise tagelang per Post unterwegs seien oder wenn man im Landkreis Augsburg schlechten oder gar keinen Handyempfang habe. Weitere Punkte des Plans sind Energie und Ausbildung, die konkurrenzfähige Energiepreise und ein stabiles Netz sowie die Anhebung des Niveaus der dualen Ausbildung auf die der akademischen Ausbildung beinhalten. Der letzte Punkt ist die Mobilität und damit der Verkehr. „Wenn der Verkehr nicht auf die Schiene kommt, gibt es einen Verkehrskollaps“, sagte Proeller. Eine funktionierende Ost-West-Verbindung zwischen Augsburg, Ulm und Stuttgart und ins europäische Ausland sei unverzichtbar.

Mit Sorge blickten die Vertreter der IHK am Dienstag auch in Richtung Großbritannien und den bevorstehenden „Brexit“. Laut Jens Walter sind 500 Unternehmen in Schwaben davon betroffen: „Das hat gewaltige Auswirkungen auf den Landkreis Augsburg“.

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